Gemeindewahlen
SP Derendingen steht vor einer Zerreissprobe – Baumann überlegt sich wilde Kandidatur

Die Lokalpartei nominiert Roger Spichiger als Kandidaten für das Gemeindepräsidium. Parteipräsident Markus Baumann überlegt sich eine wilde Kandidatur.

Urs Byland
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Links: Roger Spichiger, der offizielle Kandidat der SP Derendingen. Rechts: Markus Baumann, der Spichiger das Leben schwer macht.

Links: Roger Spichiger, der offizielle Kandidat der SP Derendingen. Rechts: Markus Baumann, der Spichiger das Leben schwer macht.

Patrick Lüthy

Die Gemeindepräsidentenwahl in Derendingen könnte zu einem Krimi werden. Die SP Derendingen hat ihren Kandidaten nominiert. Die Wahl wurde brieflich durchgeführt. «Bei uns sind nicht alle Mitglieder internetaffin», begründet Parteipräsident Markus Baumann das Prozedere. Zur Auswahl standen er und Vizegemeindepräsident Roger Spichiger. Zwei sehr unterschiedliche Charaktere, hier der angriffig politisierende Baumann und dort der Konsenspolitiker Spichiger.

«Man muss miteinander gestalten, aber eine politische Auseinandersetzung soll stattfinden können. Man muss auch auf wunde Punkte zeigen. Dabei holt man sich natürlich nicht nur Freunde», meint Kantonsrat Markus Baumann und kommentiert damit auch gleich den Ausgang der brieflichen Wahl. Diese ergab ein klares Ergebnis zu Gunsten von Bauverwalter Roger Spichiger. Mit 16 zu 6 Stimmen endete die parteiinterne Wahl zu Baumanns Ungunsten. Seine Enttäuschung halte sich in Grenzen, so Baumann. «Dieses Resultat war parteiintern zu erwarten. Roger Spichiger kennt man und als Vizegemeindepräsident hat er gewisse Vorteile.»

«Es braucht neuen politischen Wind»

Als Konsequenz aus diesem parteiinternen Resultat überlegt sich Baumann nun eine wilde Kandidatur. «Wir haben neu ein Ressortsystem im Gemeinderat eingeführt. Da stellt sich für mich ernsthaft die Frage, ob es nicht auch einen neuen politischen Wind braucht.»

Er habe parteiextern eine grosse Unterstützung erfahren. Meint er damit Unterstützung von den bürgerlichen Parteien? Sowohl die FDP als auch die CVP hatten im Vorfeld erklärt, keine Kandidaten zu nominieren. Wobei die CVP sich noch ein Türchen offen liess. Deren Parteipräsident Urban Cueni wies wie Baumann aufs neue Ressortsystem hin. «Uns liegt es sehr am Herzen», so Cueni, «dass diese von uns angestossene Reform auf einen guten Weg kommt. Dazu braucht es Leute mit Herzblut.» Gleichzeitig verändere sich die Verwaltung.

Baumann wehrt ab. «Ich habe auch viel Unterstützung von Parteiunabhängigen bekommen.» Im Fokus hat Baumann offenbar das Gewerbe. «Für das Derendinger Gewerbe setze ich mich stark ein. Geht es um Coronakredite, helfe ich dem Gewerbeverein.» Und auch die Idee, den Derendinger Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern einen 50-Franken-Gutschein abzugeben, der beim lokalen Gewerbe eingelöst werden kann, sei auf einen Vorstoss von ihm zurückzuführen, so Baumann. «Es war kein spontaner Entscheid von mir, mich für das Gemeindepräsidium zu bewerben. Ich will etwas verändern», und darin würden ihn viele Leute in Derendingen unterstützen.

«Ich habe eine Vision von unserem Dorf»

Auf der anderen Seite freut sich Roger Spichiger und lässt sich in den sozialen Medien zur parteiinternen Nomination gratulieren. Etwas überrascht hat ihn nun aber die Idee einer möglichen wilden Kandidatur von Baumann schon. «Obwohl, damit musste ich rechnen.» Er würde diese Zerreissprobe seiner Partei gerne ersparen. «Wir sind sonst schon nicht so stark», meint er und erwähnt die Anzahl Mitglieder. «Von den 46 Mitgliedern haben 32 die briefliche Wahl genutzt.»

Eine wilde Kandidatur von Markus Baumann finde er deshalb schlecht. «Natürlich steht es ihm frei zu kandidieren, aber wenn das sein Verständnis von Demokratie ist, dann wird das parteiintern Konsequenzen haben, würde doch sein Entscheid klar im Widerspruch zum Mehrheitsentscheid der SP Derendingen, die er präsidiert, stehen.»

Zudem würde es ihn erstaunen, wenn die bürgerlichen Parteien, «mit denen die SP immer gut zusammenarbeitete», sich plötzlich gegen die offizielle SP-Nomination aussprechen sollten. Eigentlich müsste der Parteipräsident, so Spichiger, sein Wahlkomitee anführen. «Dann muss ich nun wohl mein Wahlplakat selber gestalten», meint er mit Humor. Er habe ein offenes Ohr für alle Anliegen, wirbt er für sich, «egal welcher Couleur». Und er politisiere weitsichtig. «Ich habe eine Vision von unserem Dorf.»

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