Wangen bei Olten
Die Passionsgeschichte an acht Bildschirm-Stationen erzählt

Ein Blick hinter die Kulissen der Aufnahmen zur «Corona Passion» – der Film ist Ende März in der reformierten Kirche Wangen bei Olten zu sehen.

Hans Peter Schläfli
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Rafael Luca Oliveira bei den Aufnahmen seiner Darstellung des verzweifelten Petrus.

Rafael Luca Oliveira bei den Aufnahmen seiner Darstellung des verzweifelten Petrus.

Bild: Hans Peter Schläfli

Ursprünglich hätte über Ostern wie schon 2018 wiederum die Teufelsschlucht zur imposanten Bühne für die Aufführung der Passionsgeschichte werden sollen. Aber in Zeiten, in denen nichts mehr normal ist, muss sich auch der für seine Ideen bekannte Pfarrer Bruno Waldvogel selber übertreffen und sich etwas neues ausdenken. So verlegte er den Passionsweg aus der Teufelsschlucht zurück in die reformierte Kirche von Wangen bei Olten. Er taufte das diesjährige Schauspiel «Corona Passion». «Corona ist lateinisch und bedeutet Krone oder Kranz», zieht Waldvogel die Parallele zwischen dem neuen Virus und der überlieferten Dornenkrone, die Jesus am Kreuz tragen musste.

Das Studio im Keller wurde notdürftig improvisiert, aber dadurch sollte man sich nicht täuschen lassen. Hier sind echte, bestens eingespielte Profis am Werk. Und zwar sowohl hinter als auch vor der Kamera. Pfarrer und Produzent Bruno Waldvogel hat früher selber im Metier Film und Fernsehen gearbeitet, sein Sohn Nicolas hat in London visuelle Kunst studiert. Und auch die Schauspieler verstehen ihr Handwerk. «Und dann hat der Hahn gekräht», ruft Petrus total aufgewühlt, nachdem er Jesus dreimal verraten hatte. Die Emotionen springen augenblicklich auf die Zuschauer über. «Für mich ist es wichtig, die Person zu verstehen, die ich darstelle», erklärt Rafael Luca Oliveira seine Herangehensweise an die Figur. «Petrus ist von sich selber enttäuscht und verzweifelt. Dieses Gefühl muss ich in mir selber suchen und es verkörpern.»

Die Videosequenzen werden durch die Luzerner Firma B+T Bild+Ton aufgearbeitet und auf lebensgrossen Bildschirme im Hochformat dargestellt. «Der Zuschauer bekommt den Eindruck, einer echten Person gegenüber zu stehen», verspricht Waldvogel. Das Prinzip: «Man kommt immer zu spät. Jesus wird man nicht begegnen, man hört immer die Aussagen der Augenzeugen.»

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Mehrere Gruppen können in der Kirche unterwegs sein

Es sei eine sehr einfache Darstellung vor schwarzem Hintergrund. «Das hat den Vorteil, dass die Zuschauer nicht abgelenkt werden und sich ganz auf die Geschichte konzentrieren können», sagt Waldvogel. Die Koordination der Bildschirme in den acht Stationen wird durch Infrarotsensoren gesteuert. Den Ton hört jeder Zuschauer individuell über einen Kopfhörer. Das macht es möglich, dass gleichzeitig mehrere Kleingruppen im Labyrinth in der Kirche auf dem halbstündigen Rundgang unterwegs sein können.

Das Schauspiel hält sich weitgehend an die überlieferte Ostergeschichte, aber es werden auch aktuelle Bezüge zur jetzigen Krise hergestellt. Da stellt sich die Frage, welche grundsätzliche Bedeutung die Reformierte Kirche dem Coronavirus gibt. Wird er als eine Strafe Gottes hingenommen? «Ich kann nicht für die Kirche sprechen, aber meine persönliche Meinung sage ich gerne», meint Pfarrer Waldvogel. «Ich sehe den Virus nicht als eine Strafe, sondern als eine Chance, inne zu halten und unseren Lebensstil zu überdenken.»

Waldvogel: Für Menschen weiterhin da sein

Die Kirche müsse sich an die Vorgaben des Staates halten und die Regeln und Gesetze befolgen. «Ich finde, wir geben der Krankheit eine zu grosse Bedeutung. Früher lag die Entscheidung über den Tod in Gottes Hand. Der Glauben hilft uns, den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren.» Bruno Waldvogel findet, dass die Kollateralschäden unterschätzt werden.

«In der materialistischen Welt will der Staat den Tod um jeden Preis zu verhindern. Aber was tun wir einem Kind an, dem wir ihm zu verstehen geben, dass es eine Gefahr darstellt, dass es seine Grosseltern umbringt, wenn es sie umarmt? Das ist doch schrecklich für ein Kind.» Die Seelsorge dürfe sich nicht einfach in die Isolation zurückziehen. «Die Menschen vereinsamen und verzweifeln durch den Lockdown. Für diese Menschen müssen wir weiterhin da sein und dabei immer abwägen, was noch geht und was nicht.»

Für den kostenlosen Rundgang in Vierergruppen durch die «Corona Passion» stehen vom 22. bis 27. März ganztags Zeitfenster zur Verfügung. Anmeldungen werden über die Website in einem Onlineformular entgegengenommen.

Hinweis Weitere Informationen und Anmeldung: www.ref-olten.ch

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