Rosegghof
«Bio» ist mehr als nur drei Buchstaben

Neben den drei einzigen «echten» Stadtsäuli hat der Bio-Betrieb Rosegghof von Martin und Ursula Riggenbach noch vieles mehr zu bieten.

Wolfgang Wagmann
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Martin und Ursula Riggenbach auf ihrem Rosegghof
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Rosegghof Solothurn
Zutrauliches Borstenvieh.
Die begehrten späteren Poulets vom Rosegghof.
Ursula Riggenbach im Hofladen. Es gibt auch frisch gebackenes Brot.
Eringerkühe auf dem Rosegghof

Martin und Ursula Riggenbach auf ihrem Rosegghof

Wolfgang Wagmann

Drei Säuli waren gesucht – das Trio Ringelschwänzchen, das agrarstatistisch für die Stadt Solothurn ausgewiesen ist. Wir haben sie gefunden: Bei Bio-Bauer Martin Riggenbach auf dem Rosegghof, nördlich der Weissensteinstrasse, aber noch auf Stadtboden. «Die Säuli waren zuletzt an der HESO im Streichelzoo.»

Wo Riggenbach über Jahre zusammen mit dem Nennigkofer Kollegen Herbert Schluep für die Belange der Bio-Wirtschaft und das Label der Bio-Knospe geworben hat. «Jetzt findet eine Wachtablösung statt. Die Jungen übernehmen das.» Noch nicht ganz so weit ist es auf dem Rosegghof selbst.

Aber die nächste Generation ist neben Martin und Ursula Riggenbach bereits aktiv. Tochter Denise schaut zum Reitbetrieb, die jüngere Corina hilft kräftig mit, Sohn Christian ist für die Landwirtschaft zuständig, «Ursula und ich schauen zur Vermarktung in unserem Hofladen und helfen überall, wo es uns braucht.»

Einzig Sohn Urs hat es nicht zum Bauern gezogen. Er ist aber mit verantwortlich, dass der Rosegghof als Mitglied der Genossenschaft Optima Solar die grösste Solardachfläche der Stadt aufweist – «1200 Quadratmeter», wie Martin Riggenbach vorrechnet.

Eringerkühe und Poulets

Die drei Säuli, die 30- bis 40-köpfige Mutterkuhherde von schwarzem Eringervieh – bekannt durch die Kuhkämpfe im Wallis – sowie rund 150 Mastpoulets haben hier schon einen grossen Vorteil: Sie leben auf dem Biohof länger als Artgenossen auf konventionellen Betrieben.

15 bis 20 Monate ein zur Schlachtung bestimmtes Eringerrind, das den Sommer auf einer Tessiner Alp verbringt, «und die Hühner werden bei uns 65 bis 70 Tage alt, leben einen Drittel länger als sonst das Mastgeflügel.» Nach Bio-Norm wird auch nur Raufutter vom eigenen Hof verfüttert, Kraftfutter ist tabu.

Natürlich nicht unters Messer und unter die Auslagen des Hofladens kommen die 20 Pferde im Pensionsbetrieb und für die Reitschule sowie die 80 Legehennen, die auch das «Gänterli» an der St. Urbangasse mit Eiern versorgen. «Wir und das Gänterli sind auch die Einzigen, die nicht homogenisierte Milch verkaufen», so Riggenbach.

Hofladen und Beiz

Der Rosegghof ist kein Bauernhof im klassischen Sinn. Neben einer Gastwirtschaft mit 48 Plätzen für Anlässe führen Riggenbachs einen Hofladen mit ihren erzeugten Produkten. «Das Fleisch unseres Eringerviehs hat einen hohen Eigengeschmack», weiss Martin Riggenbach.

