«Pro Vorstadt»
Beim Rundgang wird hinter die Kulissen der Solothurner Vorstadt geblickt

Schleichend hat sich die Vorstadt von der unansehnlichen Ecke zum prosperierenden Bijou gemausert. Der zweite Quartierrundgang machte den Wandel und die treibenden Kräfte dahinter sichtbar.

Andreas Kaufmann
Drucken
Teilen
Dachwohnung an der Berntorstrasse 8 (2)
48 Bilder
Zu Besuch in der Stadtrösterei bei Martin Laube und Bernhard Mollet (4)
Zu Besuch in der Stadtrösterei bei Martin Laube und Bernhard Mollet (3)
In Silvia Loevenich Frey Keramik Atelier Labor & Arte (1)
Vintage-Trouvaillen am Unteren Winkel 1 (3)
Vintage-Trouvaillen am Unteren Winkel 1 (2)
Thomas Künti, Tiefbau Stadt Solothurn, erklärt die Chronologie des Berntor-Neugestaltungs-Planung
Zu Besuch in der Stadtrösterei bei Martin Laube und Bernhard Mollet (2)
Vintage-Trouvaillen am Unteren Winkel 1
Senta Strausak vom Lädeli Lieblingsstücke am Unteren Winkel
Martin Tschumi in Aktion
Vegane Degustation in der «Grüeni Chuchi»
Thailändische Gastfreundschaft im Sén Thai (2)
Über den Dächern der Vorstadt
Nostalgisches am Unteren Winkel
Vintage-Trouvaillen am Unteren Winkel 1 (1)
Thailändische Gastfreundschaft im Sén Thai (3)
Thailändische Gastfreundschaft im Sén Thai (1)
Senta Strausak vom Lädeli Lieblingsstücke am Unteren Winkel1
Maya von Gunten erzählt historische Hintergünde über das Kino Capitol
In Silvia Loevenich Frey Keramik Atelier Labor & Arte (1)
Martin Tschumi gibt Einblick in ein Hotelzimmer des Hotels Roter Ochsen
In Silvia Loevenich Frey Keramik Atelier Labor & Arte (3)
In Silvia Loevenich Frey Keramik Atelier Labor & Arte (2)
In Silvia Loevenich Frey Keramik Atelier Labor & Arte (5)
Begegnung mit Rolf Trechsel vom Roten Ochsen
Das Restaurant Akropolis gibt es jetzt aiuch als Imbiss
Dachwohnung an der Berntorstrasse 8 (2)
In Silvia Loevenich Frey Keramik Atelier Labor & Arte (4)
Hotelzimmer des Hotels Roter Ochsen
Dachwohnung an der Berntorstrasse 8 (1)
Martin Tschumi begrüsst die 100 Teilnehmer
Rundgang durch die Solothurner Vorstadt
So soll es nach der Umgestaltung der Berntorstrasse aussehen.
Massage gefällig Im «Sén Thai» erhalten die «Vorstadt»-Wanderer eine.
Noch gibt es am BBZ-Neubau bis zum 16. August einiges zu tun.
Für einmal gilt das Verbotsschild beim BBZ-Neubau nicht
Maya von Gunten erzählt interessante Hintergründe zum Kino Capitol.
Thomas Schwaller (Projektleiter Hochbauamt)
Theaterschreiner Erich Luterbach in der Werkstatt des Theater Orchester Biel Solothurn
In der Werkstatt des Theater Orchester Biel Solothurn
Die Guides auf dem Vorstadt-Rundgang
Stolz erwähnt Alfredo Pergola, Leiter Bildungsbauten des Kantons, aber schon heute die Finanzierung: «Durch Optimierungen konnten wir den Kredit von 29,8 Mio. um fast 3 Mio. Franken unterschreiten.»
Die Ballett-Prinzessinen im Bewegungsraum am Unteren Winkel

Dachwohnung an der Berntorstrasse 8 (2)

Andreas Kaufmann

«Was sich hier alles tut!» Der Ausspruch ist an diesem Abend oft zu hören. Wie sich die Vorstadt verändert, lässt sich weniger deshalb feststellen, weil man in ihr wohnt. Vielmehr dadurch, dass man genauer hinschaut.

Der zweite Rundgang von «Pro Vorstadt» bot über 100 Teilnehmern die Möglichkeit, hinter die Kulisse von Ateliers, von Läden, gar hinter Mauern von Wohnungen und Hotelzimmern zu blicken. «Wir wollen den Leuten eins zu eins die Entwicklung der Vorstadt aufzeigen», erklärt «Pro Vorstadt»-Präsident Martin Tschumi.

