Auf einen Kaffee mit...
«Was Schüler in den Unterricht einbringen, erweitert auch meinen Horizont»

Musiklehrerin Franziska Baschung legt Wert darauf, von ihren Schülern Ideen aufzunehmen und selbst daraus zu lernen. Die Klarinettistin spielt unter anderem beim namhaften «21st Century Symphony Orchestra», das Filmmusik vertont.

Andreas Kaufmann
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Franziska Baschung: «Wichtig ist: Die Schüler abholen, wo sie stehen.»

Franziska Baschung: «Wichtig ist: Die Schüler abholen, wo sie stehen.»

Andreas Kaufmann

Zwei Theorien hat Franziska Baschung, wie sie zur Klarinette gekommen ist. Wahrscheinlich stimmen beide: Ihr Vater, der das Instrument hobbymässig spielt, hat ihr
musikalisches Feuer schon früh entfacht. Doch auch Komponist Prokofjew war mitschuldig. Wer erinnert sich nicht an das musikalische Märchen «Peter und der Wolf»? Die Katze, gespielt durch die Klarinette, hat bei Baschung bald eine Ahnung geweckt, welche Töne man diesem Instrument entlocken kann: «Die Klarinette ist leichtfüssig und verspielt.»

Auf diese Weise geriet ihr nach der obligaten Blockflöte bald auch die Klarinette in die Finger. «Mein weiterer Weg war nicht allzu gradlinig», erinnert sich Baschung, spielte sie doch auch leidenschaftlich gerne Klavier. Das erste Musiklager mit 13 war streng: «Am Abend taten uns jeweils die Lippen weh» – und doch wurde sie gerade dort vom Eifer gepackt, den Weg weiter zu gehen. Was sie auch tat: Nach der Gymnasialzeit studierte sie an der Musikhochschule Luzern und an der Hochschule für Musik in Zürich.

«Ich wurde auch immer ermutigt, an Wettbewerben teilzunehmen», eine weitere Triebfeder auf ihrem Weg an all jene Orte, an denen sie heute aktiv ist: als Musiklehrerin in Solothurn und Gerlafingen, als Mitglied des Salon-Ensembles «I Solettisti», als Zuzügerin bei anderen Formationen und als Klarinettistin beim namhaften «21st Century Symphony Orchestra». Dieses bringt beispielsweise Filmmusik zu «Herr der Ringe» zu Gehör oder vertont die Seeräuberabenteuer von Jack Sparrow («Pirates of the Caribbean»). Bis diesen Sommer hatte die 35-Jährige zudem die Leitung der Jugendmusik Wasseramt inne.

«Ich könnte nicht nur das eine tun und das andere lassen», sagt Baschung, sogar nach einem konzertintensiven Herbst und einem ebenso reich befrachteten 2014, allein für Auftritte mit dem Film-Orchester. Nach Konzerten im KKL (bis Ende Jahr) und in Montreux (Januar) ist im April Paris an der Reihe und im Mai gar die Royal Albert Hall in London. Trotz Tätigkeit in der weiten Welt ist Baschung in Solothurn, wo sie wohnt, verwurzelt geblieben. Konzert- und Unterrichtstätigkeit gehören bei Baschung nicht nur gleichberechtigt nebeneinander.

Sie beeinflussen sich. «Ich erhalte von Eltern nach einem Konzertbesuch Komplimente, während Schülerinnen auch noch über das Kleid schwärmen, das ich trug», erzählt Baschung schmunzelnd. Oder wenn nach einem Konzert des «21st Century Symphony Orchestra» ein Schüler dasselbe epische Stück Piratenfilmmusik auf der Klarinette nachspielen will. Oder wenn er lernen möchte, wie man mit der Klarinette nicht nur miauen, sondern auch bellen kann.

«Tischbein», «Speutzchnebel», «Schwarzwurzel» – solche Scherzbezeichnungen kriegen Klarinettisten zuweilen zu hören. Doch Baschung und auch ihre Schüler wissen um die Qualitäten des Instruments: beispielsweise um die vielfältigen Klangfarben von der erdigen Kontrabassklarinette bis zur hohen Es-Grösse. Ihre Unterrichtstätigkeit setzt auf nachhaltige Beziehungen.

«Ich frage neue Schüler immer, weshalb sie Klarinette lernen möchten.» Wichtig sei: «Sie abholen, wo sie stehen. Jeder Schüler hat sein musikalisches Naturell – solche, die sich auf Noten stützen, andere, die intuitiv spielen, oder jene, die improvisieren.» Auch sei es wichtig, didaktisch nicht alles vorzugeben, von den Schülern Ideen aufzunehmen und – daraus auch selbst zu lernen: «Was sie in den Unterricht einbringen, erweitert auch meinen Horizont.»

Ein Song von «Supertramp» erklingt aus den Boxen im Restaurant. «Ein Klarinettensolo», wirft Franziska Baschung ein. Manchmal muss man die Aufmerksamkeit auf die Musik lenken, wenn diese vergessen geht. Auch wenn bei der Dorfchilbi eine Musikgesellschaft als «Umrahmung» spielt, sei den Zuhörern vielleicht manchmal gar nicht bewusst, welche Arbeit dahintersteckt.

Musik bewusster machen – ein Thema, das Baschung tagtäglich umtreibt. «Wenn man Filmmusik live aufführt, wird den Leuten plötzlich bewusst, was fehlen würde ohne Musik.» Nach einem Kaffee mit Franziska Baschung merkt man: Das ist längst nicht nur in Filmen so.