Olten
Start in die Poetry-Slam-Trilogie: Daniel Wagner holt sich den ersten Whisky

Beim Oltner Dichterwettstreit «laut & deutlich» gewinnt der Heidelberger den Start der Trilogie in der Schützi. Der Slam bot den Besucherinnen und Besuchern absurde Textrahmen, gute Stimmung und groteske Geschichten.

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Daniel Wagner überzeugte das Publikum mit seinem Auftritt.

Daniel Wagner überzeugte das Publikum mit seinem Auftritt.

Zvg/Dieter Graf

Das Publikum war vergangenen Freitag dankbar, mit dem Start der 15. Poetry-Slam-Trilogie «laut & deutlich» der Oltner Plattform für Kunst & Kultur, kurz art i.g., endlich wieder einem Dichterwettstreit beizuwohnen. So war die Oltner Schützi gut gefüllt, als der Abend von «Lamparter & die Unruhestifter» mit Mundartsongs eingestimmt wurde, bevor das Moderationsduo Fabi N. Käppeli und Kilian Ziegler die Trilogie eröffnete. Es wurde ein sehr vielfältiger Abend des gesprochenen Wortes mit unterschiedlichsten Niveaus, Formen und Themen.

Christine Fritz aus Freiburg im Breisgau auf dem ersten Startplatz präsentierte, sichtlich nervös, einen vielschichten Text in einer Mischung von Fantasy und geschlechterpolitischen Aussagen, welcher im Publikum wenig Anklang fand. Ihr folgte die Baselbieterin Rahel Gugelmann, welche über das Kindheitstrauma Blockflötenunterricht in Reimform sprach.

Mit dem Schaffhauser Diego Häberli, welcher seit einiger Zeit in Olten lebt, kam erstmals richtig Stimmung auf. Sein absurder Textrahmen, verwoben mit politischen und gesellschaftskritischen Aussagen, beflügelte auch den ihm folgenden jungen Berner Samuel Richner. Bei ihm gingen die Noten ebenfalls in die Höhe.

Von diesem Zeitpunkt an, wurden die Poetinnen und Poeten vom Publikum getragen – die Vielseitigkeit des Slams wurde mit Begeisterung belohnt. So wurden Texte in Mundart oder Hochdeutsch präsentiert, welche vom Scheitern im Job und Leben oder dem Kleiderstil junger Hipsters handelten. Auch eine Performance mit Liedbezügen als Hommage an Mani Matter wurde gezeigt.

Daniel Wagner gewinnt den ersten Poetryslam der Trilogie "laut & deutlich" des Jahres 2021/22

Daniel Wagner gewinnt den ersten Poetryslam der Trilogie "laut & deutlich" des Jahres 2021/22

Zvg/Dieter Graf

Beim Publikum kamen speziell die Texte sehr gut an, welche aus dem Alltag gegriffen waren. So etwa die Betrachtung des Lebens aus der Sicht eines 25-Jährigen oder die Schilderung von Daniel Wagner aus Heidelberg, welcher über die Corona-Entschädigung von Slammern und Kleinkünstlern in Deutschland sprach.

Gleichzeitig war die Zuhörerschaft auch offen für den absurden Dialog von drei Personen, in grandioser Performance des Flawilers Sven Hirsbrunner oder dem schwarzen Humor des Frauenfelders Klaus Estermann mit der Aussage eines Henkers: «Ig ha doch nur mi Job gmacht». Die Vorrunde fand mit dem ruhigen und sensiblen Text der jungen Zürcherin Nadja Hort den Abschluss. Es wurde bestätigt, dass auch solche Vorträge zu positiver Resonanz und guten Noten führen können.

Drei Männer machten den Sieg unter sich aus

Samuel Richner.

Samuel Richner.

zvg / Dieter Graf
Diego Häberli.

Diego Häberli.

zvg / Dieter Graf

Die Finalrunde wurde von Samuel Richner, Diego Häberli und Daniel Wagner ohne weibliche Vertretung ausgemacht. Jeder Poet konnte an seinen guten Text der Vorrunde anknüpfen, gepaart mit souveräner Präsentation. Häberli erzählte von Herr und Frau Olten und den Stadtschafen; der Berner Richner verarbeitete seine Erlebnisse in der Rudolf-Steiner-Schule. Wagner schaffte es, mit einer Verknüpfung von Erlebnissen in der Urologieabteilung über das Planetensystem zu sehr klaren und wichtigen Aussagen zur Rolle der Frau in der katholischen Kirche zu leiten. Sein Wortfeuerwerk führte zum Sieg. Es freut die Veranstalter, dass alle drei Finalisten am zweiten Poetry-Slam der Trilogie vom 7. Januar 2022 dabei sind. (rva)

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