Schützi Olten
Poetry-Slam-Trilogie «laut & deutlich»: Daniel Wagner holt sich den Saisonsieg und steigt in die «Hall of Fame» des Oltner Slams auf

Die 15. Poetry-Slam-Trilogie des Vereins art i.g. hat ihren Abschluss gefeiert. Das Publikum erlebte in Olten ein Feuerwerk des gesprochenen Wortes und genoss den Anlass sichtlich. Den Abendsieg konnte der Thuner Michael Frei nach Hause holen.

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Daniel Wagner sicherte sich den Saisonsieg.

Daniel Wagner sicherte sich den Saisonsieg.

zvg / Dieter Graf

Gut gefüllt war die Schützi am Freitagabend, und es lag eine tolle Stimmung im Raum. Diese wurde durch Eli Wolff, Musikerin des Abends, mit gefühlvollen Covers zusätzlich unterstützt. Die Oltner Sängerin und Pianistin schuf schnell den Bezug zum Publikum und konnte auch während des Slams mit ihren Jingles geschickt die Themen der Texte aufnehmen und passend interpretieren.

Das angekündigte Teilnehmerfeld erfuhr aufgrund Krankheitsabsenzen ein paar Veränderungen. So sprang kurzfristig Gregor Stäheli als Co-Moderator von Kilian Ziegler ein und performte zum Start des Abends einen Text über Streitlust.

Ernste Themen

Der Kabarettist und mehrfache Slammeister Christoph Simon eröffnete den Wettbewerb mit einem ernsten Text über den Krieg in der Ukraine und zeigte, dass die Slamszene aktuelle Themen schnell aufnimmt und die Bühne für wichtige, politische Aussagen nutzt.

Die einzige Frau des Abends war Sarah Altenaichinger, sie performte einen komplexen Dialog über zwei Stimmen in ihrem Kopf. Es folgten Texte über Kleinkrieg im Quartier, Familiensituationen oder dem Warten im Sozialamt.

Michael Frei sicherte sich schon früh hohe Punktzahlen.

Michael Frei sicherte sich schon früh hohe Punktzahlen.

zvg / Dieter Graf

Früh sicherte sich Michael Frei mit seinem Text hohe Punktzahlen und den Finaleinzug. Er wurde nur vom Heidelberger Daniel Wagner mit seinem Text über Schwangerschaft und Geburt geschlagen, das Wortfeuerwerk Wagners brachte die Stimmung in der Schützi zum kochen.

Daniel Wagner imponierte mit seinem Wortfeuerwerk dem Publikum.

Daniel Wagner imponierte mit seinem Wortfeuerwerk dem Publikum.

zvg / Dieter Graf

Lukas Becker folgte mit einen Wuttext in Reimform, der ihm ebenfalls den Finaleinzug sicherte. Die Vorrunde zeigte die Bühnenpoesie in seiner grossen Vielfalt. Der junge Berner, Samuel Richner, der es am ersten Trilogieslam noch ins Finale schaffte, konnte erneut mit einem philosophischen Text hohe Punktzahlen holen.

Und auch der letztmalige Sieger Remo Zumstein präsentierte eine neue Form seiner Texte mit einem vermeintlichen Beziehungstext, der mit Fremdwörtern gespickt war und sich am Schluss als Dialog eines Kindes mit seiner Mutter entpuppte.

Improvisation mit schönen Bildern

Die Finalrunde eröffnete Michael Frei mit einem humorvollen Text. Seine Erzählung über die Hochzeit seiner Exfreundin und den kleinen Hindernissen des Alltags schloss mit «man soll sich mehr über die kleinen Sachen im Leben freuen».

Wagner knüpfte an seinen ersten Text an und beantwortete dem Publikum die Frage «Wie entsteht ein Slamtext?». Seine Improvisation mit schönen Bildern, wie der Poet von der Muse geküsst wird und erst in der Knutscherei mit der Muse die guten Sätze entstehen, bis zur Analogie von Textentstehung und Geburt, überforderte in Teilen aufgrund der hohen Geschwindigkeit.

Becker schloss mit einem ernsten Text ab. Seine zufällige Begegnung im Alltag mit einem jugendlichen Süchtigen und dessen traurige Geschichte im Zeitstrahl zurück zur Kindheit bildete einen ruhigen, berührenden Abschluss.

Applaus für Michael Frei.

Applaus für Michael Frei.

zvg / Dieter Graf

Die Schlussabstimmung konnte Michael Frei aus Thun für sich entscheiden und Pokal und Whisky in die Höhe stemmen. Die Punktewertung aller drei Slams der Saison sicherte sich – durch seine konstante Leistung – Daniel Wagner.

Somit steigt der Heidelberger in die «Hall of Fame» des Oltners Slams auf und reiht sich zu Namen wie Hazel Brugger, Kilian Ziegler, Renato Kaiser oder Christoph Simon ein. (rva)

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