Biberist
«Jede Person stirbt anders, so wie sie auch anders gelebt hat»

Der Verein «palliativeCare», der in Biberist, Lohn-Ammannsegg, Gerlafingen und Obergerlafingen wirkt, begleitet, betreut und entlastet. Regelmässig treffen sich Mitarbeitende zum Austausch im Läbesgarte in Biberist.

Agnes Portmann-Leupi
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Von den Sterbebegleitern erfordert der Einsatz viel Kraft, das sind sich alle einig.

Von den Sterbebegleitern erfordert der Einsatz viel Kraft, das sind sich alle einig.

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Um den Tisch sitzen drei freiwillige Mitarbeiterinnen des Vereins «palliativeCare». Sie begleiten und betreuen auf Wunsch Sterbenskranke und entlasten ihre Angehörigen. Damit helfen sie mit, dass Menschen in ihrer letzten Lebensphase bis zuletzt in ihrer gewohnten Umgebung bleiben dürfen. Die drei Frauen erzählen vom Begleiten, vom Umgang mit dem Sterben und vom unabdingbaren Einfühlungsvermögen.

Dass Loslassen nicht einfach ist, darüber sind sich die Frauen einig. Sie untermauern, dass Selbstbestimmung, Würde und Akzeptanz des Patienten Grundwerte von «palliative Care» sind. Die Arbeit sei – geprägt von rührenden, traurigen, manchmal aber auch fröhlichen Momenten – meistens sehr dankbar.

Die Chemie muss stimmen

«Jede Person stirbt anders, so wie sie auch anders gelebt hat», sagt Anne Elmer. Es gebe verschiedene Phasen wie Nicht-Wahrhaben-Wollen, Zorn, Depression, Zustimmung. Oft brauche es nicht viele Worte, manchmal genüge es, den andern spüren zu lassen, dass er nicht alleine ist. Mit der Lieblingsmusik gelinge es nicht selten, die Gefühle und das Befinden zu ergründen.

Unerledigte Sachen könnten Leute am Leben erhalten. Sie erzählt von einer Frau, die erst nach Monaten sterben konnte, als sie mit ihrer im Streit lebenden Tochter Frieden schloss. Anne Elmer begleitet Sterbende bereits seit 30 Jahren. Die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross über Sterben und Tod sensibilisierten sie dafür.

«Ich stelle mich vorher der Familie vor, um Näheres über das Leben des Patienten zu erfahren. Die Chemie muss stimmen», sagt Elisabeth Feller. Die letzte Lebensphase dauere, je nach Therapie, Stunden, Tage, Wochen oder sogar Monate. Dann gelte es zu spüren, wie dem Patienten diese Zeit erleichtert werden könne.

Sie habe auch schon erlebt, wie eine Patientin in den letzten Stunden immer an die Decke blickte und sich freudig erkundigte: «Sehen Sie dieses helle Licht?» In ihrer Arbeit gehe es auch um die Entlastung der Angehörigen. Elisabeth Feller kam durch ihren Pflegeberuf in die Sterbebegleitung. Dort habe sie gemerkt, wie viel Zeit notwendig wäre, um Sterbende zu begleiten.

Manchmal hilft die «Lismete»

Theres Utzinger erzählt, dass auch sie in der Pflege hautnah erlebt hat, wie wichtig und kostbar diese Arbeit ist. Empathie am Krankenbett, die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in den Patienten einzufühlen, sei unabdingbar. «Wichtig ist zu signalisieren, dass jemand da ist zum Reden und Zuhören», sagt sie. Auch schon habe sie ihre «Lismete» zur Hand genommen und der Patient habe sich geöffnet. «Sterbende können sich manchmal nicht mehr mitteilen. Dann sind Zeichen wie ein Händedruck oder die Bewegung der Augen sehr hilfreich.»

«Sterbebegleitung erfordert viel Kraft», betonen die Frauen unisono. Jede der drei Sterbebegleiterinnen hat ihre eigenen Rituale, um sich zu erholen oder auch zu distanzieren. Dies sei gerade beim Tod von jungen Leuten nicht einfach. Schwierig zu verarbeiten sei auch ein Tod durch Exit. Für ihren eigenen Tod wünschen sie sich, ernst genommen zu werden und vor allem keine Schmerzen zu haben.

Enge Zusammenarbeit

Der am 19. November 2014 gegründete Verein «palliativeCare» zählt 13 freiwillige Mitarbeitende, die pro Einsatz eine Spesenentschädigung erhalten. Drei- bis viermal jährlich treffen sie sich zum Austausch und zur Weiterbildung im Läbesgarte. Das Wirkungsfeld umfasst die Gemeinden Biberist, Lohn-Ammannsegg, Gerlafingen und Obergerlafingen. Die Begleitung der Kranken erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Hausärzten, der Spitex, den Alters- und Pflegeheimen und den Kirchgemeinden.

Im Vorstand wirken mit: Fränzi Jäggi Beer (Präsidentin), Maria Rothenbühler (Vizepräsidentin), Sue Sturzenegger (Aktuarin), Doris Jäggi (Mitgliederverwaltung), Franziska Bögli (Einsatz-Koordination), Dorothea Neubert (Seelsorge, Betreuung freiwillige Mitarbeitende) und Beat Graf (Beisitzer).

Vermittlung der Einsätze: Franziska Bögli, Spitex Biberist, 032 672 47 94, f.boegli-biberist@spitex-hin.ch.

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