Kulissen bis ins Detail

Zum Beispiel in der Werkstatt des Theater Orchesters Biel-Solothurn an der Dornacherstrasse. Nacheinander empfängt Theaterschreiner Erich Luterbach die Gruppen und gewährt ihnen einen Blick auf das unfertige Bühnenbild von «Don Pasquale«, das auf die Premiere im Herbst wartet: «Hier wird alles bis ins kleinste Detail gefertigt.» Das gilt übrigens auch fürs Schauspiel, das in Proberäumen gleichenorts feingeschliffen wird.

Im Feinschliff befindet sich auch das neue Schulhaus des Berufsbildungszentrums. Kieshügel und Gerüste deuten dennoch aufs sportliche Ziel hin: Die Schlüsselübergabe ist bereits am 16. August. Stolz erwähnt Alfredo Pergola, Leiter Bildungsbauten des Kantons, aber schon heute die Finanzierung: «Durch Optimierungen konnten wir den Kredit von 29,8 Millionen um fast 3 Millionen Franken unterschreiten.»

Als kleines Künstlerbijou erleben die «Rundgänger» den Unteren Winkel: neugierige Blicke in den «Bewegungsraum» von Catherine Rihs, wo kleine Elevinnen ihre Ballettpositionen üben. Weiter vorne befindet sich «Labor&Arte» der Keramikkünstlerin Silvia Loevenich Frey. In der kleinen Skulpturengalerie werden Figuren modelliert, auch in Kursen. «Vom Konsum wegkommen und selbst etwas entstehen lassen», so die Devise.

An den Aufschwung glauben

Kunsthandwerk ist auch weiter flussabwärts zu finden: bei der Schmuckmanufaktur von Mirjam Hauri. Oder ihrer Nachbarin Senta Strausak, die sich der Vintage-Nostalgie verschrieben hat. Mit ihren Deko-Produkten, ihren «Lieblingsstücken», trifft sie den Geist der Zeit – und mit ihrer Vision den Geist des Quartiers, an den Aufschwung zu glauben: «Ich wusste: Wenn ich selbst was machen will, muss es in der Vorstadt sein.»

Auch politische Bezüge werden am Rundgang aufgegriffen: So die anstehende Umgestaltung der Berntorstrasse. Thomas Künti, Projektleiter des städtischen Tiefbaus, lässt die Entwicklung des Quartiers seit Schliessung der Wengibrücke 2008 Revue passieren und blickt voraus: Die Umgestaltung der Berntorstrasse mit Trottoiraufwertung soll nächsten Frühling angegangen werden und rund drei bis vier Monate dauern.

Sogar der Blick hinter private Mauern wird gewährt. Bauherr Tschumi zeigt die sanierte Dachwohnung an der Berntorstrasse 8. «Vorher war hier geradezu ein Taubenschlag», verdeutlichte er den früheren desolaten Zustand des Gebäudes, wo sich heute auch das Veganerlädeli «Grüeni Chuchi» befindet.

Von dieser Aufwertung profitiert auch das Hotelduo vom «Roten Ochsen», der durch selbige Liegenschaft und die «Sonne» ihren Zimmerbestand von 11 Zimmern verdoppeln kann. Entwicklungspotenzial gibts noch beim Restaurant Sonne selbst: Hier steht nach wie vor ein Pächter als Nachfolger aus.

Eine Massage zwischendurch?

Eine Sitzpause gibts schliesslich im Kino Capitol, wo Maya von Gunten der Solothurner Kino-Dynastie Interessantes zum Haus vorträgt. Was früher das «Kaffee Emmental» war, war noch früher eine Glockengiesserei, wo die 11 Kathedralenglocken ihren Ursprung haben. Ebenso entschleunigend der Besuch bei Wellnessoase Sén Thai, wo einige der Teilnehmer in Genuss einer Nackenmassage kommen.

Dass neben Schliessungen wie Kneubühler auch neue Blüten des Detailhandels spriessen, beweist vis-à-vis der Laden von R’adys, einem Anbieter für Outdoor-Bekleidung. Doch auch in der östlichen Vorstadt tut sich einiges: In der Stadtrösterei stellen Bernhard Mollet und Martin Laube ihr Novum vor: Erstmals schweizweit spannen hier ein Kaffeeröster und ein Konditor und Bäcker zusammen. Auch in Bewegung befindet sich das Restaurant Akropolis, das mit einem Imbiss-Ableger an die Bertastrasse expandiert hat.

Interessiert läuft als Teilnehmerin Sigrid Michel-Pietsch am Rundgang mit. Solothurn sei ihr schon nur als Geburtsstadt ihrer zweiten Tochter Lisa Marie bedeutsam. «Zudem interessiere ich mich für die Geschichte und die verborgenen Winkel der Stadt», sagt die aus dem deutschen Meissen stammende Frau. Ohne Zweifel: Der Vorstadt-Rundgang hat bei ihr und vielen anderen dazu angeregt, etwas genauer in diese Winkel zu scha

Aktuelle Nachrichten