Überwachungsbilder von der Avia-Tankstelle in Roggwil zeigen, wie routiniert der 29-Jährige vorgeht. Er hat die Überwachungskameras im Blick, stellt bei der einen eine Fahne vorne dran und versprayt die andere. In nur wenigen Minuten knackte er den Geldautomaten.

Insgesamt 15 Tankstellen soll der Mazedonier, der sich trotz Landesverweis in der Schweiz aufgehalten hatte, überfallen haben. Doch die Staatsanwaltschaft hatte ein Problem. Ihr fehlen die Beweise. «Beweisen können wir ihm nur das Delikt, bei dem er in flagranti erwischt wurde», so Staatsanwalt Toni Blaser gegenüber TeleM1. Für die anderen 14 Einzeldelikte habe man nicht wirklich starke Beweismittel.

Tankstellenknacker vor Gericht

Tankstellenknacker vor Gericht

Ein Mazedonier, welchem zur Last gelegt wird, 15 Tankstellen ausgeraubt zu haben, musste sich diese Woche vor dem Gericht verantworten. Der 29-Jährige soll es ausschliesslich auf Avia-Tankstellen im Gebiet Aargau und Solothurn abgesehen haben.

Auf den Überwachungsbildern würden die getragenen Kleider zwar übereinstimmen, man sehe aber einfach zu wenig. Die Strafverfolgungsbehörden haben grobe Indizien gefunden. Bei einzelnen Delikten habe man durch ausgewertete Handy-Daten den Hinweis, dass der Beschuldige oder zumindest sein Handy vor Ort gewesen sein muss. «Bei anderen Delikt haben wir ganz starke Indizien, dass sie mit demselben Brecheisen begangen worden sind, welches man bei ihm feststellen konnte», so Toni Blaser.

Der Anwalt des Mazedoniers nimmt diesen Indizien den Wind aus den Segeln. «Mein Klient hat eingestanden, dass er ein Delikt begangen hat. Für die anderen Delikte gibt es lediglich Indizien, die für den Schuldspruch nicht reichen», so Dominik Rothacher gegenüber dem Regionalsender.

Und obwohl der Beschuldigte vor einigen Jahren schon wegen zirka 20 ähnlichen Delikten verurteilt worden war und dafür im Gefängnis sass, mache ihn dies nicht direkt zum Täter der anderen 14 ihm zur Last gelegten Fälle. Rothacher forderte vor Gericht für seinen Mandanten eineinhalb Jahre Haft. 

Das Gericht folgte aber dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den 29-Jährigen zu sechseinhalb Jahren Gefängnis mit einem zehnjährigen Landesverweis. (ldu)