Ordnungsdienst

Unfreiwilliges Sponsoring: Polizei arbeitet Tausende Stunden für den EHC Olten

Polizeieinsatz am EHCO-Match vs. Rapperswil vom 1.11.2015

Polizeieinsatz am EHCO-Match vs. Rapperswil vom 1.11.2015

In den letzten vier Jahren leistete die Kantonspolizei an Hockeyspielen des EHC Olten Tausende Stunden Ordnungsdienst. Dies kostete den Steuerzahler rund 900'000, den Club aber nur 100'000 Franken.

Es sind Tausende Stunden, die Solothurner Kantonspolizisten in den vergangenen vier Jahren im und rund ums Stadion Kleinholz in Olten verbracht haben.

Es sind vor allem Stunden, die ins Geld gehen. «Wir gehen von Aufwendungen der Polizei, Vollkostenrechnung zugrunde gelegt, von rund einer Million Franken aus», sagt Andreas Mock, Mediensprecher der Kantonspolizei Solothurn. Zwar stellt die Kantonspolizei dem EHC Olten «seit Jahren einen Teil der polizeilichen Leistung in Rechnung». Dies gemäss dem Gebührentarif des Kantons.

Nur 100'000 Franken verrechnet

Allerdings sind diese Gebühren alles andere als kostendeckend. «In Rechnung gestellt wurden dem Verein in den vier Jahren insgesamt rund 100'000 Franken», sagt Mock. Damit bleiben 900'000 Franken, die der Steuerzahler berappen musste.

Darüber hinaus binden die Einsätze Arbeitskräfte bei der Polizei: In der Saison 2017/18 waren es nicht weniger als 2842 Stunden Ordnungsdienst, die die Polizei in Olten leistete. 2016/17 waren es 1875 Stunden, 2018/19 dann waren es «nur noch» 1170 Stunden. «Der Aufwand im Ordnungsdienst ist jeweils stark von den einzelnen Spiel-Paarungen der Saison abhängig», sagt Andreas Mock.

«Je mehr Risikospiele anstehen, desto höher fällt der Aufwand aus».
Der Rechnungsbetrag ist laut Polizei von verschiedenen Parametern abhängig. «Ein Teil der Aufwendungen gilt als Grundabdeckung und wird nicht verrechnet», erklärt Mock. Zusätzlich sei auch jedes Jahr zu beurteilen, welchen Beitrag der Verein geleistet habe, damit Ausschreitungen im und um das Stadion verhindert werden können. Dazu gehören etwa die Fanarbeit und bauliche Massnahmen.

Club könnte es nicht bezahlen

Es ist also viel Geld, das die Allgemeinheit für den Eishockeyclub ausgibt. Es sind aber auch Mittel, die der Club nicht selbst stemmen könnte. Die vollumfänglichen Sicherheitskosten zu bezahlen wäre für den Verein nicht tragbar, sagt Pierre Hagmann, Medienverantwortlicher des EHC Olten.

Er verweist zudem darauf, dass es eine klare Trennung gibt zwischen dem, was im Stadion und dem, was ausserhalb des Stadions passiert. «Der Veranstalter trägt nicht die Verantwortung für Ordnung und Sicherheit auf dem öffentlichen Boden – auch nicht dem angrenzenden», so Hagmann. «Der EHC Olten ist als Veranstalter für die Ordnung und Sicherheit auf dem gesamten Stadiongelände verantwortlich und trägt sämtliche daraus anfallenden Kosten», so Hagmann. Ausserhalb des Stadions sei der Verein nicht zuständig, trage jedoch «im Fall von ausserordentlichen Polizeieinsätzen einen Teil der Kosten». Sprich: Je mehr Risikospiele es in einer Saison gibt, desto mehr bezahlt der Verein.

Club investiert in Fanarbeit

Diese Aufteilung sei das «Resultat von (gesellschafts)-politischen Prozessen, bei der die verschiedenen Interessen um die Durchführung von Sportanlässen mit grossem Publikumsinteresse abgewogen werden.» Ein Veranstalter von regelmässigen Grossanlässen biete einem breiten Publikum ein Freizeitangebot und übe dadurch auch eine öffentlich-gesellschaftliche Funktion aus, rechtfertigt der EHC Olten nicht zuletzt den Polizeieinsatz zugunsten des Sportclubs.

Und was leistet der Club selbst in Sachen Sicherheit? «Der EHC Olten investiert viel Geld und Arbeit in die Kooperation mit unserem Sicherheitspartner», sagt Mediensprecher Hagmann. Die private Sicherheitsfirma sei an allen Heimspielen zuständig für die Sicherheit auf dem Stadiongelände. Zudem engagiere der EHC Olten einen Platzchef «sowie Dutzende Stewards, die während der Spiele zusammen mit der Sicherheitsfirma für einen möglichst reibungsfreien Ablauf sorgen.»

Entscheidend, so Hagmann, sei auch die Fanarbeit. «Wir stehen im engen Kontakt mit den eigenen Fangruppierungen, direkt und via Fandelegierte, sowie anderen Club-Verantwortlichen.» Hagmann ist überzeugt, dass sich die Bemühungen des Clubs positiv ausgewirkt haben – auch auf den Aufwand, die Polizei und Allgemeinheit zugunsten des Vereins zu tragen haben. «So konnten beispielsweise die ausserordentlichen Polizeikosten in der Saison 18/19 gegenüber der Vorsaison um 50 Prozent reduziert werden», sagt der Medienverantwortliche des EHC Olten.

Organisatoren müssen selten zahlen

Im Kanton gibt es laut Angaben der Kantonspolizei keine anderen Vereine, für deren Sicherheit die Kantonspolizei annähernd so viel Personal einsetzten müsste wie beim EHC Olten. So erhält der FC Solothurn keine Rechnung. Für Spiele ist dort zum einen primär die Stadtpolizei zuständig. «Zum anderen ist der Aufwand noch nicht derart gross, dass er als ausserordentlich zu betrachten wäre», sagt Andreas Mock.

Grundsätzlich verrechnet die Polizei nämlich nur Kosten, wenn sie ausserordentlichen Aufwand hat. Dies kann etwa bei eintägigen Veranstaltungen wie dem Slow-up sein oder wenn die Tour de Suisse durch den Kanton führt. Auch bei Anlässen mit mehreren Einsätzen wie das Motion-Openair, den Red Bull Air-Anlass in Grenchen oder früher beim Uhrencup hat die Polizei Gebühren verrechnet.

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