Konzertsaal
Bariton Matthias Goerne: Ein Weltstar macht Zwischenhalt in Olten

Mit klassischen Liedern, begleitet von der Amsterdamer Camerata RCO, begeisterte der deutsche Bariton das Oltner Publikum.

Peter Kaufmann
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Bariton Matthias Goerne und das Kammerorchester Camerata RCO gastierten im Konzertsaal Olten.

Bariton Matthias Goerne und das Kammerorchester Camerata RCO gastierten im Konzertsaal Olten.

zvg

Musikmetropole Olten: Bariton Matthias Goerne und sein Begleitensemble, die Camerata RCO, gastieren normalerweise auf den grossen Bühnen und in den berühmtesten Konzertsälen dieser Welt. Ganz scheint dies das Oltner Publikum nicht begriffen zu haben, blieben doch einige Plätze leer. Oder liegt es daran, dass man nun sinnvollerweise im Kampf gegen Corona auch im Konzertsaal Maske zu tragen hat?

Ungewöhnlicher Klang

Der 54-jährige Matthias Goerne ist nicht nur ein Opernstar, sondern gilt als einer der besten Liedersänger unserer Zeit. Normalerweise tritt er mit Klavierbegleitung auf, wie das meistens üblich ist. Auf seiner kleinen Wintertournee lässt er sich jedoch von einem Kammerorchester begleiten – und dann noch grad von einem der besten überhaupt.

Alle elf Musiker der Camerata RCO gehören zum berühmten Amsterdamer Royal Concertgebouw Orchestra und bestreiten neben ihrer Orchestertätigkeit jährlich gut 50 Auftritte in der kleinen Kammerformation. Der Pianist Alexander Schmalz, der sonst Goerne öfters am Klavier begleitet, arrangierte für das Amsterdamer Kammerorchester Arrangements das romantische Liedguts neu und moderner. Er wählte zudem eine ausserordentliche Besetzung. Den fünf Streichern standen fünf Blasinstrumente gegenüber und für einen ganz besonders originellen Klang sorgte zudem eine Akkordeonistin!

Stimme ist Teil des Sounds

In den ungewöhnlichen, aktuellen Sound des gut eingespielten Ensembles fügte sich die eindrückliche Stimme Goernes ein: Mit überraschend dunklen Tiefen, kräftigen, Wagner gestärkten Mittellagen und den am Anfang des Abends eher etwas zaghaft eingesetzten hohen Tönen, die aber im Laufe des Konzerts immer heller und klarer ertönen. Da ist es nicht so wichtig, dass nicht jedes Wort zu verstehen ist. Das Publikum hätte jedoch gerne die Gedichte und Verse von Schiller, Goethe, Mörike, Uhland und andern klassischen Dichterfürsten im Programmzettel nachgelesen – vielleicht ein andermal.

Ein Abend des Liedes

Der Liedteil war ausschliesslich den wundersamen, aber eben heutiger arrangierten Liedkompositionen von Johannes Brahms, Franz Schubert, Robert Schumann und Hugo Wolf gewidmet. Die zeitlosen Motive der Gedichte werden musikalisch umgesetzt, vorab werden Gefühle wie etwa die Sehnsucht nach dem warmen Süden beschrieben, sehr oft auch Naturereignisse: Kalte Nebel drücken ins Tal, Wolken ziehen vorüber, der Mond wird besungen, eine Liebesbotschaft verschickt oder eine Abendstimmung beschworen, Frühling, Sommer, Herbst fliessen vorbei, kurz das gesamte Repertoire an Empfindungen und Stimmungen, die in der Musik der Romantik so vortrefflich nachempfunden werden konnten. Erstaunlicherweise ist diese Thematik, die empfindsame und einfühlsame Auseinandersetzung mit der Natur, bis heute in vielen esoterischen Gedanken aktuell geblieben.

Orchestrale Zwischenstücke

Zwischendurch spielte die Camerata RCO aber auch Orchesterstücke und interpretierte dabei meisterhaft modernere Kompositionen wie etwa die vier Miniaturen op. 75a von Antonin Dvořák oder die imposanten, eingängigen Alt-Ungarischen Ballsaal-Tänze von György Ligeti.

Passenderweise aber begann der Konzertabend mit der Italienischen Serenade in G-Dur des Spätromantikers Hugo Wolf. Und mit einem weiteren Werk dieses Komponisten endete das Konzert: Die Camerata RCO begleitete den Baritonsänger, der wunderschön und temperamentvoll, mit wiegenden Bewegungen Wolfs gefühlvolle Vertonung des Goethe-Gedichtes «Anakreons Grab» («Wie die Rose hier blüht») vortrug. Ein passender Abschluss, stammt Matthias Goerne doch aus der Goethe- und Schillerstadt Weimar.

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