Produzent SAD
Wie Beats auf die CD kommen

Auf seiner neuen CD vereint der Produzent SAD die Crème de la Crème der Schweizer Musikszene. Mit dabei ist auch der Solothurner Rapper Manuel Liniger alias Manillio.

Daniela Zimmermann
Drucken
Teilen
Der mitwirkende Rapper Manillio an der Solothurner Aare.

Der mitwirkende Rapper Manillio an der Solothurner Aare.

Hansjörg Sahli

Lovebugs, Gölä, Breitbild und James Gruntz sind nur einige der auf dem Cover aufgelisteten Schweizer Musikgrössen. Es handelt sich jedoch nicht um ein aktuelles Hitparadealbum, sondern um die neue CD des Berner Produzenten SAD. Unter den Künstlern findet man auch den Solothurner Rapper Manuel Liniger, besser bekannt unter dem Pseudonym Manillio. Der Solothurner erklärt, wie heute eine solche CD produziert wird.

Manillio wurde für seine Mitwirkung bei zwei Liedern vom Produzenten SAD, auch bekannt unter dem Namen Sandro Durrer, angefragt. «Ich hatte schon auf seinem letzten Album einen Auftritt», erklärt Manillio. «Diesmal hat er mir die Instrumentalversionen der Songs geschickt, weil er dachte, ich würde da reinpassen.» Es sei so, dass die Musik und Beats zuerst entstehen, erst dann kommt der Rapper mit seinem Text dazu. Der müsse dann zu der Stimmung des Sounds passen. «Als Rapper ist jeder selbst für das Schreiben seiner Texte verantwortlich», so Manillio. «Man gibt sich gegenseitig Feedbacks und tauscht sich aus.» Er kennt sich aus auf dem Gebiet, bereits seit sechs Jahren ist er im Geschäft. Den Newcomerstatus hat er abgegeben, zum alten Eisen gehört er auch noch nicht. Doch er hat sich gut etabliert in der Schweizer Rapszene.

Produzent für Beat verantwortlich

Für den Beat ist der Produzent verantwortlich. «Die Titel des Albums ‹Update 2› lassen sich in zwei Sparten unterteilen», klärt SAD auf. «Da gibt es Remixes bestehender Songs und von Grund auf neu entworfene Stücke.» Das erklärt den Wiedererkennungseffekt einiger Lieder. «Bei einem Remix ist vor allem wichtig, geeignete Songs herauszusuchen», so der Fachmann. Dabei sei Bauchgefühl gefragt. Danach ändert er sie mit einem Computerprogramm ab, und wenn das Zwischenresultat den Urhebern gefällt, kommt der Rapper zum Zug.

Im Song «Head X» sind sowohl die Lovebugs als auch Manillio zu hören. Bei SAD im Studio standen jedoch beide nicht: Der Teil von den Lovebugs wurde «geremixt», und Manillio hat seinen Part bei sich zu Hause aufgenommen. Auch getroffen haben sie sich nie, Feedbacks und Lieder wurden per E-Mail ausgetauscht.

SAD als Verbindungspunkt

Die Grundmelodien neuer Songs entstehen vollständig am Computer. «Theoretisch kann man ein ganzes Orchester zusammenmixen.» Dies hat SAD auch beim Lied «Chinese Maps» getan. «Qualitativ sind im Studio aufgenommene Stücke jedoch besser, daher hat die Band bei ‹Swatka City› den Instrumentalteil des Lieds nochmals selbst gespielt», erklärt Manillio, der im Stück zusammen mit dem Berner Rapper Tommy Vercetti ebenfalls zum Zuge kommt. Manillio sieht SAD auch als Verbindungspunkt zwischen den verschiedenen Künstlern, die er ins Boot geholt hat. Als einer der bekanntesten Schweizer Produzenten hat er mit den meisten Mitwirkenden schon vorher zusammengearbeitet. Er ist bekannt für spezielle Kombinationen von Musikern aus verschiedensten Genres, und auch auf dem aktuellen Album hat er aus dem Vollen geschöpft. Wenn Gölä auf Rapper Gimma oder Manillio auf die Lovebugs trifft, kann nur SAD dahinterstecken. Für Abwechslung ist gesorgt, und der Spagat zwischen Rapper und Rocker gelingt ihm hervorragend.

Bis man die fertige CD vor sich liegen hat, gibt es noch einiges an Nachbearbeitung zu tun. Beim Abmischen stimmt ein Toningenieur die einzelnen Elemente aufeinander ab. Abgeschlossen wird mit dem Mastern, wobei die Lautstärke aller Songs vereinheitlicht und an die verschiedenen Abspielgeräte angepasst wird. Auch die grafische Gestaltung des Albums darf nicht unterschätzt werden, und schliesslich muss das Produkt vermarktet werden. Dass man sich im Musikbusiness gegenseitig hilft, ist für Manillio selbstverständlich. «Daher habe ich SAD gerne einen Gefallen getan», meint er. Mausert sich ein Song zum Hit, wird der Gewinn aufgeteilt. Doch die anfänglichen Produktionskosten, die meist vom Herausgeber getragen werden, sind gross, und als Musiker oder Rapper kann man in der Schweiz nicht das grosse Geld machen. Leidenschaft und die Anerkennung anderer Künstler sind hier vielmehr die treibenden Kräfte.

Aktuelle Nachrichten