Unterramsern
«Natur baut» — seit zweieinhalb Jahren baut das Ehepaar an ihrem Einfamilienhaus aus Lehm

Natalina Polito und Harry Rödel bauen in Unterramsern seit zweieinhalb Jahren selbst an ihrem Einfamilienhaus.

Monika Kammermann
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Von vorne sieht das Haus ganz normal aus.

Von vorne sieht das Haus ganz normal aus.

Michel Lüthi/bilderwerft.ch

BEs ist ein grosser Traum Vieler, ein eigenes Haus zu besitzen – idealerweise mit Umschwung oder Garten. Der Wunsch nach mehr Naturnähe wächst. Gleichzeitig wächst auch die Nachfrage nach umweltfreundlich hergestellten Produkten. Harry Rödel und seine Ehefrau Natalina Polito haben darauf ihre eigene Antwort. Sie bauen in Unterramsern ein aus Lehm gefertigtes Einfamilienhaus.

Lehm ist eines der ältesten Baumaterialien der Welt. Ein grosser Teil der Chinesischen Mauer besteht aus Lehm, englische Cottages wie auch diverse Bauten im ehemaligen Persien und Südjemen wurden daraus gefertigt. Das Ehepaar nennt sein Haus, welches zugleich ein Forschungsprojekt ist, «Natur baut». Dies drückt auch ihre Motivation dafür aus: «Wir wollen der Natur das zurückgeben, was wir ihr entnommen haben».

Zugegebene Kräuter sorgen für angenehmen Raumduft

Von aussen vorne sieht das Haus normal aus. Die Rückwand allerdings wird von einem eingedrehten Dach vollständig eingedeckt und soll wie schon das Satteldach vollständig begrünt werden. Dies hält bei starkem Regen das Wasser zurück und habe zugleich einen Einfluss auf das Mikroklima. Was beim Betreten des Hauses auffällt ist der, für eine Baustelle ungewöhnliche, sehr angenehme Duft nach Stroh und Kräutern.

«Bei einzelnen Wänden haben wir dem Lehm Kräuter für eine schönere Optik und für einen angenehmen Raumduft beigefügt», erklärt Rödel. Die Lehmwände sind in Lichtgrau, Saharagelb, Lindgrün und Eisenoxydrot gefertigt. «Diese Lehmtone sind direkt der Natur entnommen und lichtstabil, was bedeutet, dass sie nicht gestrichen werden müssen».

Natalina Polito und Harry Rödel bauen ein Einfamilienhaus aus Lehm.
14 Bilder
Das Einfamilienhaus wird in Unterramsern gebaut.
Das Einfamilienhaus wird in Unterramsern gebaut.
Das Einfamilienhaus wird in Unterramsern gebaut.
Die letzte Lage der Wände besteht aus einer Schilfplatte.
Das Einfamilienhaus wird in Unterramsern gebaut.
Das Einfamilienhaus wird in Unterramsern gebaut.
Das Einfamilienhaus wird in Unterramsern gebaut.
Das Einfamilienhaus wird in Unterramsern gebaut.
Die Böden sind aus Lehm gefüllt mit Schilf und Schaumglas.
Die Böden sind aus Lehm gefüllt mit Schilf und Schaumglas.
Das Einfamilienhaus wird in Unterramsern gebaut.
Hier sieht man das Haus von Aussen.
Das Satteldach soll vollständig begrünt werden.

Natalina Polito und Harry Rödel bauen ein Einfamilienhaus aus Lehm.

Michel Lüthi/bilderwerft.ch

Der gesamte fürs Haus benötigte Lehm entstammte aus dem Bauaushub. «Lediglich der Keller ist aus Beton, denn auch moderne chemische Produkte können bei einem Lehmbau unterstützend sein. Ich habe vor rund 30 Jahren mit Renovationen alter Häuser begonnen und realisierte in meiner Heimat Neuseeland einige Lehmbauten», erklärt der Architekt (SIA), der das Haus selber plante und baut.

«Die Vorteile liegen für uns klar auf der Hand», sagt das Ehepaar. Zum einen sei es ein gesunder Bau mit einem sehr guten Raumklima und konstanter Luftfeuchtigkeit. Zum anderen ist der Lehm atmungsaktiv und übernimmt daher die Feuchtigkeitsregulierung. «Beschlagene Spiegel im Bad oder Schimmel sind kein Thema mehr», sagt Rödel.

Da sich praktisch niemand mit dieser Lehmbauweise auskennt, entschieden die Eheleute das Haus in Eigenregie zu bauen. «Das Gute ist, dass Lehm Fehler verzeiht. Hat man etwas falsch gemacht, weicht man es mit Wasser ein und beginnt von vorne», erläutert er schmunzelnd. Generell halte sich der Materialverschleiss und Abfall sehr gering – es gebe nur Umverpackungen. Was zu bedenken sei, dass die Bauphasen einiges länger ist, da man viel stärker der Witterung ausgesetzt ist. Es darf weder zu kalt noch zu heiss sein, sonst trocknet der Lehm nicht oder wird spröde.

Eine natürliche Klimaregulierung

Die Aussenmauer besteht aus einer Lärchenfassade, Regenfolie, einer Hinterlüftung und Holzfaserdämmplatten, gefolgt von einer Lehmwand mit Holzständerwerk, zwei weiteren Schichten Lehm, davon eine gemischt mit Schaumglas. Die letzte Lage besteht aus einer Schilfplatte und ist mit einem Unter- und Oberputz versehen.

Die Böden bestehen aus Lehm ebenfalls gefüllt mit Schilf und Schaumglas für die Isolierung. Der kreative Geist der Beiden spiegelt sich im Innern in jeder Etage wider, so ziert der Fussboden im Erdgeschoss ein selbst gegossener Lehm-Terrazzo-Boden aus rötlichem Ton mit weissen Jurakreidesteinen.

Weiter ist geplant, einen Baum – einen neuseeländischer Silberfarn – inmitten des Hauses zu pflanzen, der von unten bis ganz nach oben in den 2. Stock wachsen darf. Dieses Atrium dient auch gleichzeitig für die natürliche Klimatisierung.

Für weitere Informationen zum Forschungsprojekt und Lehmhaus: Terra Urban Architects / www.tua.earth

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