Rinderzucht
Deitinger Hof züchtet das Shorthorn-Rind als einziger weitherum

Vater und Sohn Kaufmann aus Deitingen züchten das Shorthorn-Rind, das vom Aussterben bedroht ist.

Hans Peter Schäfli
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Simon und Josef Kaufmann mit einem Teil ihrer speziellen Herde. Wegen des nassen Wetters mussten sie die Tiere in den Stall bringen.

Simon und Josef Kaufmann mit einem Teil ihrer speziellen Herde. Wegen des nassen Wetters mussten sie die Tiere in den Stall bringen.

Hans Peter Schläfli

Es sind schöne Kühe, die Simon Kaufmann im einsetzenden Regen in den Stall treibt. Das Fell der Mutterkühe ist fein gemustert und erinnert ein wenig an Stracciatella, die italienische Glace. Die Kälber sind etwas dunkler und sehr temperamentvoll. Hörner wachsen ihnen keine, obwohl sie Shorthorn, also Kurzhorn heissen. Wegen des Regens muss die Herde in den Stall, denn bei ihrem Gewicht würden die Hufe jetzt auf der durchnässten Weide zu tief einsinken. Das wäre weder für die Kühe noch für die Weide gut.

Der Hof in Deitingen ist der einzige Ort weitherum, wo man die aus Grossbritannien stammende Rasse aufzieht. Das Shorthorn-Rind gilt als vom Aussterben bedroht. «Ich betreibe Ackerbau, aber ein rechter Teil des Bodens eignet sich nur als Grünland oder Wiese. Deshalb ist die extensive Muttertierhaltung für unseren Hof ideal.»

Zuerst war das Hochlandrind

«Die Tiere sind genügsam und gute Futterverwerter», erklärt Kaufmann den Vorzug seiner Lieblingsrasse. Besonders gefalle ihm aber deren Charakter. «Es sind Freiläufer und haben ein entsprechendes Temperament. Wenn sie gekalbert haben, können wir ein paar Tage nicht in den Stall, weil sie ihre Kälber verteidigen wollen.» Auch auf der Weide lasse man die Kälber besser in Ruhe. «Wir schauen, dass die Wege immer eingezäunt sind, dann kann den Spaziergängern nichts passieren. Aber das Shorthorn ist eine Rasse mit natürlichem Instinkt. Wenn man sie in die Enge treibt, dann wehren sie sich.»

Auf das Shorthorn ist die Familie Kaufmann über Umwege gekommen. Zuerst hatte es Vater Josef mit dem Schottischen Hochlandrind versucht, das wegen seiner mächtigen Hörner auffällt. «Am Oliberg hinter dem Schiessplatz haben wir ein Stück Land, das sich nur als Weide eignet. Dort habe ich die Mutterkuhhaltung erstmals mit vier Schottischen Hochlandrindern versucht», erinnert sich Kaufmann Senior.

In Feldbrunnen, beim Rütschelistein, habe er dann noch 3,4 Hektaren Weideland kaufen können. «Es war ein Glücksfall, denn weil die Besitzer so Freude an den Rindern hatten, machten sie mir für das Land einen günstigen Preis.»

Ganz weg von der Milchwirtschaft

So sei er komplett von der Milchwirtschaft weggekommen. «Es war die richtige Entscheidung. Mit dem heutigen Preis der Milch kann man ja gar nicht vernünftig wirtschaften.» Zunächst habe er versucht, das Shorthorn, das gute Milch habe, mit den genügsamen Schottischen Hochlandrindern zu kreuzen, erklärt Josef Kaufmann den Werdegang seiner Muttertierhaltung. Das Resultat sei unbefriedigend gewesen.

Die Kreuzung habe zwar gut an Gewicht zugelegt, die Kälber hätten aber zur Verfettung geneigt. «Manchmal bekommt man halt nicht die gewünschten Eigenschaften, manchmal setzen sich bei einer Kreuzung genau die negativen Eigenschaften durch.» Dann hatte Simon Kaufmann eine andere Idee. «Wir konnten in Deutschland noch vier reinrassige Shorthorn-Kühe und einen Stier kaufen. Zunächst versuchten wir, sie rein zu züchten. Dann kreuzte ich sie mit der Rasse Limousin, die feinfasriges, hochwertiges Fleisch liefert.»

Dieser Versuch war von Erfolg gekrönt. «Die Gewichtszunahme ist jetzt rekordverdächtig und das Fleisch, das sie produziert, ist zart und hat genau den richtigen Fettanteil», sagt Simon Kaufmann. Hauptabnehmer ist Coop und das Fleisch wird unter dem Label Naturafarm vermarktet. «Ich ziehe auch reinrassige Limousin-Stiere gross, die ich für die Zucht verkaufe. Das gibt den besseren Preis als das Fleisch.»

Weitere Überlegungen gehen in Richtung einer zusätzlichen Vermarktung auf dem Hof mit einem Verkaufsautomaten. «Die Leute schätzen es heute, wenn sie wissen, woher ihre Lebensmittel kommen», sagt Simon Kaufmann.

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