Crevettenzucht

Swiss Shrimp AG zügelt von der Aare an den Rhein

Solche Shrimps werden künftig in Rheinfelden gezüchtet.

Solche Shrimps werden künftig in Rheinfelden gezüchtet.

Die Solothurner Firma Swiss Shrimp AG hat einen Produktionsstandort für die professionelle Shrimps-Zucht in der Schweiz gefunden: Im aargauischen Rheinfelden will sie künftig Abwärme der Schweizer Salinen für ihren Betrieb nutzen.

Seit Monaten waren die Verantwortlichen des Pionierunternehmens auf der Suche – in Rheinfelden wurden sie nun fündig: «Wir sind froh, dass wir nicht nur einen geeigneten Standort, sondern auch einen optimalen Kooperationspartner gefunden haben», bestätigt Rafael Waber. Der Geschäftsführer der Swiss Shrimp AG und sein Team sind mit der Schweizer Salinen AG (Pratteln) handelseinig geworden.

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Abwärmenutzung: ökonomisch und ökologisch sinnvoll

Per Absichtserklärung besiegelt ist eine Kooperation für die Produktion von Schweizer Shrimps für die Gastronomie und den Spezialitätenhandel. Die beiden Unternehmen planen den Betrieb einer Shrimps-Farm mit geschlossenem Salzwasser-Kreislauf durch Swiss Shrimp auf dem Areal der Schweizer Salinen in Rheinfelden. Die Partnerschaft ermögliche eine Win-win-Situation, sind beide Parteien überzeugt:

Die Crevetten-Produktion benötigt thermische Energie – beim Produktionsprozess der Salinen fällt überschüssig vorhandene Abwärme an, die so sinnvoll genutzt werden kann. «Das ist in jeder Beziehung sinnvoller als die Ableitung der Wärme in den Rhein», ist für Salinen-Geschäftsführer Urs Hofmeier klar. 

Für ihn ist der Gedanke reizvoll, dass die Salinen AG zum grössten Teil auch das Salz für das Meerwasser in den Zuchtbecken werde liefern können. Hofmeier: «Wir fördern hier Salz eines einstigen Urmeeres – so schliesst sich der Kreis wieder.» Die Salinen AG könne den neuen Partnern auf ihrem Gelände ein Grundstück zur Verfügung stellen. Laut Hofmeier ist die Stadt Rheinfelden bereits vorinformiert worden. Ob sich die Salinen AG allenfalls auch finanziell an der Swiss Shrimps AG beteiligen wird, sei derzeit noch offen.

Den Investitionsbedarf beziffert Rafael Waber auf je 3 Mio. für die Produktionsanlage und für die Gebäude. Für die Finanzierung des Neubaus ist die massive Erhöhung des Aktienkapitals (aktuell etwas über 100 000 Franken) auf 6 Mio. Franken geplant. 

In der ersten Runde der Erhöhung sollen die bisherigen Aktionäre der Swiss Shrimp AG zum Zuge kommen, bei Bedarf werde der Kreis dann ausgeweitet. Für die Projektrealisierung sind die Initianten gemäss Waber in Kontakt mit einem deutschen Anlagenbauer, der entsprechende Installationen bereits gebaut hat und eine eigene Shrimp-Farm betreibt.

Wenn alles klappt, soll mit dem Neubau in Rheinfelden bereits im nächsten Jahr gestartet werden. Der Produktionsbeginn ist für 2017 vorgesehen. Im Zuchtbetrieb sollen in einer ersten Phase 30 Tonnen Shrimps jährlich produziert werden. Die Produktionsplanung in den nächsten zehn Jahren sieht eine Erhöhung auf bis zu 120 Tonnen vor. Ziel der Jungunternehmer ist die Produktion «fangfrischer Garnelen auf möglichst ökologische Art». Damit wolle man sich von den riesigen Zuchtanlagen in Asien und Südamerika unterscheiden, wo unter fragwürdigen Arbeitsbedingungen und mit Einsatz von Antibiotika und Chemikalien Crevetten für den Weltmarkt gezüchtet würden.

In Luterbach dem Biogen-Projekt gewichen

Gestartet ist die Swiss Shrimp AG vor rund vier Jahren in Luterbach, in der Hefefabrik der ehemaligen Zellulosefabrik Borregaard. Dort aber musste das Jungunternehmen nun seine Zelte abbrechen, weil die Solothurner Wirtschaftsförderung einen weit grösseren Fisch an Land gezogen hat: Derzeit wird die riesige Industriebrache freigeräumt, damit der US-Konzern Biogen hier eine Produktionsanlage installieren kann.

Erst vor wenigen Wochen hatte die Swiss Shrimp AG den erfolgreichen Abschluss des neun Monate dauernden Pilotbetriebs in Luterbach bekannt gegeben. Die erste Binnenzucht von Shrimps habe «eine Ernte von 250 Kilo Krustentieren und wichtige Erkenntnisse für die Zukunft gebracht», die eine professionelle Shrimps-Zucht erlauben, schildert Rafael Waber. Die Ernte sei nicht nur an Unterstützer und Geldgeber, sondern auch an ausgewählte Kunden und Partner gegangen – unter ihnen auch Gastronomiebetriebe wie das Hotel Jungfrau-Victoria in Interlaken oder das Restaurant Schöngrün (Zentrum Paul Klee) in Bern, die sich von der Qualität der Shrimps unmittelbar hätten überzeugen können. Waber: «Nun setzen wir alles daran, das erfolgreiche Pilotprojekt im grossen Massstab umzusetzen.»

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