Solothurner Konzertsaal
Zurück mit Flamenco und Kastagnetten: Solothurner Stadtorchester lud zur «Spanischen Nacht»

Im Konzertsaal wird wieder musiziert: Das Solothurner Stadtorchester führt den langersehnten Konzertauftritt nach der coronabedingten Zwangspause durch. Dabei waren nur Geimpfte, Genesene und frisch Getestete zugelassen.

Silvia Rietz
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Spanische Nacht im Konzertsaal. Im Bild: Amparo de Triana

Spanische Nacht im Konzertsaal. Im Bild: Amparo de Triana

Michel Lüthi

Rimski-Korsakows «Capriccio Espagnol», mit dem von Daniel Kobyliansky intonationssicher gespielten Violinsolo, eröffnete den langersehnten Konzertauftritt. Den sommerlich gewandeten Musikern war die Freude anzusehen, sie zelebrierten das filigran und fliessend musizierte Stück.

Bevor das Publikum mit dem Stadtorchester ins maurische Granada, an die Tresen der Bodegas von Cádiz und zur andalusischen Fiesta reisen durfte, musste das Einlassprozedere absolviert werden. Nur Geimpfte, Genesene und frisch Getestete waren zur «Spanischen Nacht» zugelassen. Unabdingbar mit dabei die Kastagnetten, die nicht nur im Flamenco und in der Folklore, sondern auch im klassischen Orchester eingesetzt werden.

Mit Amparo de Triana trat eine Kastagnetten-Virtuosin auf, die ganz in der Musik aufgeht. Im spanischen Tanze aus der Oper «La vida breve» von Manuel de Falla lässt sie die Kastagnetten rhythmisch und präzise rattern, setzt effektvolle Akzente.

Elektrisierende Flamencotänzerin auf der Bühne

Harald Siegel führte das Stadtorchester mit straffer Hand, brillierte mit satten Klangfarben, Phrasierungs- und Dynamisierungsraffinessen. Einzig beim «Danza Española» überzeugte die Klangbalance zwischen Orchester und Kastagnetten nicht immer, hätten raschere Tempi dem Stück gutgetan.

Untadelig und schmissig erklang hingegen Jules Massenets Ballettmusik aus der Oper «Le Cid». Der französische Komponist huldigte mit den Tänzen «Castillane», Aragonaise», «Aubade», «Madrilene» und «Navarraise» der Tendenz des «Exotismus à l’espagnol».

Massenets funkelnde Klangfarben brachten die Flamencotänzerin Ladina Bucher auf die Bühne. Die Bailadora im taillierten Flamencokleid elektrisierte mit Steppschritten, rasanter Fusstechnik, anmutigen Armbewegungen und der stolzen Haltung, wie wir sie von Spanierinnen kennen. Ladina Bucher improvisierte zum Rhythmus der Musik, bindet Accessoires wie Umhängetuch und Fächer in den Tanz ein. Ein Hüftschwung, ein Schulterzucken, eine knappe Drehung – Leidenschaft und Talent verdichteten sich zum magischen Moment.

Kastagnetten und Flamenco zauberten eine authentische Atmosphäre in den Konzertsaal, machten die Musik der iberischen Halbinsel auch optisch erlebbar. Zumal Harald Siegel ein Programm präsentierte, welches vom populären Virtuosenstück «Asturias» von Isaac Albéniz über Emanuel Chabriers «España» bis zum impressionistisch beeinflussten Manuel de Falla, dem bis heute meistaufgeführten Komponisten Spaniens, viele Ohrwürmer bereithielt.

Fulminantes Finale

Wer die Kombination Kastagnetten und klassisches Orchester liebt, freute sich auf das Intermezzo aus der Zarzuela «La boda de Luis Alonso» von Jerónimo Giménez y Bellido. Oder Gerónimo Giménez, wie er sich selber nannte. Er schrieb ausschliesslich Zarzuelas, instrumentierte effektvoll und wob Anleihen an die spanische Volksmusik in die Harmonien ein. Vom mitreissenden Schwung des Intermezzos inspiriert, entfachte Amparo de Triana eine temperamentvolle Kastagnetten-Kaskade, erwies sich als Meisterin dieses hierzulande selten zu hörenden Soloinstruments.

Das Publikum jubelte der Künstlerin, dem Dirigenten und dem Stadtorchester zu, dankte für einen berauschenden Konzertabend. Die Zugabe «A Palo Seco» brachte schliesslich Amparo de Triana und Ladina Bucher erstmals gemeinsam auf die Bühne, steigerte sich zum fulminanten und gefeierten Finale, entliess in die Solothurner Nacht.

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