Gemeindeversammlung
5G bereitet Buchegg Sorgen: «Wir wollen ganz einfach keine Natelantenne im Dorf»

Der Rechnungsabschluss war an der Gemeindeversammlung in Buchegg nur eine Nebensache. Viele waren gekommen um ihre Haltung zum Bau einer Natelantenne in Aetigkofen darzulegen. Allerdings gibt es bisher nur eine Voranfrage und noch kein Gesuch dafür.

Rahel Meier
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Abstand halten war beim Eintreten in die Mehrzweckhalle in Aetigkofen angesagt.
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Deshalb ergaben sich längere Warteschlangen.
Abstand halten war beim Eintreten in die Mehrzweckhalle in Aetigkofen angesagt.
Es wurde eine Anwesenheitskontrolle geführt und die Sitzplätze per Nummern zugewiesen.
Es wurde eine Anwesenheitskontrolle geführt und die Sitzplätze per Nummern zugewiesen.
Desinfektionsmittel und Masken standen zur Verfügung.
Desinfektionsmittel und Masken standen zur Verfügung.
Und wurden durchaus genutzt.
Desinfektionsmittel und Masken standen zur Verfügung.
Wer es in die Halle geschafft hatte sammelte die Unterlagen zusammen.
Und nahm die ungewohnte Bestuhlung zur Kenntnis.
Jeder Stuhl war mit einer Nummer gekennzeichnet
Abgestimmt wurde mit der Stimmkarte, die erhielt, wer sich registrieren liess.
Gemeindeversammlung Buchegg
Abgestimmt wurde mit der Stimmkarte, die erhielt, wer sich registrieren liess.
Auch das Mikrofon war coronakonform ausgestattet.

Abstand halten war beim Eintreten in die Mehrzweckhalle in Aetigkofen angesagt.

Hansjörg Sahli

Exakt 181 Stühle standen am Donnerstagabend in der Mehrzweckhalle in Aetigkofen. Da der Gemeinderat Buchegg mit einem grossen Ansturm an der Gemeindeversammlung rechnete, wurde etwas enger gestuhlt, als ursprünglich vorgesehen. Das wiederum zog nach sich, dass die Anwesenden ihre Telefonnummern hinterlassen mussten und ihnen der Sitzplatz zugewiesen wurde. Damit verzögerte sich auch der Einlass der letztlich doch nur 79 Personen und die Versammlung konnte erst mit einer Viertelstunde Verspätung beginnen.

«Der grösste Teil von euch ist nicht wegen des guten Rechnungsabschlusses, sondern wegen der Natelantenne hier.» Gemeindepräsidentin Verena Meyer war sich der Brisanz bei der Begrüssung bewusst. «Dieses Thema erhitzt die Gemüter.» Sie machte klar, dass der Gemeinderat verpflichtet sei, sich mit einer Anfrage der Swisscom zu befassen. Und sie präzisierte: «Wir haben keinesfalls beschlossen, dass eine Antenne gebaut werden darf. Wir würden einzig, Messungen erlauben, damit dass die Swisscom abklären kann, ob der Standort hier bei der Mehrzweckhalle überhaupt zweckdienlich ist.» Da sich der Widerstand in der Bevölkerung bereits breit formiere und eine Unterschriftensammlung eingereicht wurde, werde der Gemeinderat das Thema nochmals diskutieren. Zudem wurde der Entscheid der Swisscom der Entscheid offiziell noch nicht kommuniziert und Rückkommen ist gut möglich. «Die Natelantenne ist heute Abend nicht traktandiert und die Gemeindeversammlung kann keine Beschlüsse darüber fassen», so Meyer deutlich. Alle müssten sich deshalb bis zum Traktandum «Verschiedenes» gedulden. Dann sei das Wort frei und man dürfte sich äussern. Die Antennengegner hätten zudem – in Absprache mit der Gemeindepräsidentin – beim Ausgang ein Informationsblatt zu 5G aufgelegt. «Wer möchte, kann das mitnehmen.»

