Lohn-Ammanseg
Das Sommerhaus der Solothurner Patrizier, das zum Bauernhof wurde

Gebaut wurde das Sommerhaus auf dem Buechhof im Jahre 1650 - heute dient es als Wohnhaus eines Bauernhofes. Renovierungsarbeiten wurden vom Inhaber und seiner Familie selbst durchgeführt. Er ist stolz, in diesem Schlösschen zu wohnen.

Beatrice Kaufmann
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Landwirt Beat Adam ist «Schlossherr» auf dem Buechhof.

Landwirt Beat Adam ist «Schlossherr» auf dem Buechhof.

Hans Ulrich Muelchi

Audienz im Schlössli

Zahlreiche Schlössli und prächtige Landsitze zeugen von einst feudalen Verhältnissen in unserer Region. Ob herausgeputzt oder halb verfallen – die ehemaligen Patrizierhäuser in der Umgebung von Solothurn faszinieren noch heute. In einer Sommerserie blicken wir hinter die Fassaden der Häuser und treffen die Menschen, die in dieser besonderen Umgebung wirken, leben und arbeiten.
Bereits erschienen: Schlösschen Vorder-Bleichenberg, Königshof, Wylihof und Schloss Waldegg. (crs)

Der Bauernhof hat eine lange Geschichte hinter sich, die 1628 beginnt, als der Jungrat Hans Jakob Arregger das Land erwirbt. 1650 erbauen Johann Jakob und seine Frau Anna Margaritha Arregger-Besenval ihr Sommerhaus auf dem Hügel. Ein Stein mit der Jahreszahl zeugt im Keller vom Bau. Auch wenn sich in den kommenden vier Jahrhunderten viel verändert hat: noch heute steht der Hof völlig alleine auf einer riesigen Lichtung, die vor allem aus Adams über 42 Hektaren Landwirtschaftsland besteht und auf drei Seiten durch Wald umschlossen wird. Ruhe ist hier garantiert, nachts lockt ein herrlicher Blick auf den Sternenhimmel hierhin. Diese Idylle dürfte schon das Ehepaar Arregger genossen haben. Genau gleich wie die unvergleichbare Aussicht, die heute Familie Adam so schätzt: Der Blick gegen Norden fällt auf den Jura, im Süden thronen am Horizont Eiger, Mönch und Jungfrau.

Ein bodenständiger Schlossherr

Wandbilder aus dem 18.Jahrhundert

Im Verlauf des Gesprächs erwähnte Beat Adam ein Gemälde, das im ersten Stock des Herrenhauses hängte. Dessen aktuellen Aufenthaltsort kenne er aber nicht. Eine Nachfrage bei Benno Mutter, Kunsthistoriker im kantonalen Amt für Denkmalpflege und Archäologie, bringt Licht ins Dunkel und zeigt: es sind gar zwei Werke. Es handelt sich um zwei Wandbilder auf Leinwand, die wohl Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden und 1943 entfernt worden sind. Wer die Bilder angefertigt hat, sei nicht bekannt, genau so wenig, welche Landschaften auf den Bildern zu sehen sind. «Mit einiger Sicherheit sind keine realen Landschaften dargestellt», sondern Ideallandschaften, die der Künstler selbst entwickelte, was damals üblich gewesen sei.
«Dazu gehörte auch, dass er die Landschaft mit Staffagefiguren im Vordergrund belebte.» Die Bilder seien qualitativ sehr hochwertig und «als Wandbespannungen über dem Täfer des grossen Saales integriert» gewesen, erklärt der Denkmalpfleger. So habe man sich zu dieser Zeit die Landschaft ins Haus geholt, womit die Bilder «ein typisches und anspruchsvolles spätbarockes Interieur» darstellten. Einige Jahre seien sie auf dem Dachboden des Bürgerhauses gelagert worden, bis sie 1985 in das Depot der kantonalen Denkmalpflege gelangten. (bk)

Als Eigentümerin hat die Familie Adam die Freiheit genutzt, anfallende Arbeiten an den Gebäuden selber durchzuführen. Natürlich alles in Absprache mit der Denkmalpflege. Mühsam sei das nicht. «Wir verstehen uns sehr gut mit der Denkmalpflege.» Und als Besitzer des Kleinods sei ihm auch daran gelegen, das Schlösschen und den umliegenden Hof in einem guten und möglichst originalgetreuen Zustand zu halten. Vorschriften gebe es vor allem für das äussere Erscheinungsbild: rote Ziegel auf dem Bauernhaus, Fenster mit Balken an der Fassade und von Süden her muss ein ungehinderter Blick auf das Schlösschen gewährleistet sein.

