Solothurner Aare
Stand-Up-Paddeln im Sommer wieder erlaubt: Gutachten der Vogelwarte Sempach führt zu Änderung der Bestimmungen

Der Kanton Solothurn erlaubt Stand-Up-Paddeln künftig während des Sommerhalbjahres im Wasser- und Zugvogelreservat zwischen Lüsslingen und Flumenthal. Das Reservat habe aber weiterhin grosse Bedeutung als Überwinterungsplatz für verschiedene Wasservogelarten: Das Winterfahrverbot bleibt deshalb bestehen.

Drucken
Stand-Up-Paddeln wird, wie es der Name schon sagt, stehend betrieben.

Stand-Up-Paddeln wird, wie es der Name schon sagt, stehend betrieben.

Christina Varveris

Zwei Abschnitte der Aare zwischen Lüsslingen und Flumenthal sind ein Wasser- und Zugvogelreservat von nationaler Bedeutung. Stand-Up-Paddeln (SUP) ist in diesen Zonen gemäss Vorgaben des Bundes verboten, da wissenschaftliche Studien ergeben haben, dass Wasservögel auf Seen aufrechtstehende Menschen auf dem SUP als Bedrohung wahrnehmen und mit Flucht reagieren.

Der Kanton Solothurn hatte deshalb per 1. Mai 2021 dementsprechend eine Übergangslösung in Kraft gesetzt und das Befahren mit Stand-Up-Paddles wenigstens in sitzender oder kniender Position ermöglicht.

Parallel dazu hat er die Vogelwarte Sempach mit einem Gutachten beauftragt, das den Status und die Ziele des Schutzgebietes insbesondere auch hinsichtlich der Störwirkung von SUP’s auf der Aare untersuchen sollte.

SUP im Sommerhalbjahr erlaubt

Das Gutachten der Vogelwarte Sempach kommt zum Schluss, dass SUP – aufgrund der relativ geringen Breite der Aare – eine ähnlich grosse Störwirkung auf Vögel haben wie andere Wasserfahrzeuge auch. Das teilt der Kanton Solothurn am Mittwoch mit. Nahezu alle Wasserfahrzeuge könnten hier die nötigen Mindestdistanzen zu den rastenden Wasservögeln bei einer Vorbeifahrt nicht einhalten.

Gemäss Vogelwarte Sempach hat das Reservat im Sommerhalbjahr jedoch eine untergeordnete Bedeutung für die meisten Wasservogelarten. Ausnahmen würden insbesondere zur Brutzeit der Uferpark Attisholz Süd (Westteil mit Kiesinseln), das Naturreservat Emmenschachen und das Aareufer Mutten bilden.

Aufgrund dieser Erkenntnisse hat der Kanton entschieden, das Befahren von SUP im Sommerhalbjahr (1. Mai bis 31. Oktober) - analog zu den anderen Wasserfahrzeugen - in beiden Teilgebieten künftig zu erlauben. Und wie es weiter heisst: Er werde beim Bund ein Gesuch einreichen, das entsprechende Objektblatt bei nächster Gelegenheit anzupassen.

Winterfahrverbot bleibt

Das Reservat habe jedoch weiterhin grosse Bedeutung als Rast- und Überwinterungsplatz für verschiedene Wasservogelarten, für deren Vorkommen die Schweiz eine hohe Verantwortung trage. Das in der Schifffahrtsverordnung bereits enthaltene Winterfahrverbot zwischen Feldbrunnen und Stauwehr Flumenthal (Teilgebiet II) soll beibehalten werden – es gilt jeweils vom 1. November bis 30. April. Es zeige eine positive Wirkung auf die Winterbestände von Wasservögeln auf diesem Aareabschnitt, schreibt der Kanton.

Die Empfehlung der Vogelwarte, das Winterfahrverbot auch in Teilgebiet III (Lüsslingen Bärenbachmündung bis Mündung St. Katharinenbach) umzusetzen, sieht der Kanton hingegen als unverhältnismässige Einschränkung, insbesondere für den Trainingsbetrieb des Ruder- und des Kajakclubs. In beiden Teilgebieten werden im Winterhalbjahr ab 2022 jedoch keine Events mehr auf dem Wasser bewilligt, um die Störwirkungen zu minimieren.

Weitere aus dem Gutachten abgeleitete Massnahmen, wie beispielsweise die Kennzeichnung des gesetzlich festgelegten Uferabstands von 25 Meter wasserseitig bei den Kiesinseln Attisholz-Süd, sollen zur langfristigen Sicherung in den laufenden Gesamtprozess zur Abstimmung von Schutz- und Erholungsinteressen im Aare-Emmeraum in der Agglomeration Solothurn einfliessen.

Die neue kantonale Nutzungsplanung «Aare-Emmemündung» soll bis Ende 2024 zur Genehmigung durch den Regierungsrat vorliegen. (sks)

Aktuelle Nachrichten