Bellach
Wieso Ex-Chefs auch nach der Übergangszeit noch für die Gemeinde arbeiten

Obwohl Anton Probst und Hans Lüthi nicht mehr Gemeindepräsident bzw. Bauverwalter sind, arbeiten sie noch für die Gemeinde Bellach und erhalten Lohn. Der Grüne Felix Glatz-Böni kritisiert den Übergang.

Urs Byland
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Brachte die Hilfe von Alt-Gemeindepräsident Anton Probst und Ex-Bauverwalter Hans Lüthi während des Übergangs etwas oder war sie nicht notwendig?

Brachte die Hilfe von Alt-Gemeindepräsident Anton Probst und Ex-Bauverwalter Hans Lüthi während des Übergangs etwas oder war sie nicht notwendig?

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Für Alt-Gemeindepräsident Anton Probst und Alt-Bauverwalter Hans Lüthi ist das Gemeindehaus nach wie vor ein Beschäftigungsort. Dies auch nach der jeweiligen dreimonatigen Übergangszeit, in der sowohl der Alt-Gemeindepräsident als auch der Alt-Bauverwalter ihre Nachfolger einarbeiteten.

Das führte zu einer Interpellation des Grünen Felix Glatz-Böni im Namen der Fraktion SP/Grüne. Darin fragt er unter anderem, wie viele zusätzliche Stunden die beiden leisteten, und warum diese Arbeiten nicht bereits in der dreimonatigen Übergangszeit erledigt wurden. Und er erkundigt sich zur von Anton Probst beratenen Arbeitsgruppe Tagesstrukturen.

Laut Gemeindepräsident Roland Stadler (FDP) hat Anton Probst nach der dreimonatigen Übergangszeit noch über 350 Stunden zu Ansätzen von 50 oder 76.15 Franken für die Gemeinde gearbeitet. Dafür wurden ihm über 26'000 Franken ausbezahlt. Ausstehend ist der Oktoberlohn.

Hans Lüthi leistete nach der Übergangszeit 128 Stunden à 76.15 Franken und erhielt über 8000 Franken. Ausstehend sind die Löhne im Oktober und November. Auftraggeber war jeweils die Gemeinderatskommission.

Auch Gelder eingespart

Die Begründung für die Mehrarbeit liefert Roland Stadler in der Antwort auf die Interpellation. Am 1. 1. 2016 erfolgte die Umstellung auf eine neue Verwaltungssoftware, wofür Anton Probst aufgrund seiner Erfahrung die Projektleitung übernahm. Diese Umstellung sowie die gleichzeitige Umstellung auf HRM2 habe das Verwaltungspersonal enorm belastet.

Die Einsparung für externe Beratung beziffert Stadler auf bis zu 20'000 Franken. «Eine gleichzeitige Übergabe der geplanten administrativen Aufgaben war unter diesen Umständen nicht möglich.» Zudem habe Probst neben der Einführung des neuen Gemeindepräsidenten weitere gewichtige Projekte betreut, etwa den Rückbau der Alten Turnhalle.

Beim Alt-Bauverwalter begründet der Gemeindepräsident: «Es war von Anfang an klar, dass Hans Lüthi während dieser Zeit nicht sämtliche Pendenzen abtragen konnte.» Es seien aber nur diejenigen Projekte durch Lüthi bearbeitet worden, bei denen die Instruktion des neuen Bauverwalters zu aufwendig gewesen wäre.

«Man muss ihn stoppen»

«Die dreimonatige Übergangszeit mit doppeltem Lohn für zwei Gemeindepräsidenten und zwei Bauverwalter finde ich extrem grosszügig. Ich kenne das von anderen Verwaltungen und von meinem Arbeitsplatz so nicht», kritisierte Felix Glatz-Böni im Gemeinderat in seiner Replik auf die Interpellationsantwort.

Der Gemeindepräsident beispielsweise habe demnach für die dreimonatige Übergangszeit zirka 64'000 Franken sowie für die anschliessend geleisteten Stunden 26'000 Franken erhalten. Er bezweifle den Bedarf nach zusätzlicher Weiterbeschäftigung: «Wer es nach drei Monaten in Doppelbesetzung nicht schafft, soll es lieber gleich bleiben lassen.»

Und zur Weiterbeschäftigung des früheren Bauverwalters sagte Glatz-Böni: «Wer Hans kennt und weiss, wie aufwendig er seine Arbeit leistet, dem war vielleicht klar, dass man ihn stoppen muss.» Spitz stellte er die Frage, wer auf der Gemeindeverwaltung eigentlich wen führe.

Zum Projekt Einführung der Tagesstrukturen, in dem Anton Probst in der Arbeitsgruppe mitwirkt, störte sich Glatz-Böni daran, dass einzig der Alt-Gemeindepräsident bisher für seinen Einsatz entschädigt wurde, die anderen Mitglieder der Gruppe aber nicht. Hier will Gemeindepräsident Roland Stadler korrigierend eingreifen.

Im Gemeinderat äusserte sich neben Glatz-Böni nur noch Gemeindepräsident Roland Stadler. Er sei ebenfalls nicht glücklich wegen diesen lang andauernden, aber sachlich begründeten Weiterbeschäftigungen.

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