Hätte sich Paul Koch beim Sammeln wie sein Vater auf Briefmarken beschränkt, wäre alles einfacher gewesen. Dann hätte er heute nicht 350 Quadratmeter in der alten Bally-Näherei, die er räumen müsste. Doch «wie der Ätti» nur Briefmarken sammeln, kam für Paul Koch, der in Erlinsbach aufgewachsen war, nicht infrage. «Ich habe einfach Freude an allem, was alt ist», sagt er und strahlt.

Auf der Suche nach mehr Platz für seine Sammelleidenschaft zog er in ein Bauernhaus nach Walterswil. Koch (72) war selbstständiger Bauunternehmer und baute das Haus nach den Bedürfnissen von Familie und Sammlung um. Als er mit seiner Frau in eine Wohnung in Schönenwerd zog, erhielten seine Trouvaillen ein eigenes Domizil. Im oberen Stock der ehemaligen Näherei riecht es nach altem Holz, doch der typische Brockenstube-Mief fehlt.

Kleider gibt es keine, dafür Regale mit seltsamen Gerätschaften, altertümliche elektrische Apparate und viele Dinge in tarngrün. Eigentlich mehr Museum als Brockenstube. «Ich habe alles gekauft, weil es mir gefallen hat.» Handel zu betreiben, war nie seine Absicht gewesen. «Das ist keine normale Brocki, ich habe schliesslich auch keine Preise aufgeklebt», sagt Koch. Sein Lagerraum ist eigentlich ein überdimensionierter Setzkasten.

Sammeln statt handeln

«Meine Frau sagt, dass ich nicht 100 Prozent, sondern 200 Prozent spinne», sagt er. Doch sie hat ihren Mann nie davon abgehalten, die Samstage auf Flohmärkten zu verbringen. So hat Koch viele Gleichgesinnte kennen gelernt und auch mal ein Stück weiterverkauft oder getauscht. «Wenn ich merke, dass jemand an etwas Freude hat, dann verkaufe ich gern», sagt er.

Aber für seine Lieblingsstücke müsse er wissen, dass sie in gute Hände kommen. Am Samstag hat er sich mit Gleichgesinnten in seiner Brocki getroffen. Seine engsten Freunde hat er ebenfalls auf Flohmärkten gesammelt. Seit dem Beginn seiner Sammelleidenschaft sind über 50 Jahre vergangen. Seine Kollegen haben ihm geraten, doch jetzt langsam aufzuhören. «In schwachen fünf Minuten habe ich den Raum gekündet.» Die richtige Entscheidung, doch sie hat ihn Überwindung gekostet. Während er durch seine Brocki spaziert, blickt er sich immer wieder um und sagt: «Jo, jetz».

Vor einem Regal bleibt er stehen. Silberne Kännchen mit vielen Rohren. Antike Kaffeemaschinen? «Das sind Inhalatoren», erklärt Koch. Medizinische Utensilien haben es ihm angetan, er besitzt auch ein Hörgerät aus den 30er-Jahren und ein altes Zahnmodell aus Gips. Unter den Inhalatoren liegen Rasiermesser in ihren Schachteln. «Die Aufschriften haben mir immer so gefallen.»

Die Messer gehören zu den kleinsten Objekten in Kochs Sammlung. Er besitzt viele massive Stücke, bei denen er sich gern die Mühe nahm, sie die Treppe hoch zu schleppen. Ein gut erhaltenes Schulpult – «vom Grümpu-Sepp auf dem Brünig» – steht in einer Ecke neben einem Schreibtisch, der 1947 in der Post in Hochdorf stand. Am Boden liegt – in zwei Teilen – ein riesiges Holzkreuz. «Ich habe einmal eine Kapelle gekauft», sagt Koch beiläufig. Mit dem Kreuz, den Scheiben, den Bänken. Er muss lachen, als er daran denkt, wie ein Freund das Kreuz auf der Schulter aus der Kapelle getragen hat.

Er sammelt nicht aus Verzweiflung, klammert sich nicht an die Vergangenheit. Paul Koch weiss zu jedem Ding eine Geschichte, erzählt ohne Verklärung oder Glorifizierung. Einfach aus Freude an den alten Sachen, die er nun verkaufen will. «Jo, jetz.» Bis Ende November hat seine Brocki an der Bahnhofstrasse 19 in Schönenwerd jeden Samstag geöffnet. Ab neun Uhr wird er dort sein, gespannt auf die Leute, die seine Faszination teilen.

Wer sich in ein Stück verliebt, der tut gut daran, mit Paul Koch ein bisschen zu plaudern. Das schätzt er mehr als jeden Franken, den er einnehmen wird. Die Trennung von seinen Sammlerstücken werde noch oft wehtun. Doch ein Lichtblick bleibt. «Ich werde nach wie vor auf Flohmärkte gehen. Das lasse ich mir nicht nehmen.» In Zukunft dürfe er einfach nur noch ganz kleine Sachen kaufen.