Solothurner Fasnacht
Spott gehörte schon immer zur Narrenzeit

Früher war es während der Fasnacht üblich, sich über einzelne Dörfer und Bewohner lustig zu machen, sie zu necken und mit Spott zu überschütten. Nicht alle waren zimperlich, sich in ein gutes und die Nachbarn in ein zweifelhaftes Licht zu rücken.

Anton Ris
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Schnitzelbänkler letztes Jahr an der Bänklete in Kriegstetten.

Schnitzelbänkler letztes Jahr an der Bänklete in Kriegstetten.

D'Hopperster Meitschi hei schneewyssi Chneu. Drum gö die Buebe so gärn mit ne hei.» Oder «Los Liseli, wer döpperlet ächt? Es isch bygott s'Ammes Chnächt! Er chunnt vo Günsberg abe, dört hei si so magnetisch Chnabe». Diese beiden Spottverse finden wir zusammen mit vielen anderen in der Schrift «Solothurn in geflügelten Worten», die der Oltner Hugo Dietschi seinerzeit gesammelt und herausgegeben hat. Er meinte dazu, die «Blütenlese» bedeute ein Stück Solothurner Geist und sei ein lebendiger Ausdruck unseres Temperamentes.

Drei Bischöfe in einem Boot

Flumenthal kommt bei Dietschi auch zu Ehren: Bis im Jahre 1828, als das Bistum Basel neu organisiert wurde, sind bei der Einmündung der Siggern in die Aare die drei Bistümer Lausanne, Konstanz und Basel zusammengestossen. So wurde gespottet, es hätten die drei Kirchenfürsten, jeder in seinem Bistum, auf einem Schifflein mitten in der Aare miteinander konferieren können. Schon 1597 spottete der solothurnische Stadtschreiber Jakob vom Stall der Ältere: «Drei Diözesen verbindet das Flüsschen Sigger. Wächst es nicht an durch Regen, ist es ein versickerter Bach».

Ein anderer alter, teilweise bösartiger Spottreim aus dem westlichen Teil des Leberbergs lautet: «Solothurn, du alti Stadt, Längedorf der Bättelsack, Oberdorf der Nidlechübel, Lommiswil der Dechel drüber; d'Bälcher sy Schmarotzer, d'Selzecher Chotzer, d'Bettlecher sy Lütuslacher, d'Grenchner sy Finetlimacher». Ein Kernspruch des Heimatdichters Josef Reinhart hat gelautet: «Nit immer uf en anger los, aber eister uf en anger lose!».

Über Grenchen sind mehrere Neckverse bekannt: «Vo Gränche bygott, wo sure Wy wachst!» sei früher entgegnet worden, wenn sich einer als Grenchner vorgestellt habe. «Gränche isch e so-n-es Dorf, dört tüe si nüt as bäte, und wenn si d'Hebi mache wei, so hei si nüd fürs's Chnäte». Wenig höflich tönt der Vers «D'Gränchner Nare springe-n-i d'Aare, frässe der Dräck und meine, es sig Späck». Positiver ist folgender Vers: «Das Grenchner Völklein, keck und stramm, ist stolz auf seinen Ort. Es macht ihm Ehre, wo es kann - in Tat und auch in Wort».

Immer wieder die Mädchen

Das nachbarliche Verhältnis der Bucheggberger zu den Leberbergern kommt im folgenden Spruch zum Ausdruck: «Allimal, wenn i da dure gah, schlasch du mir Steine a. La du mi la gah, i ha dir ja nüt z'leid ta. La du mi la bure, und mach du dini Uhre». Der folgende Vers soll auch von Josef Reinhart stammen: «Die Buechibärger Bure hei sydige Hosen a, mit Zwylchen überzoge und Charesalbi dra». Vom Bucheggberg nach Biberist ist es nicht weit: «Meiteli, weisch du wo Biberist isch? Biberist isch am Raindli. Es hei alli gäli Strümpfli a und alle chrummi Beindli».

Oder «Es chunnt es Meitli vo Biberist und tanzet mit em Siegerist. Es het es wysses Röckli a, me gseht em fasch s'Juheh». Auch Luterbach und Deitingen bekamen ihre Verse: «Z'Luterbach ha-n-i mi Strumpf verlore und ohni Strumpf go-n-i nit hei. Do go-n-i halt wieder gäge Luterbach zrugg und chaufe ne Strumpf a mis Bei!» Und «Dört äne a der Aare lauft s'Wasser so trüeb. D'Deitiger Meitschi hei alli chrumm Füess.»

Das waren noch Zeiten, als der Spruch galt: «Z'Gerlafinge, wo si s'Gäld erfinge!». Auch folgende Spottverse machten im Wasseramt die Runde: «D'Oekinger si Flohspringer, d'Deredinger si d'Chübelibinger, d'Chriegstetter si d'Mistzetter und d'Halter si d'Geldseckelhalter». Und zu guter Letzt: «Wenn der d'Händ nit weit uf ha, so lüpfed d'Füdle». Der dies zu seinen Leuten sagte, war der Biberister Staatsmann Simon Kaiser (1829-1898), der spätere zweimalige Nationalratspräsident, als Kantonsratspräsident bei einer Abstimmung.

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