Keine Brückensanierung im Mülitäli

Die vom Gemeinderat vorgeschlagene Brückensanierung im Mülitäli bei der Sandsteinhöhle auf Gemeindegebiet von Brügglen und Küttigkofen, fiel an der Gemeindeversammlung durch. Die meisten fanden das Projekt sei überrissen und mit 120000 Franken viel zu teuer. «Wieso will man die Betonbrücke abreissen, die hält noch viele Jahre.» Auch das Problem mit den Überschwemmungen und den Vernässungen sei nicht halb so gross wie das dargestellt werde. Das Projekt gehöre definitiv in die Kategorie «wünschbar», aber nicht zur Kategorie «wichtig und nötig». Paul Storchenegger (Brittern) stellte einen Rückweisungsantrag. Es solle überprüft werden, ob es eine Möglichkeit gebe, die Fischgängigkeit zu verbessern, ohne dass die weiteren geplanten baulichen Massnahmen ausgeführt werden.

Die Buchegger machten in der Diskussion auch ihrem Ärger über die «Städter» Luft. Diese hätten in der Coronakrise Erholung auf dem Land gesucht. Das Mülitäli sei zugeparkt worden. Die Leute seien überall durchgelaufen, hätten die Felder zertrampelt und Müll hinterlassen. Viele hätten den Biberbau gesucht und gehofft, einen Biber zusehen. «Gegen den Biber habe ich im Grundsatz nichts. Wohl aber gegen den Bibertourismus», meinte Andreas Burkolter (Küttigkofen) stellvertretend für andere.

5G weckt nach wie vor viele Ängste

Nino Jacusso (Küttigkofen) ergriff dann als Erster das Wort. «Ich mache mir Sorgen wegen der 5G-Antenne. Ich habe Angst, dass der Gemeinderat etwas verspricht und plötzlich eine Antenne dasteht.» Susanne Lüdi (Aetigkofen) doppelte nach. «Ich verstehe nicht, dass wir uns zum räumlichen Leitbild äussern sollen, aber nicht dann, wenn es um eine Antenne geht.» Und Regula Ritz (Aetigkofen) störte sich daran, dass man im Dorf aus der Zeitung erfahren habe, dass die Swisscom eine Antenne plane. Iris Erdiakoff (Küttigkofen) störte sich daran, dass die Gemeinde Buchegg nicht klar erklärt, dass man keine Natelantenne im Dorf wolle. «Es gibt Gemeinden, die das machen.» Michael Seiler (Bibern) versuchte die Stimmung etwas zu dämpfen: «Nicht alles was über 5G erzählt wird, ist richtig. Da sind auch viele Falschmeldungen dabei.»

Verena Meyer machte abschliessend nochmals deutlich, dass nichts versprochen oder unterschrieben sei. «Wir haben gehört, was ihr uns gesagt habt. Wir werden nochmals über die Anfrage von Swisscom diskutieren.» Gemeinderat Samuel Marti machte zudem klar, dass es durchaus auch Einwohnerinnen und Einwohner gebe, die auf eine 5G-Antenne und ein besseres Netz warten und einen Bau begrüssen würden. «Es gibt immer beide Seiten.»

Rechnung schloss besser als budgetiert

Die Rechnung wurde am Donnerstagabend zur Nebendarstellerin. Ressortleiter Thomas Stutz freute sich trotzdem darüber, dass statt eines Ausgabenüberschusses ein Ertragsüberschuss erwirtschaftet werden konnte. Das Eigenkapital habe sich damit auf 7,614 Mio. Franken erhöht. Diese Aussage rief denn auch sogleich die ersten Fragen nach einer möglichen Steuersenkung für das nächste Jahr auf den Plan. Das werde im Rahmen des nächsten Budgetprozesses selbstverständlich genau angesehen, so Stutz diplomatisch.

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