Derendingen
«Ist keine einfache Geschichte für die Partei»: Markus Baumann will definitiv Gemeindepräsident werden

Derendingerinnen und Derendinger dürfen aus mindestens zwei Kandidaten fürs Amt auslesen. Markus Baumann (SP) hat sich für eine Kandidatur entschieden – obwohl seine Partei einen anderen ins Rennen geschickt hat.

Urs Byland
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Markus Baumann will definitiv Gemeindepräsident werden.

Markus Baumann will definitiv Gemeindepräsident werden.

Patrick Lüthy

Er habe einiges abzuwägen, erklärte Markus Baumann anfangs dieser Woche im Vorfeld seiner Entscheidung. Jetzt ist es klar. Der Präsident der SP-Ortspartei, der in der internen Ausmarchung Vizegemeindepräsident Roger Spichiger unterlag, wird «wildern» und fürs Gemeindepräsidium kandidieren. «Ich bin überzeugt, dass es jetzt auf der Verwaltung frischen Wind braucht, um die beschlossenen Reformen umzusetzen». Und damit provoziert er vielleicht, was er bereits anfangs Woche zu bedenken gab:

«Ich weiss, dass es für die Partei keine einfache Geschichte ist.»

Es soll aber nicht auch noch eine schlechte Geschichte werden. Das will er verhindern. Das sei ihm enorm wichtig. Er wolle keinen Schaden anrichten und habe der Partei ein Gespräch angeboten, das nächste Woche stattfinden soll. «Es darf nicht darauf hinauslaufen, dass die SP Derendingen gegen mich Markus Baumann antritt.»

Er wolle nicht einfach etwas kaputt machen. «Wenn ich kandidiere, dann nicht gegen Spichiger, sondern für Derendingen.»

«Veränderungen möglichst lustvoll umzusetzen»

Und er gibt sich kämpferisch, wie es ihm entspricht. So habe er sich geärgert, sagt er, als geschrieben wurde, er betreibe bereits Wahlkampf, als er für Öffentlichkeit in einem Gemeinderatsgeschäft plädierte. «Das ist es eben nicht. Ich funktioniere nun mal so und finde, dass ein Geschäft, das die ganze Bevölkerung von Derendingen betrifft und interessiert, auch öffentlich diskutiert werden muss. Schliesslich geht es um die Nutzung eines öffentlichen Platzes.» Soll er nun, weil es möglicherweise als Wahlkampf qualifiziert wird auf den Mund hocken und schweigen.

Auf seiner Internetseite hat Markus Baumann bereits eine Rubrik «Gemeindepräsidium» eingerichtet. Darin begründet er seinen Entscheid detaillierter. Mit dem behördlichen Systemwechsel seien die einzelnen Gemeinderäte künftig für je ein Ressort zuständig und tragen dafür auch die Verantwortung (Ressortsystem). Der Gemeinderat wird von 11 auf 7 Mitglieder reduziert. Zudem wird neu ein Verwaltungsleiter die Aufgaben innerhalb der Verwaltung koordinieren, eine Scharnierfunktion zwischen Behörden und Verwaltung wahrnehmen und für die Umsetzung der Beschlüsse sorgen.

Dann kommt Baumann zur entscheidenden Passage: «Diese Veränderungen sind kein Kinderspiel – im Gegenteil! Veränderungen lösen bei Betroffenen immer auch Ängste aus. Umso mehr geht es darum, die Mitarbeitenden der Verwaltung auf diese Reise mitzunehmen und mit ihnen die Veränderungen möglichst lustvoll umzusetzen.»

Er verfüge über langjährige Erfahrungen in Projektmanagement und sei als Gewerkschafter in der Lage, Mitarbeitende für eine gute Sache zu gewinnen. Er bringe somit die besten Voraussetzungen mit, um die anstehenden Veränderungen umzusetzen.

Der Kommentar von Urs Byland zum Thema finden Sie hier:

«Letzten Endes ist es sein freier Entscheid»

Konkurrent ums Gemeindepräsidium ist der von den Mitgliedern der SP Ortspartei nominierte Roger Spichiger, Vizegemeindepräsident und Bauverwalter.

«Ich finde es schade, dass er kandidiert, aber letzten Endes ist es sein freier Entscheid»

, kommentiert er das Vorgehen. Er werde nun Rücksprache mit dem Vorstand halten.

Roger Spichiger ist der offizielle Kandidat der SP-Ortspartei.

Roger Spichiger ist der offizielle Kandidat der SP-Ortspartei.

zVg

Klar sei, dass die SP Derendingen Baumann nicht unterstützen werde, schliesslich sei er, Spichiger, von der Ortspartei nominiert worden. Wie die Partei mit der Gemeinderatskandidatur Baumanns verfahren soll, werde sich weisen. «Wir können ihn nicht einfach von der Liste für den Gemeinderat nehmen. Das müssten die Mitglieder entscheiden. Vielleicht werden wir sie nochmals schriftlich anfragen und den Handlungsbedarf abklären», so Spichiger.

«Ich wurde mit der höchsten Stimmenzahl für die Gemeinderatswahl nominiert», erklärt dazu Markus Baumann, «es gibt also keinen Grund, mich von der Gemeinderatsliste zu streichen.» Auch ein Parteiausschlussverfahren, das Roger Spichiger in einer ersten Reaktion in Betracht gezogen hatte, müssten Parteimitglieder anregen, sagt Spichiger. Falls dieses wirklich eingeleitet werden sollte, dann aber sicher erst nach einer allfälligen Wahl, meint er.

Davon will Markus Baumann seine Partei in der nächsten Woche aber abbringen, falls das Gespräch zustande kommt. Es wäre schlecht für die SP Derendingen, aus falschem Stolz heraus ein Parteiausschlussverfahren einzuleiten. Davon ist er überzeugt. «Der Schaden für die Partei wäre enorm», so Markus Baumann.

Kantonalpartei will keinen Schaden erleiden

Sowohl Vizegemeindepräsident Roger Spichiger als auch Kantonsrat Markus Baumann erklären, in dieser Sache mit der Kantonalpartei ständig in Kontakt zu stehen. Das bestätigt Kantonalpräsidentin und Nationalrätin Franziska Roth. «Die Kantonalpartei mischt sich nicht ein. Das ist Sache der Sektion, solange die Kantonalpartei nicht geschädigt wird.»

Sie sei bereit, sich mit Spichiger und Baumann an einen Tisch zu setzen, wenn das gefragt sei. «Wir werden der Sektion keinen Entscheid abnehmen.» Die Situation in Derendingen sei speziell. Aber jeder nehme seine politischen Rechte wahr. Die politischen Gründe für die wilde Kandidatur kenne sie nicht und könne sich deshalb auch nicht dazu äussern. «Ich empfehle der Sektion einzig, strikte nach Statuten und transparent vorzugehen.»