Das hat nicht nur mit der Fütterung zu tun, sondern auch damit, dass diese urtümliche Viehrasse nie weitergezüchtet und eingekreuzt wurde. Frisch oder gefroren kommt das Fleisch in den Laden, «Edelstücke werden fünf Wochen gelagert.» Schwein sei weniger gefragt im Bio-Laden, doch wird es ebenso weiterverarbeitet wie das Rind, zu Coppa beispielsweise oder zu Wurst. «Wenn mir die eigenen Würste am besten schmecken, sind sie sicher nicht schlecht.»

Stolz ist Riggenbach auch auf sein Trockenfleisch, «und wir stellen sogar echtes Bio-Bündnerfleisch in einem kleinen Betrieb in Parpan her». Neben Most, Kartoffeln und anderen Hofprodukten sind die Poulets – es gibt auch Suppenhühner zu kaufen – «der Hit.

Wir mussten wegen der Nachfrage die Produktion verdoppeln.» Andererseits könnte für die Riggenbachs der treue Kundenstamm noch etwas grösser sein, «aber wir sprechen halt Bio-Kunden an». Und manchmal müsse man die Kundschaft auch «ein bisschen erziehen» und ihr klarmachen, dass «sie nicht nur zwei Pouletbrüstchen kaufen kann, sondern dazu auch die Flügeli und Schenkel nehmen sollte.»

Von oben «wie ein Herz»

Doch es gibt grössere Probleme auf dem Rosegghof. Beispielsweise die diesjährige Missernte beim Getreide aufgrund des schlechten Frühsommer-Wetters. Trotz des geringen Ertrags müsse man aber die Vorleistungen in Form von Saatgut fürs nächste Jahr erbringen, weist Martin Riggenbach auf ein Problemfeld hin, dass Kollegen «bis ins Elsass hinauf» betreffe.

Als langjähriger, auch im Verbandswesen aktiver Bio-Bauer, stört sich Riggenbach zudem am aktuellen, für ihn massiven Ungleichgewicht der Leistungs-Abgeltungen für Berg- und Mittelland-Betriebe. «Diese einseitige Bevorzugung der Berg-Landwirtschaft muss wieder geändert werden», ist er überzeugt.

Generell stellt er aber nüchtern fest, dass «in der Bevölkerung der Bezug zur Landwirtschaft allmählich ausstirbt». Doch gerade die Bio-Bauern seien für Nachhaltigkeit in allen Bereichen sensibilisiert: «Wir haben schon vor zehn Jahren soziale Richtlinien für Mitarbeitende auf unseren Höfen erarbeitet. ‹Bio› ist eben nicht nur aus drei Buchstaben zusammengesetzt.»

Noch zwei Landwirtschaftsbetriebe gibt es in der Stadt Solothurn. Einer davon ist der Rosegghof. «Von oben sieht unsere Landfläche zusammen mit dem Königshof wie ein Herz aus.» Ein Herz, das weiter schlägt, dank einer für Martin Riggenbach «visionären Pioniertat»: Schon 1984 habe der Regierungsrat festgelegt, der Rosegghof müsse «im Bio-Landbau bewirtschaftet werden.»

Zum Rosegghof gehören 48 Hektare in drei Gemeinden

Der Rosegghof mit Standort Solothurn umfasst eine Landwirtschaftfläche von 48 Hektaren auf Gemeindeboden von Solothurn, Langendorf und Rüttenen. Denn 2011 wurde die Pacht der Hofstatt des Königshofs mit dem Rosegghof fusioniert.

«Wir konnten ihn 1996 vom Kanton pachten und 2014 im Baurecht erwerben», blickt Martin Riggenbach auf sieben Jahre Verhandlungen mit dem Kanton zurück, bis es so weit war. Zu den 48 Hektaren meint der Bio-Landwirt: «Es braucht diese Fläche, wenn man in die Zukunft gehen will.»

Immerhin müssten davon 350 Stellenprozente auf dem Hof finanziert werden. «Da reichen die Direktzahlungen nirgends hin. Wir müssen etwas dazu verdienen.»

Stolz ist Riggenbach aber, dass er sämtliche Bauten auf dem Hof selber und «ohne Subventionen» hatte erstellen können. (ww)

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