Gesundheit
Wie steht es um die medizinische Versorgung im Kanton Solothurn?

Gibt es im Kanton Solothurn wirklich immer weniger Ärzte? Was bewirkt die Fallkostenpauschale? Warum gibt es immer weniger Drogerien und wieso nimmt die Zahl der Naturärzte stark zu? Wir beantworten diese vier Fragen rund um die Gesundheit.

Sven Altermatt
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Bei den Hausärzten im Kanton Solothurn lautet der Trend: Weg von Einzelpraxen, hin zu Gruppenpraxen.

Bei den Hausärzten im Kanton Solothurn lautet der Trend: Weg von Einzelpraxen, hin zu Gruppenpraxen.

Hanspeter Bärtschi

Am Sonntag in einer Woche entscheiden die Schweizer Stimmbürger über einen neuen Verfassungsartikel zur medizinischen Grundversorgung. Im Kern geht es vor allem um die Frage, ob Hausärzte künftig durch die Verfassung geschützt werden sollen. Die Vorlage berücksichtigt aber auch andere Grundversorger - etwa die Apotheker. Grund genug, einen Blick auf die Brennpunkte der medizinischen Versorgung im Kanton Solothurn zu werfen.

1. Gibt es im Kanton Solothurn tatsächlich immer weniger Ärzte?

«Nein, ganz im Gegenteil», sagt Heinrich Schwarz, Chef des kantonalen Gesundheitsamts. 535 Ärzte mit einer Berufsausübungsbewilligung (BAB) gab es Ende 2013. Das sind 14 Prozent mehr als vor zehn Jahren und 56 Prozent mehr als vor 30 Jahren.

Eine BAB benötigen all jene Ärzte, die wirtschaftlich und fachlich in eigener Verantwortung tätig sind - also auch Chefärzte oder leitende Ärzte in Spitälern. «Allerdings sagt uns die Zahl der BAB nichts über das Arbeitspensum eines Arztes», betont Schwarz. Laut der Ärzteverbindung FMH arbeiten in der Schweiz drei Viertel der ambulanten Ärztinnen und ein Drittel der ambulanten Ärzte in einem Teilzeitpensum.

Klar ist: Die Zunahme der Ärzte betrifft vor allem die Spezialisten. Hausärzte in ländlichen Gebieten dagegen haben Schwierigkeiten, Nachfolger für ihre Einzelpraxen zu finden.

Der Trend lautet: Weg von Einzelpraxen, hin zu Gruppenpraxen. Die Frage, ob es insgesamt zu viele oder zu wenige Ärzte gibt, lässt sich gemäss Schwarz jedoch nur schwer beantworten: «Es gibt im Gesundheitswesen keine Planwirtschaft, Angebot und Nachfrage werden primär vom Markt geregelt.» Über alle Fachgebiete hinweg sei die medizinische Versorgung im Kanton Solothurn aber so gut wie noch nie.

2. Stimmt es, dass die Zahl der Naturärzte stark zugenommen hat?

Im Kanton Solothurn gelten alle Vertreter der Alternativmedizin als Heilpraktiker. «Die Führung des irreführenden Titels Naturarzt ist nicht erlaubt», sagt Gesundheitsamt-Chef Heinrich Schwarz.

Ende 2013 waren im Kanton Solothurn 309 Heilpraktiker zugelassen, 2003 waren es lediglich 112 - eine satte Zunahme von 175 Prozent. Ob Shiatsu, Akupunktur oder Neuraltherapie: Die alternative Medizin mit all ihren Strömungen erfreut sich über regen Zulauf. Viele Patienten nutzen alternative Behandlungen auch als Ergänzung zur Schulmedizin.

3. 2012 wurde die Fallkostenpauschale eingeführt. Komme es seither vermehrt zu blutigen Spitalaustritten?

Mit dem System der Fallkostenpauschale werden Spitäler nicht mehr nach Zeitaufwand pro Patient, sondern einheitlich nach der medizinischen Diagnose bezahlt. Dadurch erhöht sich der Druck auf die Spitäler, die stationären Behandlungstage ihrer Patienten niedrig zu halten.

Tatsächlich ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei akut-stationären Behandlungen in der Solothurner Spitäler AG zwischen 2011 und 2012 von 6,9 auf 6,2 Tage gesunken. Im vergangenen Jahr hat sich die Aufenthaltsdauer bei diesem Wert eingependelt.

Dass sich die Patienten heute weniger lang im Spital aufhalten, lässt sich gemäss Heinrich Schwarz nur beschränkt mit der Einführung der Fallkostenpauschale erklären: «Dank des medizinischen Fortschritts sinkt die Aufenthaltsdauer seit Jahren.» Viele Eingriffe, die früher einen mehrtägigen Spitalaufenthalt nach sich zogen, werden heute ambulant vorgenommen.

Die Spital-Statistik zeigt denn auch: Bereits zwischen 2008 und 2011, also vor Einführung der Fallkostenpauschale, ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den Spitälern Jahr für Jahr zurückgegangen.

Laut einer schweizweiten Ärzte-Umfrage von GfS Bern hat die Fallkostenpauschale weniger negative Auswirkungen auf die medizinische Versorgung als lange befürchtet. So kommt es kaum zu verfrühten, sogenannt blutigen Spitalaustritten. Allerdings besteht nach Einschätzung der Ärzteschaft zunehmend die Tendenz, chronisch Kranke an andere Institutionen abzuschieben.

4. Warum gibt es im Kanton Solothurn eigentlich immer weniger Drogerien?

Die Zahl der Drogerien ist im Kanton Solothurn innert zehn Jahren um 26 Prozent zurückgegangen. 2003 gab es im Kanton 38 Drogerien, Ende 2013 waren es lediglich noch 28. Heinrich Schwarz vergleicht diesen Rückgang mit dem «Lädelisterben» in Dörfern: «Grosse Einkaufszentren ersetzen zusehends die Dorfläden. Eine ähnliche Konzentration findet auch bei den Drogerien statt.»

Parallel dazu ist die Zahl der Apotheken leicht gestiegen. Ende 2013 gab es im Kanton Solothurn 29 Apotheken - zwei mehr als zehn Jahre zuvor. «Auch hier entscheidetletztlich das Spiel zwischen Angebot und Nachfrage, wie viele Apotheken es gibt», so Schwarz. Nicht zu vergessen: Im Kanton Solothurn gilt das Prinzip der Selbstdispensation.

Die meisten Ärzte führen eine Praxis-Apotheke und verkaufen ihren Patienten die Medikamente selbst. Nun hat der Nationalrat diese Woche beschlossen, dass Apotheker künftig gewisse rezeptpflichtige Arzneimittel in Eigenregie abgeben dürfen. Das Geschäft kommt nun in den Ständerat. Auch wenn die Regelung dereinst in Kraft treten sollte, würden gemäss Gesundheitsamt-Chef Schwarz im Kanton Solothurn kaum neue Apotheken eröffnet werden.

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