Kanton Solothurn
Wie sich die Schulen auf die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts vorbereiten

Am Montag startet der Unterricht im Klassenzimmer wieder – mit Auflagen. Ein Augenschein im Primarschulhaus in Neuendorf.

Rebekka Balzarini
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Augenschein in der Primarschule in Neuendorf
7 Bilder
So sieht es im Zimmer der 2. Klasse aus.
Plüschtiere im Pflanzentopf vor dem Schulzimmer.
Mai 2020: Vor dem Schulstart in Neuendorf
Ums Lehrerpult ist zum Schutz der Lehrperson eine Linie gezogen. «Die Kinder sollen den Abstand zu der Lehrperson wenn möglich einhalten», sagt Doris Bärtschiger.
An der Wandtafel werden die Regel erläutert
Schulleiterin Doris Bärtschinger beim Eingang. Die Schüler werden aufgefordert bei den Linien zu warten.

Augenschein in der Primarschule in Neuendorf

Patrick Lüthy

«Herzlich willkommen zurück im Schulzimmer» steht mit bunter Kreide an der Tafel im Schulzimmer der zweiten Klasse in Neuendorf. Nach acht Wochen Pause dürfen die Zweitklässler am Montag wieder in ihrem gewohnten Schulzimmer lernen. Vieles ist gleich geblieben: die Zeichnungen an der Wand, die Spiele im Gestell und die Plüschtiere im Pflanzentopf vor dem Schulzimmer. Und doch gibt es Anzeichen, dass das Schuljahr anders als gewohnt zu Ende gehen wird: Die vielen Seifenflaschen neben dem Waschbecken oder das orange Klebeband am Boden, das den Bereich um die Wandtafel vom Rest des Schulzimmers abgrenzt. «Das dient zum Schutz der Lehrperson», erklärt Doris Bärtschiger und deutet auf das Klebeband zu ihren Füssen. «Die Kinder sollen den vorgegebenen Abstand zu ihrer Lehrperson möglichst einhalten.»

Doris Bärtschiger ist die Schulleiterin der Primarschule Neuendorf. Wie alle anderen Schulleiterinnen und Schulleiter hat sie in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Sie muss dafür sorgen, dass die kantonalen Richtlinien für den Präsenzunterricht umgesetzt werden. Die Richtlinien gehören zum Schutzkonzept des Kantons, das die Übertragung des Coronavirus minimieren und Schulkinder und Lehrpersonen schützen soll.

Am stärksten ändert sich der Umgang mit den Eltern

Das Konzept stellt Teile des üblichen Schulalltags auf den Kopf. Einer der wichtigsten Bestandteile ist, die Schulklassen untereinander möglichst nicht zu mischen. Die gemeinsame Pause entfällt deshalb. Die Klassen gehen gestaffelt in die Pause, und vor Schulbeginn versammeln sich die Kinder klassenweise an einem festgelegten Ort, um dann gestaffelt das Schulhaus zu betreten. Für Doris Bärtschiger betrifft die grösste Änderung aber den Umgang mit den Eltern: «Wir pflegen eine sehr offene Kultur, die Eltern sind jederzeit im Schulhaus willkommen. Das Schutzkonzept erlaubt dies nun nicht mehr. Die Elternabende, die Schulschlussfeier – alles fällt leider weg», sagt sie.

Wie viele Lehrkräfte fallen aus?

Das kantonale Schutzkonzept ist die Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Unterrichts am 11. Mai. Um das Coronavirus möglichst aus den Schulen fernzuhalten, definiert es die Schule als einen in sich abgeschlossenen Raum. Der Zutritt von Erwachsenen, die nicht zum Schulbetrieb gehören, wird möglichst eingeschränkt. Eltern haben zu den Schulhäusern deshalb keinen Zutritt, und es finden keine Veranstaltungen mit externen Besuchern statt. Auch Lehrpersonen, die zu einer Risikogruppe gehören, werden mit dem Konzept geschützt: Sie sollen dem Unterricht im Schulhaus fernbleiben und Aufgaben für den Schulbetrieb aus dem Homeoffice erledigen. Für sie werden Stellvertretungen organisiert oder andere Lehrpersonen im Schulhaus übernehmen einzelne Aufgaben. Wie viele Lehrpersonen nicht ins Schulzimmer zurückkehren können, ist laut dem Präsidenten des Schulleiterverbands nicht bekannt. Laut ihm könnten aber bis zu 15 Prozent der Lehrpersonen für einen gewissen Zeitraum ausfallen. (rba)

Besonders sei auch der grosse Aufwand, der fürs Putzen betrieben werden muss. «Im Schulhaus werden alle Oberflächen zweimal pro Tag geputzt», so Bärtschiger. Das nötige Putzmaterial habe die Gemeinde im Vorfeld beschaffen können. Auch der Unterricht selber wird in den nächsten Tagen noch etwas anders sein als vor der langen Phase des Fernunterrichts. «Die Lehrpersonen werden den Unterricht langsam hochfahren», sagt Bärtschiger. «Sie müssen erst das Klassengefüge wiederherstellen und spüren, wie die Kinder die Phase daheim gemeistert haben.» Einige etablierte Strukturen aus dem Fernunterricht würden auch beibehalten, um Kontinuität zu sichern. Zum Beispiel die Wochenpläne, mit denen die Kinder daheim gelernt haben. «Oberstes Ziel unserer Schule ist, eine gewisse Normalität und Konstanz in den Alltag der Schulkinder, der Eltern und Lehrpersonen zurückzubringen», sagt Bärtschiger.

Auch in Zuchwil laufen die Vorbereitungen auf die nächste Woche auf Hochtouren. Anders als in Neuendorf besuchten aber in den letzten Wochen schon rund 80 Kinder und Jugendliche die Betreuungsangebote in den Schulen. Gemeinsam lernten und spielten sie in kleinen Gruppen, weil die Eltern die Betreuung zuhause nicht sicherstellen konnten oder weil Lehrpersonen merkten, dass die Kinder und Jugendlichen mit dem Fernunterricht daheim nicht zurechtkamen, so Stephan Hug, der Direktor der Schulen Zuchwil. «Rund 10 Prozent der Schüler in Zuchwil konnten sich so bereits an die neuen Regeln gewöhnen», sagt Hug. Neben den vom Kanton verordneten Schutzmassnahmen werde der Unterricht in Zuchwil aber möglichst normal weitergeführt. «Die Kinder haben bereits vieles über Corona-Verhaltensregeln mitbekommen. Im schulischen Alltag wollen wir ihren Blick schärfen, aber ohne zu übertreiben und sie so unnötig zu ängstigen.»

Um den etwas aufwendigeren Schulalltag in Zuchwil zu bewältigen, werden die Lehrpersonen in den Schulhäusern von pädagogischem Ergänzungspersonal (PEP) unterstützt. Die PEP unterstützen die Lehrpersonen in der pädagogischen Arbeit, übernehmen logistische Arbeiten und können auch in den versetzten Pausen die Aufsicht übernehmen.

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