Langendorf
Ein Elterncafé soll in Langendorf Unterstützung und eine Integrationsmöglichkeit für Flüchtlinge bieten

Der Gemeinderat spricht 10'000 Franken für Projekte in Langendorf, die den Flüchtlingen zugutekommen. Als erstes Projekt wird ein Elterncafé eingerichtet.

Patric Schild
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Ankunft von Flüchtlingen aus der Ukraine in der Schweiz. In Langendorf wird ein Elterncafé eingerichtet, wo man sich austauschen, Kontakte knüpfen, einander helfen und das gegenseitige Verständnis fördern kann.

Ankunft von Flüchtlingen aus der Ukraine in der Schweiz. In Langendorf wird ein Elterncafé eingerichtet, wo man sich austauschen, Kontakte knüpfen, einander helfen und das gegenseitige Verständnis fördern kann.

Pablo Gianinazzi / Keystone

Aufgrund eines zu erwartenden Ertragsüberschusses in der Rechnung 2021 hat der Gemeinderat von Langendorf beschlossen, für die Bewältigung der aktuellen Flüchtlingssituation 10’000 Franken zur Verfügung zu stellen. Auf den Betrag soll pragmatisch und unkompliziert zugegriffen werden können, um kommunale Projekte zu unterstützen, die nicht bereits über die Asylsozialhilfe oder anderweitig finanziert werden.

Die ursprüngliche Intention des Rates war es, das Geld an eine wohltätige Organisation zugunsten der Kriegsopfer zu spenden. Da aber relativ bald die ersten Flüchtlinge im Dorf auftauchten, hat sich der Gemeinderat dazu entschieden, den Betrag direkt vor Ort in Langendorf einzusetzen.

Projekte, die von den gesprochenen Geldern profitieren könnten, sind bereits in der Pipeline. So war etwa die Schaffung eines Elterncafés in der Betriebskommission Tagesstrukturen schon seit einiger Zeit ein Thema. Denn infolge kantonaler Vorgaben sind die Gemeinden ab 2024 dazu angehalten, für Kinder im Vorschulalter die sprachliche Frühförderung sicherzustellen.

Niederschwellig Integration und Unterstützung anbieten

Durch den Krieg in der Ukraine erfährt das Vorhaben neuerliche Aktualität. Aufgrund eines Ausreiseverbotes für Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren, sind es fast ausschliesslich Mütter mit ihren Kindern, die aus der Ukraine flüchten. In einem für sie ungewohnten sprachlichen Umfeld sind sie mit der Verantwortung für ihre Kinder stark auf sich allein gestellt.

«Ein Elterncafé ist eine gute Variante, um niederschwellig und sehr rasch Integration und Unterstützung zu bieten», erklärt Barbara Obrecht Steiner, Ressortleiterin Soziales. Das Projekt soll nun möglichst schnell realisiert werden und im Rahmen eines Pilotprojektes bis zu den Sommerferien stattfinden, um festzustellen wie gross die Nachfrage ist.

Doch was ist eine Elterncafé? Es soll Raum für die aktuellen Bedürfnisse bieten. Zweimal pro Woche werden für zwei Stunden in gemütlicher Atmosphäre Kaffee, Kuchen und Gespräche angeboten. Untereinander soll man sich austauschen, Kontakte knüpfen, einander helfen und das gegenseitige Verständnis fördern.

Ziel ist es, die Gespräche möglichst in deutscher Sprache zu führen und ukrainischen Müttern zu ermöglichen, schnell Verbindungen mit deutschsprachigen Müttern herzustellen. Geleitet wird das Projekt von einer fachkundigen Person mit pädagogischem Background, die von einer ukrainisch- oder russischsprachigen Dolmetscherin unterstützt wird.

Ein Elterncafé für alle fremdsprachigen Eltern

Grundsätzlich stehe es von Beginn weg allen fremdsprachigen Eltern offen, am Elterncafé teilzunehmen. Allerdings wird wegen der aktuellen Situation nur Ukrainisch und Russisch als Sprachunterstützung während der Pilotphase angeboten werden.

Sollte sich das Pilotprojekt als erfolgreich erweisen, ist das mittelfristige Ziel, Eltern aller sprachlicher Herkünfte im Elterncafé zu begleiten. Wenn sich jedoch abzeichnet, dass das Café kaum auf Interesse stösst, kann es auch problemlos wieder eingestellt werden.

Obrecht Steiner rechnet für die Pilotphase mit Ausgaben von maximal 5000 Franken. Darin enthalten sind die Kosten für die Leiterin des Elterncafés und der Dolmetscherin sowie Entschädigungen für die zuständigen Kommissionsmitglieder, welche aufgrund von ausserordentlichen Arbeiten anfallen.

Bis auf die Kommissionsbeiträge könnte das Projekt in den Genuss der gesprochenen Gelder kommen. Weiter ist vorgesehen, auch die Schulkreis-Gemeinden Rüttenen und Oberdorf mit ins Boot zu holen, damit das Angebot dem gesamten Schulkreis zur Verfügung steht.

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