Persönlich
Richtig und falsch

Urs Huber
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Mathematik: Da fehlt dem Autor die «Lichtflut der Souveränität».

Mathematik: Da fehlt dem Autor die «Lichtflut der Souveränität».

zvg

Kürzlich bin ich über Zeilen aus der Gedankenwelt Heinrich Federers (1866 - 1928) gestolpert. Der längst vergessene Schriftsteller und Pfarrer nämlich schrieb: «Immer wenn ich an der Urne stehe, so weiss ich allemal vor Feierlichkeit kaum den Abstimmungszettel in den Umschlag zu stecken und finde vor der Lichtflut der Souveränität, in der ich erstrahle, fast die Spalte der Stimmschachtel nicht.»

Seine Gedanken rühren mich. Hin und wieder nämlich erlebe ich, mit welcher Seriosität sich vor allem junge Wählende vor Abstimmungen und Wahlen um die anstehenden Themen kümmern. Tagelang sinnieren sie über Botschaften, fragen rum, lesen Slogans, studieren Kernbotschaften und diskutieren Stossrichtungen. Ich kann mir oft gar nicht vorstellen, dass sie einer anspruchsvollen Mathematikaufgabe mehr Aufmerksamkeit schenken denn ihrem eigenen auszufüllenden Stimm- und Wahlzettel.

Ich habe weder Abstimmungen noch Wahlen je als analytischen Mehrkampf verstanden; Mathematikaufgaben schon. Vielleicht deshalb, weil bei Erstem auch die Minderheit ein bisschen recht hat. Bei der Mathematikaufgabe aber ist die Lösung richtig oder falsch. Und glauben Sie mir: Ich kenne das nur zu gut, weil mir auf diesem Gebiet schon früh die von Federer notierte «Lichtflut der Souveränität» fehlte.

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