Velo-Diebstähle
Ricardo.ch verkaufte im Coronajahr 40 Prozent mehr Velos: Waren darunter auch mehr gestohlene Fahrräder?

Während Jahren verkauft Ricardo.ch rund 50'000 Velos pro Jahr. Im Coronajahr schnellte die Zahl auf 73'000 verkaufte Velos hoch. Je rund zwei Drittel der Bikes waren Occasionen. Wie die Plattformen sicherstellen, dass keine gestohlenen Bikes gehandelt werden.

Sébastian Lavoyer
Drucken
Teilen
Ein Bild einer früheren Velobörse des WWF Unterwalden in Stans.

Ein Bild einer früheren Velobörse des WWF Unterwalden in Stans.

Pd / Neue Nidwaldner Zeitung

Das Velo ist weg, aber wohin verschwindet es dann?

«Wir gehen davon aus, dass ein Teil der gestohlenen hochwertigen Fahrräder im Ausland verkauft wird»,

sagt Andreas Mock, Sprecher der Kantonspolizei Solothurn. Nun aber waren während dem Coronajahr oft die Grenzen geschlossen. Deshalb kann es kaum verkehrt sein, einen Blick auf die gängigen Plattformen für den Handel von Gebrauchtgegenständen zu werfen. E-Bay, Ricardo, Tutti und wie sie alle heissen.

Den Veloboom haben auch die Onlinehändler zu spüren bekommen. Von 2017 bis 2019 verkaufte zum Beispiel Ricardo jeweils rund 50'000 Velos pro Jahr, rund zwei Drittel davon Occasionvelos. Im Coronajahr wurden über die Plattform plötzlich 73'000 Velos verkauft, 48'000 davon waren Occasionen. Der Trend hält auch in den ersten Wochen des neuen Jahres an. Bei Tutti.ch merkte man insbesondere die Lockdownphase (April bis Juni 2020) deutlich. «Bei uns wurden in dieser Zeit circa 2,3 Mal so viele Veloinserate aufgeschaltet wie in der Vorperiode. Der Faktor betrug im Vorjahr nur 1,3», sagt Patrizia Negri, Sprecherin der Onlinehandelsplattform. Auch die Anfragen stiegen in dieser Phase deutlich an.

Hat der Occasionboom auch zu einem Boom beim Handel mit gestohlenen Velos geführt? «Wir stellen in der letzten Zeit keinerlei Zunahme bezüglich Angebot oder Verkauf von gestohlenen Velos fest», schreibt Mojca Fuks von Ricardo.ch auf Anfrage. Das Thema Sicherheit ist zentral für Ricardo.ch und alle anderen Plattformen. Der Verkauf von Hehlerware ist verboten.

Wie Onlinehandelsplattformen gegen Hehler vorgehen

Wie sie dagegen vorgehen? «Mit verschiedenen automatischen und manuellen Kontroll- und Schutzmechanismen können Betrugsfälle auf einem sehr tiefen Niveau gehalten werden», schreibt Fuks. Eines der wichtigsten Instrumente: Wer Ricardo-Mitglied sein will, muss seine Identität prüfen lassen. Anonym kann man keine Artikel anbieten. Erschwert werde der Verkauf zudem, weil auf den Angebotsbildern viele Details erkennbar seien. Ähnlich tönt es bei Tutti.ch, das zur Erhöhung der Sicherheit ein spezielles Fraud-Protection-Team im Einsatz hat.

Wird dennoch gegen die Richtlinien verstossen und jemand entdeckt gestohlene Waren auf einer Plattform, arbeiten diese eng mit der Polizei zusammen. Denn es ist in beider Interesse, dass keine gestohlene Ware über eine Onlinehandelsplattform verkauft wird. Zentral dabei ist, dass es sehr hilfreich sein kann, wenn jemand Fotos seines Bikes und der Rahmennummer hat. Das erleichtert die Beweisführung erheblich. Kommt es dann zu einem Diebstahl, sollte man zuerst immer Anzeige bei der Polizei erstatten. Danach einen Blick auf eine Onlinehandelsplattform zu werfen, gibt keine Erfolgsgarantie, aber es schadet mit Sicherheit nicht.

Aktuelle Nachrichten