Repla Espace Solothurn
Ein Vermittler zieht sich langsam zurück — der Zuchwiler Co-Geschäftsführer Reto Vescovi geht in in Pension

Der Zuchwiler Reto Vescovi geht als Co-Geschäftsführer der Repla Espace Solothurn in Pension. Vor Jahren hat er das Zuchwiler Kinder- und Jugendzentrum zum Laufen gebracht und wurde für diesen Verdienst auf einer Tafel verewigt.

Urs Byland
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«Heute wird teilweise stark polemisiert», sagt Reto Vescovi zur Arbeit in Behörden.

«Heute wird teilweise stark polemisiert», sagt Reto Vescovi zur Arbeit in Behörden.

Solothurner Zeitung

Im Kinder- und Jugendzentrum Zuchwil hängt eine Tafel, das dem «Vater» des Zentrums gewidmet ist – Reto Vescovi. In diesen Tagen geht er als Co-Geschäftsleiter der Repla Espace Solothurn in Pension.

Ein Blick zurück zeigt, dass er in den letzten Jahrzehnten viel für die öffentliche Hand getan hat, ohne dass er dabei, mit Ausnahme seines Wohnorts Zuchwil, in der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden wäre. Mit der Co-Geschäftsleitung der Repla hat er eine Arbeit abgegeben, die nebst vier Amtsperioden im Gemeinderat Zuchwil in den letzten Jahren seine öffentlichste war.

Der gelernte Bauingenieur und Statiker wurde ab 2000 ein gefragter Berater, der Gemeinden in Bauprojekten unterstützt. Sei es ein Schulhaus oder eine Mehrzweckhalle, seine Dienste waren und sind gefragt. Wie erkennt man, was diese oder jene Gemeinde braucht, wie wird der Bedarf konkret berechnet und wie kann ein solches Projekt abgewickelt werden, das sind Fragen, die Vescovi zusammen mit dem Auftraggeber beantwortet und die sich direkt aufs Portemonnaie einer Gemeinde auswirken können.

Manchmal sind auch Bauverwaltungen überfordert

«Die Aufgaben werden immer komplexer, die Ausgaben immer höher. Eine Profibauverwaltung hat mit diesen Fragen weniger Probleme. Aber im öffentlichen Beschaffungswesen ist oft auch sie überfordert.» Wie geht man korrekt vor, ohne in ein Rechtsverfahren zu geraten, sei eine wichtige Frage, so Vescovi.

Während man beim freihändigen Verfahren machen kann, was man will, wird es bei einer Bausumme ab 150'000 Franken komplizierter. Die Verfahren werden beschwerdefähig und müssen im schlimmsten Fall vor einem Richter bestehen. Ab 350'000 Franken muss international ausgeschrieben werden. Vescovi hat das unzählige Male durchgespielt und kann sich auch in schwierigen Situationen behaupten. Als Beispiel nennt er die Kebag. Gesamtprojektleitung und Verfahrenstechnik mussten ausgeschrieben werden, ohne dass ein Projekt als Grundlage vorlag. Also konnte auch der Aufwand nicht genau definiert werden. Das Mandat wurde daher zur Hauptsache nach qualitativen Kriterien und einem generellen Stundenansatz vergeben.

Trotz Pension macht Vescovi selbstständig weiter. «Die Mandate, die ich noch habe, kann ich nicht einfach an den Nagel hängen, weil sie sehr personenbezogen sind.» Es sind viele Mandate, die er in den letzten Jahren und auch aktuell noch betreut. Schulhaus Feldbrunnen, Schulhaus Langendorf, Derendingen Mitte, Schulhaus Gerlafingen.

Die Zusammenarbeit mit Kommissionen und Gemeinderäten sei sehr unterschiedlich. Von sachbezogener und zielorientierter Arbeit bis zum «Trumpismus» gebe es alles. «Heute wird teilweise stark polemisiert. Andere Meinungen sind für mich kein Problem, aber wenn keine Alternativen geäussert werden, nur Fundamentalopposition betrieben wird, ist es schwierig. Man kann praktisch sagen und machen, was man will, man wird immer verdächtigt, den anderen zu hintergehen oder hintenherum etwas zu anzustellen. Offene Kommunikation kommt einem heute oft verdächtig vor.»

