Däniken
Poesie der ausrangierten Dinge: Die Eigenproduktion «Vogljodl» über Vögel und Vergänglichkeit

Däniken erlebte eine Welturaufführung. Das Duo Kapelle Sorelle, bestehend aus Charlotte Wittmer und Ursina Gregori, zeigte im «Takatuka» ihre Eigenproduktion «Vogljodl».

Urs Amacher
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Charlotte Wittmer (links) und Ursina Gregori spielen.

Charlotte Wittmer (links) und Ursina Gregori spielen.

Bruno Kissling

Der Titel des Stücks «Vogljodl» ist eine Erinnerung an die zwei Country-Musikerinnen Mary Jane und Carolyn DeZurik, die Ende der 30er-Jahre als The DeZurik Sisters oder The Crackle Sisters auftraten. Das Markenzeichen dieser Yodeling-Queens aus dem Mittleren Westen der USA war ihr Gesangsstil. In ihren Liedern amten sie Vogelstimmen und Laute von Bauernhoftieren nach, etwa das Gurren der Tauben und das Gackern der Hühner. Ihre Songs tragen denn auch die Spottdrossel «Mocking Bird» oder ganze Ferien auf dem Bauernhof «Barnyard Holiday» im Titel.

Die Kapelle Sorelle baute mehrere Medleys dieser Klangbilder in ihr «Vogljodl»-Programm ein. Charlotte Wittmer und Ursina Gregori trugen die witzigen Lieder in gekonnt ausgefeiltem Duett vor und begleiteten sich bei ihren lautmalerischen Gesang eigenhändig auf der Mandolina und der Ziehharmonika.

Die Vögel stehen im Mittelpunkt

Spielort war ein Keller des Takatuka-Areals an der alten Landstrasse. Der Abstellraum der ehemaligen Werkzeugfabrik war vollgestopft mit tausend ausrangierten Dingen. Von diesem alten Kram liess sich die Kapelle Sorelle zu weiteren Spielideen inspirieren. Pantomimisch-wortlos zeigten sie die Vergänglichkeit der Dinge, indem sie die längst aussortierten und verstaubten Objekte mit entschleunigter Poesie für kurze Zeit aus der Dunkelheit in den hellen Fokus einer jeweils ebenfalls alten Lampe stellten.

Animiert von den vogelstimmenjodelnden Country-Sängerinnen und unterstützt durch Regisseur und Ornithologe Nils Torpus erhielten dabei die Vögel eine wichtige Rolle. Zum Freiheitslied «Like A Bird On A Wire» von Leonhard Cohen präsentierten die beiden Frauen eine Reihe ausgestopfter Vögel-Präparate. Dazu passt die mit einem ratternden Kleinbildprojektor filmisch erzählte fantastische Geschichte von den Göttervögeln.

Sie bleiben immer in der Luft. Selbst dass Ei legen sie im Flug. Dabei schwingen sie sich so weit in die Höhe, dass die Sonne das abwärtsfallende Ei ausbrütet. Wenn es auf der Erde aufprallt, geben die Eierschalen ein flügges Küken frei, das sich alsobald ebenfalls in die Lüfte erhebt. Pech nur, wenn die Zeit des freien Falls zu kurz ist, um das Ei vollständig auszubrüten...

Vergessene Gegenstände werden wieder zum Leben erweckt

Ähnlich wie diesen unfertigen Götterküken, ist den ausgestopften Vögeln das Fliegen vergangen. Und im gleichen Sinn haben all die ausrangierten Sachen ihre Bestimmung verloren. Die Gegenstände werden nicht mehr gebraucht, sie sind aber auch noch nicht als Abfall entsorgt oder – weil rar oder wertvoll – weder im Museum oder Antiquariat gelandet.

Mit viel Charme erwecken die zwei Frauen alte Musikabspielgeräte wieder zu einem kurzen Leben. Bei einem Plattenspieler setzten sie eine Nadel auf die LP, nachdem sie die Geschwindigkeit auf 33 Touren eingestellt hatten. Einfacher, doch immer noch von Hand, war der Kassettenrekorder zu bedienen. Einst modern, sind diese Geräte inzwischen vergessen. Gut, dass Wittmer und Gregori den Abend mit ihren natürlichen Gesangsstimmen ausklingen liessen.

Vorstellungen: Jeweils Donnerstag bis Sonntag, 12. bis 15. November und 26. bis 29. November, 20 Uhr/sonntags 17 Uhr. Reservation erforderlich: www.takatuka.ch