Erlinsbach SO

Salt will Antenne im Kirchturm ausbauen – geht der Streit weiter?

Vor zehn Jahren nahm der Mobilfunkkonzern Salt die Anlage im Turm der katholischen Kirche in Betrieb. Nun will er sie auf den neusten Stand bringen. Doch was sagen die Erlinsbacher dazu?

Vor 16 Jahren begann die Geschichte rund um die Mobilfunkantenne im Turm der katholischen Kirche St. Niklaus in Erlinsbach SO. Über sechs Jahre hinweg stritten die Beteiligten. Besonders die Kirchgemeinde wehrte sich gegen das Vorhaben des damaligen Mobilfunknetzbetreibers Orange. «Der Kirchgemeinderat hat nicht kapiert, dass das ein Thema ist, das polarisiert», lautete eine Stimme.

Nach mehreren Schlichtungssitzungen und Gerichtsverhandlungen nahm Orange Ende 2009 die Mobilfunkanlage im Kirchturm in Betrieb. Seither blieb es ruhig. Kirchgemeindepräsident Ernst Fiechter sagt: «In der Zwischenzeit geschah nichts. Alle Erlinsbacherinnen und Erlinsbacher brauchen die Bequemlichkeit der Mobiltelefonie und benutzen die notwendige technische Infrastruktur im Kirchturm.»

Vier weitere Antennen im Kirchturm

Der Mietvertrag mit dem Orange-Nachfolger Salt, der dieser Zeitung vorliegt und von Fiechter unterschrieben ist, läuft bis 2023. Darin ist festgehalten, dass Salt das Recht hat, «auf eigene Kosten und Gefahr, eine Funkanlage zu installieren, zu betreiben, zu unterhalten und im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften zu erweitern». Und gerade Letzteres ist nun geplant: Derzeit liegt auf der Erlinsbacher Gemeindeverwaltung ein Baugesuch auf. Die Bauherrschaft liegt bei Salt. Das Bauvorhaben lautet: «Erweiterung bestehende Mobilfunkanlage im Kirchturm mit vier zusätzlichen Sendeantennen». Einsprachen können noch bis zum Freitag, 23. August, eingereicht werden.

Salt erklärt auf Anfrage den Ausbau der Mobilfunkanlage: «Es handelt sich um eine Umrüstung auf neue Sendeantennen, um das Netz in dieser Gegend für unsere Kunden zu verbessern.» Ob dies mit der geplanten Einführung von 5G in der zweiten Hälfte dieses Jahres zu tun hat, dazu will das Unternehmen keine Angaben machen.

«Widerstand wird sich in Einsprachen zeigen»

Bringt dieses Baugesuch nun wieder Aufruhr in die Gemeinde? Fiechter weicht aus: Er habe an der letzten Kirchgemeindeversammlung über die Pläne von Salt informiert. Da aber ein rechtsgültiger Mietvertrag mit dem Telekommunikationsanbieter bestehe, habe es für die Stimmberechtigten nichts zu beschliessen gegeben. «Widerstand aus der Bevölkerung wird sich in den Einsprachen gegen das Baugesuch zeigen, mit denen habe ich aber nichts zu tun», sagt Fiechter weiter.

Im Jahr 2004 hatte der Erlinsbacher Gemeinderat selbst Einsprache gegen die Mobilfunkanlage erhoben. Gegen das nun aufliegende Gesuch werde der Gemeinderat aber «ziemlich sicher nicht aktiv» werden, teilt Gemeindepräsidentin Madeleine Neumann auf Anfrage mit. «Die Stimmung hat sich seither sicher beruhigt. Dabei hilft natürlich auch der Fakt, dass die Anlage optisch nicht wahrgenommen wird.» Zudem seien die Ängste und Vorbehalte der Mobilfunkantenne gegenüber nicht mehr so stark ausgeprägt wie noch vor 15 Jahren.

Antennen bringen «Konfliktpotenzial mit sich»

Neumann: «Wir vertreten den Standpunkt, dass es sinnvoller ist, die bestehende Anlage aufzurüsten, als eine neue zu bauen.» Bisher seien keine Einsprachen eingegangen.
Die Gemeinde erhält laut der Gemeindepräsidentin häufiger Anfragen von den drei grossen Mobilfunkanbietern in der Schweiz: Die Firmen würden gerne Mobilfunkantennen auf den öffentlichen Gebäuden in der Gemeinde aufstellen. Neumann stellt klar: «Wir wollen das nicht. Diese Vorhaben bringen immer ein grosses Konfliktpotenzial mit sich.»

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