Kultur
«Chäch und stolz wie Föhreholz»: Der Jodlerklub spielte in der Schützi

Als erster Jodlerklub überhaupt lud der Jodlerklub Olten in die Schützi. Sein Abend war ausverkauft; nicht selbstverständlich für dieses Genre.

Urs Huber
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23.10.2021 : Jodlerabend am 23. Oktober 2021 im Kulturzentrum Schützi in Olten. Alphorntrio Echo vom Born.

23.10.2021 : Jodlerabend am 23. Oktober 2021 im Kulturzentrum Schützi in Olten. Alphorntrio Echo vom Born.

Patrick Luethy

Zum Schluss so quasi die Nationalhymne der Jodlerinnen und Jodler: «E gschänkte Tag» von Adolf Stähli. Wer sich berufen fühlte, machte sich auf den Weg hin zur Bühne, um im Gesamtchor mitzuwirken. Dem Stück, das zu steter Zuversicht und Optimismus mahnt, hatte sich selbst Polo Hofer selig seinerzeit angenommen.

«Das Lied gehört einfach dazu», sagt der Tischnachbar in der proppenvollen Schützi, wohin der Jodlerklub Olten am Samstag geladen hatte. Äusserst erfolgreich notabene, wie der Gästeaufmarsch bewies. 210 Tickets gingen offiziell über den Tresen. «Ausverkauft» – die Etikette des gut zweistündigen Abends. Trotz oder vielleicht gerade wegen Corona.

Dabei hatten nur zertifizierte Gäste Zutritt, Billette waren ausschliesslich im Vorverkauf zu bekommen.

Es blieb nichts unversucht, den Abend durchzuführen

Die Gastgebenden nämlich fanden keinen Platz an den gedeckten Tischen und sassen in den Auftrittspausen auf seitlich platzierten Bänken. «Wir haben nichts unterlassen, um den Anlass durchführen zu können», betonte Vereinspräsident Roland Rötheli. Der Publikumsaufmarsch sei eine wahre Freude. Vor diesem Hintergrund wirkte die Passage aus dem ebenfalls präsentierten Jodellied «So weimer si» wie massgeschneidert: «Chäch und stolz wie Föhreholz» nämlich. Zudem, so der Präsident, lade erstmals ein Jodlerklub in die Schützi .

Nun, der Abend bot noch eine weitere Premiere. «Erstmals gehört auch eine kleine Theatersequenz zum Programm», meinte Rötheli. Der Schwank (Richter und Vagabunden), in welchem drei Vagabunden mit unerlaubtem Aufenthalt in Olten richterliche Fragen mit allerlei volksnahen Gassenhauern träf beantworteten, war eigentlich eher ein Musical light. Das Publikum jedenfalls hatte seine helle Freude daran.

Überhaupt wirkte das ganze Setting abwechslungsreich. Fast zu variabel. Das virtuose Quartett Chutzeflue sorgte für Ouvertüre und Reprise nach der Pause, das Alphorntrio Echo vom Born ebenso für Intermezzi wie das von Priska Herzog instrumental einfühlsam begleitete Duett Cony Bleuer und Maggie Buffat. Da mögen manche den Umstand bedauert haben, dass der Jodlerklub Olten zu lediglich vier eigenständigen Auftritten kam.

Für Ursula Oegerli, Leiterin des Ensembles, unter den aktuellen Bedingungen keine Überraschung.

«Man muss bedenken, dass die Pandemie unseren Probekalender sehr beeinflusst hat, wenn denn Proben überhaupt möglich waren.»

Zudem wären 12 Jodlerinnen und Jodler erstmals aktiv bei einem Jodlerabend dabei gewesen. Vom Auftritt der Ihren zeigte sie sich befriedigt. Natürlich werde man bei der nächsten Zusammenkunft über die Präsentation reden. Das sei immer so: Einem Auftritt folge die Nachbetrachtung. «Ich glaube, wir haben unsere Bestes gegeben.»

Vor allem Männer sind gesucht

So weit, so gut also. Bei allem Optimismus aber, den Jodlerinnen und Jodler zu versprühen verstehen: Einen Mangel an Nachwuchs beklagen sie fast alle. Hauptsächlich fehlt es an Männerstimmen. So war auch der Aufruf von Roland Rötheli zu verstehen, der in seinen Dankesworten speziell an die Männer appellierte, doch mitzutun. Oder allenfalls geneigte Bekannte zu solchem anzuregen.

Aber so schlimm wird’s wohl nicht stehen, denn wie sangen sie doch am finalen Gesamtchor: «Wenn der Himmel voller Wulche steit, git es Tage, wo di nüt me freut. De vergiss im Läbe nie, dass alli Wulche witerzie.»