In Beat Adams Augen ist die Idee, Bauten auf der Südseite zu erstellen, sowieso abwegig. Die Stallungen für über hundert Milchkühe und Mastkälber sowie der Schweinestall, der in den nächsten Wochen fertiggestellt werden soll, sind alle im nordöstlichen Bereich des Schlösschens angesiedelt.

Buechhof mit Schloesschen, das heute als Wohnhaus fuer den Bauernhof dient
7 Bilder
Der Wohntrakt
Das Schlösschen von vorne
Buechhof
Wandbild auf Leinwand, das als Wandbespannung im grossen Saal hing.
Buechhof
Landwirt Beat Adam ist der Schlossherr.

Buechhof mit Schloesschen, das heute als Wohnhaus fuer den Bauernhof dient

Hans Ulrich Mülchi

Buechhof hiess einst «Freudegg»

Wann das Sommerhaus zum landwirtschaftlichen Betrieb wurde, weiss Beat Adam nicht. Ein Blick in die Geschichtsbücher hilft nur bedingt weiter. Johann Jakob Arregger verstarb 1680 im Alter von nur 42 Jahren. Seine Gemahlin Anna Margaritha überlebte ihn um mehr als 20 Jahre. In dieser Zeit gab sie einen Neubau des Dachstuhls in Auftrag, wie eine Bauholzbewilligung aus dem April 1690 bezeugt. Sein heutiges Erscheinungsbild dürfte das Schlösschen im Rahmen dieser Arbeiten erhalten haben. Aus der Bewilligung geht weiter hervor, dass der Buechhof zu der Zeit als «Freudegg» bekannt war.

Nach dem Tod Anna Margarithas im Jahre 1702 ging das Gut an ihre Enkel über, die Kinder von Hauptmann Jungrat Anton Arregger. Es blieb noch bis 1756 im Besitz der Familie Arregger. Dann ging es in den Besitz eines anderen Solothurner Patriziergeschlechts über, an die Familie von Sury. Bis 1893 hat das Gut noch mindestens einmal die Besitzerfamilie gewechselt, nämlich als es 1839 von der Familie Kunz aus Messen erworben wurde. Anschliessend ging es für 102 Jahre in den Besitz der Bürgergemeinde Solothurn über, die dort das Bürgerspital bauen wollte. Als das Land im Schöngrün erworben wurde, verpachtete die Bürgergemeinde den Buechhof. So hat sich aus der Sommerresidenz ein Bauernhof entwickelt, dessen Gebäude sich heute gemäss Schätzungen Adams auf ungefähr 70 Aren verteilen. In einem Balken der Scheune zeugt noch heute die Zahl 1958 von deren Wiederaufbau. 1957 erlitten die Scheune sowie ein Teil des Schlösschens bei einem Brand erheblichen Schaden.

Dicke Mauern, hohe Räume

«64 Zentimeter», liest Beat Adam von seinem Massstab ab. Wir stehen im Schlösschen an einer ehemaligen Aussenmauer, die im letzten Jahr durchbrochen wurde, um einen Durchgang zum Anbau jüngeren Datums zu schaffen. «Durch die dicken Mauern ist es im Sommer lange kühl.» Mittlerweile kommen aber Adams nicht mehr gegen die seit Wochen anhaltende Hitze an – im Schlösschen ist es warm.

Die Mauern und die hohen Räume hätten es ihm schon früh angetan, erzählt Adam. «Als wir hierher zogen, haben wir zunächst im Schlösschen gewohnt, bis das Bauernhaus renoviert war.» Das Schlösschen sei ihm sofort vertraut gewesen, seine Mutter hingegen habe von Beginn an den Charme des Bauernhauses bevorzugt. So überrascht es nicht, dass Adams Eltern im Bauernhaus wohnen blieben, während Adam Junior mit seiner Frau Heidi und seinen Söhnen, Peter und Cedric den unteren Stock des Schlösschens bewohnt. Das obere Stockwerk vermietet Familie Adam, zurzeit lebt hier eine weitere Familie.

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