Amtsgericht Olten-Gösgen

Missbrauchte der Götti sein Patenkind? – «Sie war traurig und ich habe sie getröstet»

Im Haus des Göttis soll es zu sexuellen Handlungen mit dem Patenkind gekommen sein. Symbolbild: Hanspeter Bärtschi

Im Haus des Göttis soll es zu sexuellen Handlungen mit dem Patenkind gekommen sein. Symbolbild: Hanspeter Bärtschi

Vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen musste sich ein 51-jähriger Mann verantworten, der sich an seinem Patenmädchen sexuell vergangen haben soll. Der hoch verschuldete Mann soll das Kind mit kostspieligen Geschenken zum Schweigen veranlasst haben.

Hat der Götti mit seinem Patenkind sexuelle Handlungen vollzogen oder nicht? Unter anderem mit dieser Frage hatte sich das Amtsgericht Olten-Gösgen unter der Leitung von Präsident Pierino Orfei am Donnerstag auseinanderzusetzen. Dem aus der Region stammenden Mann wird unter anderem vorgeworfen, das Mädchen sexuell genötigt sowie auch sexuelle Handlungen mit ihm vorgenommen zu haben. Weiter soll der Beschuldigte Tabak und Alkohol an Kinder verabreicht haben.

Zugetragen haben sollen sich die meisten dieser Ereignisse im Oktober 2011. Das Patenkind hatte Herbstferien und besuchte seinen Götti in dessen Haus, wie es dies damals regelmässig tat. Im Rahmen dieses Besuches soll es zu den sexuellen Handlungen gekommen sein. Konkret lautet der Vorwurf an den Beschuldigten, versucht zu haben, seinem Göttikind einen Zungenkuss zu geben. Das Mädchen umarmt und auch auf den Mund geküsst zu haben. Dies stellte der zu jenem Zeitpunkt an Alkoholsucht Leidende nicht infrage. «Aber einfach, um Hallo zu sagen», erklärte der heute 51-Jährige dieses Verhalten. Probiert zu haben, dabei mit seiner Zunge in den Mund des Mädchens einzudringen, stritt der Beschuldigte hingegen ab.

Ebenfalls in diesem Herbst soll es mehrfach zu sexuellen Handlungen zwischen den beiden gekommen sein. Als der Angeklagte das Mädchen auf einem Bett liegend vorfand, so der Vorwurf, habe er sich zu ihm gelegt und angefangen, es manuell zu befriedigen. Daran habe das Opfer Gefallen gefunden, worauf es «den Beschuldigten gewähren liess», wie es in der Anklageschrift heisst.

Er habe sie nur trösten wollen

Zu weit ging dem Mädchen jedoch die Handlung, die der Beschuldigte anschliessend vorgenommen haben soll. Der Versuch, in das Mädchen einzudringen, verursachte diesem Schmerzen, worauf es den Beschuldigten gemäss Anklageschrift von sich wegstiess und aus dem Zimmer eilte.

Auch diesen Vorwurf wies der Angeklagte zurück. Er habe sich nicht zu seinem Göttikind ins Bett gelegt, sondern sei lediglich auf den Bettrand gesessen. «Sie war traurig und ich habe sie getröstet.» Zu jener Zeit sei es zwischen den Eltern des mutmasslichen Opfers oftmals zu Streit gekommen, worüber das Kind jeweils betrübt gewesen sei.

Geschenke als «Schweigegeld»?

Diskutiert wurde im Verlauf der rund achteinhalbstündigen Verhandlungsrunde auch die Frage, welche Rolle den Geschenken zukommt, die der Beschuldigte im und um den fraglichen Zeitraum seinem Göttikind gemacht hat. Dienten sie als eine Art Belohnung? Handelte es sich um «Schweigegeld»?

Eine damalige Schulfreundin des Mädchens, die als Zeugin vernommen wurde, gab an, sich an entsprechende Äusserungen ihrer Kollegin erinnern zu können. «Was meinst Du, woher ich mein iPhone und meinen Flachbildfernseher habe?», soll das Göttikind seine Freundin einmal auf eine mögliche sexuelle Beziehung zu ihrem Paten hingewiesen haben.

Dieses iPhone – samt Handyvertrag – habe der Beklagte dem Mädchen unter anderem deshalb geschenkt, weil er sich damit bei ihm bedanken wollte. Aufgrund seiner Alkoholsucht habe er seine eigenen zwei Söhne vernachlässigt, das Göttikind habe ausgeholfen.

Dass sich der Mann trotz privater Schulden von rund 150 000 Franken dazu entschied, dem Göttikind ein Handy mit Vertrag im Gesamtwert von ca. 1000 Franken zu spendieren, rief beim Gericht Skepsis an dessen Begründung hervor.

Unter anderem aufgrund neuer Beweismassnahmen musste die Verhandlung auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Sie wird voraussichtlich 2017 weitergeführt.

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