Deitingen
Musikgesellschaft präsentiert stets Neues nach altem Muster

Musikgesellschaft Deitingen überzeugte am Jahreskonzert mit Perfektion und Spielfreude.

Hans Blaser
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«Danse des Mirlitons» von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, in einer Bearbeitung von Gert Buitenhuis, wurde von vier Flötistinnen der MG Deitingen präsentiert.

«Danse des Mirlitons» von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, in einer Bearbeitung von Gert Buitenhuis, wurde von vier Flötistinnen der MG Deitingen präsentiert.

Hans Blaser

Es hat schon etwas für sich, wenn die Jahreskonzerte immer nach demselben Schema ablaufen. Das Publikum fühlt sich nicht verschaukelt und kommt jedes Jahr gerne wieder. Es weiss schon, wenn sich der Vorhang öffnet, dass irgendwann eine Polka folgen wird. Genauso sicher erwartet es ein Solo. Es darf sogar immer einen Spass erwarten, einen Gag oder eine kurze Spielszene.

Bei der MG Deitingen ist es jedenfalls so. Nicht so sicher ist aber, dass das Konzert mit einem Marsch beginnt. Diesmal war es aber so. Mit «Arosa» vom Bündner Oskar Tschuor wählten die Deitinger einen sehr beliebten Marsch. Das veranlasste den Dirigenten Roger Siegenthaler, das Publikum schon beim Eröffnungsstück mit der entsprechenden Geste zum Mitklatschen aufzufordern.

«Queen» zu Gast in Deitingen

Verein und Publikum waren damit bereit für das Hauptwerk zumindest des ersten Konzertteils. Als das könnte man das Arrangement von Jan van Kraeydonk zu «Queen in Concert» bezeichnen. Darin wurde eine ganze Reihe bekannter Titel der weltbekannten Band verarbeitet. Die damit verbundenen Tempowechsel meisterten die Deitinger perfekt. Sie wirkten selbstsicher.

So wirkten sie auch beim Hauptwerk des zweiten Konzertteils. Da stand «Russisches Tagebuch» im Programm. Sechs russische Volksweisen packte Hans Hartwig (1912-2012) zu einem gefälligen Arrangement. Dabei liess er immer wieder andere Register in den Vordergrund rücken. Manchmal waren es die Trompeten und Cornet und dann wieder das grosse Blech. Etwas weniger die Holzbläser, aber auch sie kamen dabei nicht zu kurz.

Bewusst ruhig und damit wohl im Sinne von Frank Bernaerts wurde «The Prayer» interpretiert. Damit wurde der Kontrast geschafft zu «Festival Day». Das ist zwar nicht eine Fanfare, aber doch genau die festliche Musik, die der Titel verspricht. Komponiert hat sie Mario Bürki für das Kantonale Musikfest 2014 in Kriegstetten. Mit einer älteren Komposition schlossen die Deitinger den ersten Teil ab. Der Niederländer Gerard Hendrik Boedijn schrieb diesen «Gammatique Marsch» nämlich bereits 1933. Er passte nicht in die Zeit und verschwand. Damals verrückt und zu modern - heute interessant und witzig – Zeitenlauf der Musik.

35 Jahre aktiv

Zeit zählt auch im Leben der Musikanten. Für 35 Jahre aktives Musizieren wurden Martin Christ und Adrian Beck anschliessend mit «Arosa» geehrt. Mit «Blue suede shoes»aus dem Jahr 1955 von Carl Perkins ging es in den zweiten Teil. Da passte die fast obligatorische Polka hinein. Die müsse nicht zwingend Bömisch-Mährisch sein, verkündete Siegenthaler. Den Beweis dafür lieferten die Deitinger mit «Edelweiss und Enzian» von Jakob Bieri. Auch Schweizer können rassige Polkas schreiben. Von einer ganzen Harmoniebesetzung gespielt – wortwörtlich Volksmusik. Damit war die Vorgabe «Polka» erfüllt.

Die Vorgabe «Solo» hatten die Deitinger aber schon vorher im ersten Teil erfüllt. Der «Danse des Mirlitons» ist im zweiten Akt des Balletts «Nussknacker» zu sehen. Exakt diese Stelle in Pjotr Iljitsch Tschaikowskis entsprechender Suite regte Gert Buitenhuis zur Bearbeitung zu einem eleganten Solo für Flöten und Blasorchester an. Vier Flötistinnen der MG Deitingen brachten es auf die Bühne.

Der Gag mit dem Alphorn

Es gab aber noch einen Solisten, auch aus den eigenen Reihen. Der Trompeter Hansruedi Ammann versuchte sich vor einem Jahr aus Neugier auf einem Alphorn. Sein Auftritt mit seinem einigermassen spielbaren «Do-it yourself-Alphorn» aus verschiedenen Röhren aus dem Baumarkt war mehr der angesagte Gag als Solo. Dass Ammann aber inzwischen ziemliche Fertigkeit erlangt hat, bewies er mit der «Alphorn Ballade». Die komponierte der deutsche Posaunist und Alphornist Berthold Schick 2014 für sich selber.