Bereits für Wochen ausgebucht

Heute öffnen die rund 100 Coiffeursalons in der Stadt wieder. Der Kundenansturm ist ebenso gross wie die gebotene Vorsicht.

Gülpinar Günes
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Sandra Müller weist die Kunden beim Empfang auf die Verhaltensregeln hin. Im «Coiffure Gody» schützt ein Plexiglas den Kassier und den Kunden.
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Sandra Müller weist die Kunden beim Empfang auf die Verhaltensregeln hin. Im «Coiffure Gody» schützt ein Plexiglas den Kassier und den Kunden.

Sandra Müller weist die Kunden beim Empfang auf die Verhaltensregeln hin. Im «Coiffure Gody» schützt ein Plexiglas den Kassier und den Kunden.

Bilder: Tom Ulrich

Draussen warten, eintreten und Abstand halten. Mantel selber aufhängen und Hände desinfizieren. Mundschutzmaske und Einwegmantel anziehen. Auf dem frisch desinfizierten Stuhl Platz nehmen und Plexiglas anstelle von Magazinen ansehen. So oder ähnlich sieht der Besuch beim Coiffeur ab heute aus. Nach sechs Wochen Unsicherheit und Ängsten dürfen die rund 100 Coiffeursalons der Stadt wieder Kunden empfangen. Das mag im ersten Moment eine grosse Herausforderung gewesen sein, war doch vor der Wiedereröffnung noch vieles unklar. Doch die Coiffeure in der Stadt sind froh, wieder arbeiten zu dürfen. Die vergangenen Wochen fielen keinem leicht.

«Ich bin fast zusammengebrochen», erzählt Christian Di Cicco. «Mir kamen die Tränen, und ich fing an zu schlottern.» Als er am 16. März erfuhr, dass er seinen Coiffeursalon Unique Hairdesign auf ungewisse Zeit schliessen muss, wusste er nicht mehr weiter. Bereits vor der ausserordentlichen Lage sei er angespannt gewesen. Die Angst vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus und den Konsequenzen für seinen Betrieb liess ihm keine Ruhe.

«Ich wusste, was uns ­erwarten könnte»

Auch Sandra Müller, Inhaberin von Free Style erzählt, dass sie vor der Schliessung nur noch mit gemischten Gefühlen zur Arbeit gehen konnte. «Obwohl ich ­damit gerechnet habe, war die Schliessung ein Schock», sagt sie. Ähnlich reagierte Lisa ­Aeberhard. Die Inhaberin von Coiffure Gody mit fünf Angestellten ist jedoch keine Coiffeuse, sondern gelernte Laborantin. «Ich wusste, was uns in den kommenden Wochen erwarten könnte.» Nach dem ersten Schock bestellte sie sofort Hygieneprodukte wie Mundschutzmasken, Handschuhe und ­Desinfektionsmittel für eine ­allfällige Wiedereröffnung.

Die liess aber auf sich warten. Währenddessen mussten die Coiffeure auf ihr eigenes ­finanzielles Polster zurückgreifen und die Zeit mit Erwerbsersatzleistungen und Kurzarbeit überbrücken. Das sei allen ­Angefragten relativ gut gelungen. «Nach elf Jahren Selbstständigkeit habe ich mir ein Polster angelegt», sagt Nicole Dietrich von Solhair. In Absprache mit ihrem Vermieter konnte sie die Mietzahlung für April und Mai verschieben. Gleichzeitig mixte sie auf Nachfrage der Kunden Farbe für sie an. Sie holten diese ab und färbten ihren Haaransatz selber. Erst die Ankündigung der Lockerung habe Dietrich dann schlaflose Nächte bereitet. «Ich habe nicht erwartet, dass wir in der ersten Phase wiedereröffnen können», sagt sie. «Wir haben schliesslich ziemlich ­engen Kontakt zu den Kunden.» Nachdem sie Gedanken über mögliche Massnahmen plagten, habe sie sich schnell organisiert und freue sich auf die Kunden.

Lange war unklar, wie sich die Branche vorbereiten soll. Peter Kräuchi, Präsident der Solothurner Sektion des Coiffeurverbands, listet die zwingenden Massnahmen auf: Abstand halten, nur jeden zweiten Stuhl besetzen und deshalb weniger Kunden und Personal aufbieten. Kunden und Coiffeure müssen Masken tragen. Und nach jedem Kunden müssen Werkzeuge, Tische, Stühle und Türklinken desinfiziert werden. Zusätzliche Massnahmen wie Handschuhe, Plexiglas-Visiere oder Einwegmäntel seien empfohlen. Den Umgang mit Risikopatienten überlässt der Verband den Betrieben. Spätestens seit der Lockerung haben die Betriebe das nötige Material aufgestockt und sind bereit für den Ansturm am Montag. Und dieser kommt.

Bereits auf Wochen ­ausgebucht

«Ich habe noch während der Pressekonferenz des Bundesrats Terminanfragen erhalten», sagt Sandra Müller. «Der Ansturm war riesig!» Sie sei bereits für vier Wochen ausgebucht. Auch Nicole Dietrich habe für die nächsten sechs Wochen kaum Termine mehr frei. Bei Christian Di Cicco und Lisa Aeberhard sieht das nicht anders aus.

Trotz des Ansturms rechnen die Betriebe mit Umsatzeinbussen. Im Salon von Aeberhard kann nur ein Teil der Angestellten arbeiten. Dadurch und wegen der Massnahmen kann der Salon weniger Kunden als üblich bedienen. «Besser als gar nichts», sagt die Inhaberin. Sandra Müller von Free Style nimmt auch Überstunden in Kauf. «Klar wird’s streng, aber ich habe lange genug freigehabt», sagt sie lachend. Es sei schön zu sehen, dass man auch vermisst wird.

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