Er habe gelernt, den Kopf hinzuhalten, wenn es nicht optimal läuft, er könne aber auch mal auf den Tisch klopfen. Seinen nicht nur sprichwörtlich breiten Rücken hat er sich als Gemeinderat für die CVP (1985 bis 2001) geholt. «Damals herrschte im Gemeinderat ein rauer Wind.» Diese Zeit habe ihm geholfen im Umgang mit den Menschen. «In der Kommunikation vor allem. Der Kunde muss spüren, dass man alles macht für ihn, in seinem Sinn denkt und ihm auch mal sagt, dass er auf dem Holzweg sei.»

Doch dafür erhielt er nicht schon zu Lebzeiten eine Ehrentafel. Schon als Gemeinderat half er mit, dass die Gemeinde eine Stiftung als Trägerin der Kinderkrippe gründete und sich verpflichtete, mit einer Leistungsvereinbarung finanziell beizutragen. Wie es dazu kam? Anfang 90er Jahre gab es in Zuchwil eine private Kinderkrippe, der vom Oberamt die Bewilligung entzogen wurde. «Ich war Mitglied des Vereins Zuchwiler Netz, Vorgänger des heutigen Vereins Zusammen in Zuchwil, als das Seraphische Liebeswerk uns bat, die Krippe zu retten.»

Der Vorstand entwickelte eine Strategie, achtete aber darauf, dass nicht Vescovi das Anliegen in den Gemeinderat trägt. «Das wäre sofort personifiziert worden.» Ein halbes Jahr später stimmte die Gemeindeversammlung der Gründung der Stiftung zu. 2001 geriet die Stiftung in eine schwierige Phase. Der damalige Gemeindepräsident Gilbert Ambühl empfahl Vescovi, der nicht mehr Gemeinderat war, als Helfer. «Ich habe zugesagt, wollte aber sicher nicht in den Stiftungsrat. Das habe ich auch gemacht, und innerhalb eines Jahres war ich Stiftungsratspräsident.»

Das Pfarrhaus musste für das Zentrum weichen

2004 bei der Erneuerung der Leistungsvereinbarung wurde festgehalten, dass die verschiedenen Angebote wichtig sind, aber örtlich zusammengeführt werden sollen. Vescovi führte die entsprechende Arbeitsgruppe. Gleichzeitig war er im Kirchgemeinderat zuständig für das Bauliche.

Die AG prüfte Standorte und evaluierte den heutigen des Zentrums als den besten. «Damals stand dort aber noch das Pfarrhaus. Plötzlich hatte ich zwei Hüte auf.» Gleichzeitig wollte man an diesem Standort mehr machen: So fanden Mütter- und Väterberatung, Spielgruppe, Mittagstisch, Krippe, Hort, Jugendarbeit und Bibliothek im Neubau Platz. «Alles musste auch betrieblich neu aufgebaut werden. Dafür habe ich viel Zeit investiert. Heute im elften Jahre funktioniert das Zentrum in seinen Grundzügen immer noch gleich und hat eine grosse Ausstrahlung.»

«Man muss das Anliegen nicht zum Anliegen einer Person oder einer Partei machen, sondern zum Anliegen für alle, dann kann man auch etwas erreichen.» Diesen Grundsatz beherzigte er nicht nur beim Zuchwiler Kinder- und Jugendzentrum sondern auch als Co-Geschäftsführer der Repla. «Alles was die Repla macht, kann sie nur auf Goodwill machen.» Man habe es geschafft, dass alle Gemeinden dabeibleiben, denn jede könnte austreten, wenn sie wollte. Die Vernetzung der Repla sei Knochenarbeit gewesen. Hier konnte Vescovi auf seine Erfahrungen zählen.

Auf diese können auch die Odd Fellows zählen. In der Vereinigung, die ethisches und humanistisches Denken und Handeln pflegt, ist Vescovi Grossmarschall. Dort hilft er bei Projekten mit, diese zielgerichtet voran zu bringen.

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