«Super-GAU»
Verheerende Hagelschäden bringen Selzacher Erdbeer-Bauer an Existenzgrenze

Mittwochabend zog ein Hagelsturm über die Erdbeerfelder von Aldo Mann. Am Tag danach ist für den Selzacher Bauern klar, dass fast die gesamte Ernte zerstört wurde.

Christoph Krummenacher
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Der Hagel fiel am Mittwoch auf das Erdbeerfeld von Bauer Aldo Mann in der Selzacher Witi.

Der Hagel fiel am Mittwoch auf das Erdbeerfeld von Bauer Aldo Mann in der Selzacher Witi.

zvg

«Ja wir stellen uns die Frage, wie es weitergehen soll.» Die Stimme von Aldo Mann ist gedämpft. Am Mittwochabend hat ein Hagelsturm ihn und seinen Beerenbetrieb in Selzach schwer getroffen.

«Auf dem Hauptfeld in der Witi sind 80-100 Prozent der Erdbeeren betroffen», sagt Mann. Die reifen Erdbeeren habe der Hagel so zerschlagen, dass man daraus vielleicht noch Püree machen könne. «Wenn wir Glück haben. Bei den weniger reifen Früchten wird sich das Ausmass der Schäden erst in ein paar Tagen zeigen, wenn sie weiter wachsen.»

Super-GAU drei Tage vor Erntebeginn

Für den Selzacher ist klar: «Für den Betrieb könnte dieser Verlust ein existenzielles Problem geben.» Denn die Vorleistungen seien schon passiert: Er und sein Team haben Material gekauft, in vielen Arbeitsstunden die Setzlinge von Hand gesetzt, ebenfalls von Hand über Wochen das Unkraut gejätet. «Wir haben also schon sehr viele Stunden investiert und nun hat uns der Hagel drei Tage vor Erntebeginn praktisch alles zerstört», so Mann. Zu diesem Zeitpunkt sei das für einen Beerenbauern finanziell ein Riesenproblem, ein «Super-GAU», wie Aldo Mann es nennt.

Die Erdbeeren wurden von den Hagelkörnern getroffen.
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Die meisten Früchte sind beschädigt durch den Hagelschlag.
Die meisten Früchte sind beschädigt durch den Hagelschlag.
Bei den noch nicht ausgereiften Früchten wird sich das Ausmass der Schäden noch zeigen.
Bei den noch nicht ausgereiften Früchten wird sich das Ausmass der Schäden noch zeigen.
Bei den noch nicht ausgereiften Früchten wird sich das Ausmass der Schäden noch zeigen.
Hagel im Erdbeerfeld von Bauer Aldo Mann in Selzach.

Die Erdbeeren wurden von den Hagelkörnern getroffen.

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Dass für Mittwoch Regen gemeldet war, habe man gewusst, so Mann. «Wir haben die Lage beobachtet und gesehen, dass es an manchen Orten Hagelstreifen über der Schweiz gab. Der Hagel kam dann aber relativ schnell.» So oder so hätte er die Erdbeeren aber nicht gross schützen können vor den Hagelkörnern.

Neben den Erdbeeren wurden auch die anderen Früchte beschädigt, die der Bauer anbaut: Kirschen und Johannisbeeren. Die Aprikosen hatte bereits der Frost kaputt gemacht. Da hatte man die Erdbeeren noch mit grossem Aufwand retten können.

Retten, was noch zu retten ist

Der Betrieb von Aldo Mann lebt vom Verkauf von Erstklasse-Ware an den Grosshandel. Diese Ware hat der Hagel am Mittwoch nun zerschlagen. «Erdbeeren sind sensible Früchte, die keine Druckstelle haben dürfen im Verkauf», erklärt der junge Familienvater. Vor einem Jahr erst hatte er den Betrieb vom Vater übernommen. «Mein Vater, der seit 40 Jahren Erdbeeren anbaut, mein Bruder, der auf dem Hof arbeitet, und ich haben so einen Hagelschaden noch nie erlebt.»

«Jetzt werden wir mit den Erntehelfern versuchen, die kaputten Früchte rauszulesen. Diese könnten sonst krank werden, so dass wir die verbleibenden Früchte ebenfalls nicht mehr verkaufen könnten.» Mit etwas Glück könne man einen Bruchteil noch ernten, allerdings nur mit viel Aufwand und hohen Sortierkosten. Das jährliche beliebte Selbstpflücken auf dem Feld will der Beerenbauer Anfang Juni trotzdem anbieten. «In der Hoffnung, die Leute können uns noch helfen, wenigstens ein wenig den Schaden zu begrenzen.»

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