Mühledorf
Im Holzspaltkurs herrscht eine fast mädchenfreie Zone

Die Ferienpasskinder lernen in Mühledorf Holz sägen, spalten und anzünden.

Beatrice Kaufmann
Drucken
Teilen
Zuerst werden die Stämme zersägt - was sichtlich Kraft erfordert
21 Bilder
Zuerst werden die Baumstämme zersägt
Ferienpass: Holzspaltkurs in Mühledorf
Dann wird das Holz gespalten - Toni Zimmermann erklärt, wie
Die Jungs lernen schnell
Die Jungs lernen schnell
... und schon ist das Holz gespalten
Manche Rinde zeigt sich widerspenstig
Wer sagt, Holzhacken sei Männersache
Und es geht noch kleiner
Und es geht noch kleiner
Toni Zimmermann erklärt, wieso Holz brennt
Nasses und trockenes Holz im Vergleich
Emissionsarmes Feuer brennt von oben nach unten
Die Jungs sind fasziniert von Feuer und Wachs
Das Wachs wird über dem Feuer geschmolzen

Zuerst werden die Stämme zersägt - was sichtlich Kraft erfordert

Beatrice Kaufmann

«Ist es anstrengend?» – «Ja!», erwidert Marc die Frage von Bernhard Moser lächelnd. Er ist nach wenigen Handgriffen bereits ins Schnaufen gekommen. Sekunden später hält er die Säge aber wieder in der Hand und macht Kleinholz aus dem dicken Stamm, der vor ihm auf dem Sägebock liegt. Am Ende des Nachmittags wird er von Leiter Anton Zimmermann gelobt werden als der Junge, der heute am meisten Fortschritte gemacht hat.

Marc ist Teilnehmer im Holzspaltkurs für Anfänger. Dieser Kurs, in dem die Teilnehmer weit mehr lernen, als Holz zu spalten, findet beim Waldhaus in Mühledorf statt. Schnell fällt auf: Hier herrscht fast mädchenfreie Zone, denn die angemeldeten Teilnehmer sind alles Jungen. Einzige Ausnahme bildet ein blondes Mädchen: Aurelia. Die Enkelin von Toni Zimmermann wagt sich heute erstmals an den Spaltbock.

Bevor es aber losgeht, werden die Kinder von Zimmermann und Moser, seinem Schwiegersohn begrüsst und mit einem Rätsel konfrontiert: «Was haben diese Dinge gemeinsam?», fragt Zimmermann und zeigt auf diverse Gegenstände auf dem massiven Holztisch.

Die Kinder schauen einander ratlos an, liegt doch zwischen Sägen und Äxten auch ein iPad. «Alle diese Dinge sind gefährlich, wenn man nicht weiss, wie damit umgehen», löst Zimmermann nach einiger Zeit auf. Und betont den Umkehrschluss: «Wenn man weiss, wie man damit umgeht, dann ist es nicht gefährlich.»

Anstrengend, aber faszinierend

Und so stehen die Jungen kurz darauf an Spalt- und Sägeböcken: Die eine Gruppe zersägt Äste, die nächste spaltet sie und die dritte macht «Spränzeli» zum Anfeuern. Gewechselt wird nach 20 Minuten, sodass bald jeder einmal eine Säge, eine kleine und eine grosse Axt in den Fingern hatte. Angeleitet werden sie von Zimmermann und Moser, die den Jungen zeigen, wie sie die Werkzeuge richtig halten und wie sie einen sicheren Stand bewahren. Mit von der Partie sind auch Mosers Söhne, Benedikt und Jonathan. Beide sind im besten Ferienpassalter, haben den Umgang mit Holz und Werkzeugen aber schon früh von ihrem Grossvater gelernt und geben ihr Können an ihre Freunde weiter.

Die Stimmung ist friedlich, denn die Kinder lernen schnell, sind hoch konzentriert und haben sichtlich Spass dabei, ihre neu erlernten Fähigkeiten zu trainieren. Im Lauf des Nachmittags entwickeln Einzelne, wie der 8-jährige Damian, sogar Kursleiterqualitäten. Was den Effekt hat, dass die anwesende Journalistin irgendwann Schreibblock und Kamera gegen Axt und Säge tauscht und nun für einen allfälligen Stromausfall im nächsten Winter gewappnet ist.
Zurück zu den Jungs: Diese finden zum grossen Teil ihr neues Lieblingswerkzeug in der Axt und lassen sich selbst beim Wort «Pause» kaum mehr von der «Arbeit» losreissen. Hellhöriger sind sie beim Wort «Feuer». Schliesslich produzieren sie nicht (nur) zum Spass massenhaft Kleinholz. Sie wollen auch damit am Abend ihre Cervelats bräteln. Und da Feuermachen richtig gelernt sein will, schichtet Moser nasses und trockenes Holz aufeinander.

Von Zimmermann erfahren die Kinder anschliessend, weshalb nasses Holz schlechter brennt als trockenes, dass Holz eigentlich gar nicht brennt, sondern das darin enthaltene Gas, und dass das umweltschonende Feuer von oben nach unten abgebrannt wird. «Das gibt weniger Emissionen», erklärt Bernhard Moser.

«Aführis» für zu Hause

Die Hitze brauchen die Kinder aber nicht nur für die Cervelats, sondern auch, um Wachs zu schmelzen. Mittels Sägespäne, die Zimmermann vorsorglich mit der Motorsäge hergestellt hat, etwas Schnur und Wachs stellen die Jungs nämlich ihre eigenen «Aführis» her. Eine Beschäftigung, die es vor allem Benedikt angetan hat, der den anderen Kindern wieder die nötigen Handgriffe zeigt. Als die Eltern der Teilnehmer kurz vor 17 Uhr langsam eintrudeln, greifen auch sie teilweise noch zu Axt und Säge, die Arbeit ist aber im Grossen und Ganzen getan. Und so werden die vielen Papiersäcke mit Holzscheiten, «Spränzeli» und «Aführis» im Auto verstaut, bevor man zusammen einen der letzten Ferientage bei einer Cervelat am Feuer ausklingen lässt.

Aktuelle Nachrichten