Stüsslingen
Nach Sintflut im Juli: Gemeinde investiert Millionenbetrag

An einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung standen in Stüsslingen die Unwetter vom Juli im Mittelpunkt.

Cyrill Pürro
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Stüsslingen am 26. Juli: Enorme Wassermassen schiessen die Hauptstrasse hinab.

Stüsslingen am 26. Juli: Enorme Wassermassen schiessen die Hauptstrasse hinab.

Andreas Marti

Das dauerhafte Regenwetter vor zwei Monaten traf die Gemeinde Stüsslingen besonders hart. Der Stüsslingerbach trat über die Ufer, flutete die Hauptstrasse sowie anliegende Liegenschaften und beschädigte Autos. Die vorbereiteten Schutzmassnahmen wie das Auftürmen von Sandsäcken wirkten nur wie ein Tropfen auf den heissen Stein. Einsatzkräfte vor Ort konnten nicht verhindern, dass Wasser und Schlamm in einzelne Quartiere drangen und unter anderem den Dorfladen fluteten. Auf den Felder kam es vereinzelt zu Murgängen, die ins Dorf drangen.

Stüsslingens Gemeindepräsident Georges Gehriger kommentierte die Sintflut gegenüber dieser Zeitung in der damaligen Ausgabe wie folgt:

«Zusammen mit den Neumassnahmen für künftige Unwetter kosten uns die Schäden bestimmt ein bis zwei Millionen Franken.»

Um den Einwohnerinnen und Einwohnern die entstandenen Folgekosten des Unwetters darzulegen und den benötigten Kredit absegnen zu lassen, hat der Gemeinderat in der Mehrzweckhalle Stüsslingen eine ausserordentliche Gemeindeversammlung einberufen, die letzten Freitag stattfand.

Gemeindepräsident Georges Gehriger

Gemeindepräsident Georges Gehriger

Cyrill Pürro

Stüsslingen weist «Rekordniederschlagsmenge» auf

An der Versammlung wurde der Bevölkerung eine detaillierte Unwetterübersicht gezeigt. Diese beinhaltete eine Dokumentation von Drohnenfotos, die das Wasser auf Strassen, Wegen und Feldern von oben zeigt sowie eine Darstellung der Niederschlagsmenge zur Zeit des Unwetters. Die Messinstrumente hielten einen Rekordniederschlag fest. Es handelt sich um 55 Liter pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde, wie aus einem Bericht der ausserordentlichen Gemeindeversammlung hervorgeht. Die erste Reparationsmassnahme sei, die betroffenen Flurwege wieder instandzustellen. Der dazu benötigte Betrag von 220 000 Franken wurde von allen 36 in der Mehrzweckhalle anwesenden Stimmberechtigten angenommen. Beim Kanton Solothurn wurde bereits ein Beitragsgesuch eingereicht.

Folgetraktandum führte zu «vertieften Diskussionen»

Uneinig war sich das Stimmvolk bei der Frage zu einer Erhöhung der Konzessionsabgaben. Schon vor dem Unwetter sei der Gemeinde klar gewesen, dass für die steigenden Kosten, die vor allem den Sektor «Bildung und Soziales» betreffen, Mehreinnahmen generiert werden müssten und dass dafür Lösungen gefragt seien. Die Ereignisse vom Juli und die dabei entstandenen Mehrkosten von insgesamt 1,2 bis 2 Millionen Franken zwangen den Gemeinderat «kurzfristig nach Lösungen zu suchen», wie aus dem Communiqué der Gemeindeschreiberei hervorgeht.

Nun schlug er dem Stimmvolk eine Erhöhung der Konzessionsabgabe auf 1.5 Rappen pro Kilowattstunde in beiden Ortsteilen (Stüsslingen von 0.66 und Rohr von 0.85 auf 1.5 Rappen) vor. Der Gemeinderat ist der Meinung, die Erhöhung sei für die Bevölkerung im Detail betrachtet «gut tragbar». Eine Einwohnerin berechnete an der Versammlung, was die Kostenerhöhung für ihren Vierpersonenhaushalt bedeuten würde und kam auf Mehrkosten von rund achtzig Franken pro Jahr.

«Andere wünschten, dass mit der Erhöhung gewartet wird, bis der Gemeinderat dem Volk das Budget von 2022 vorlegt»,

wie Daniela Eugster von der Gemeindeschreiberei auf Anfrage erklärt. Die Erhöhung der Konzessionsabgabe wurde mit 23 zu 10 Gegenstimmen angenommen. Es gab drei Enthaltungen.

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