Es duftet nach Sommerferien in unserer Stadt. Weil die Hitze dieser Tage ganz besonders über Bsetzisteinen, der mittlerweile 24 Grad warmen Aare und der Badi-Wiese flirrt. Weil allabendlich die Würste über den Rosten brutzeln. Aber auch, weil wir ein Ghüder-Problem haben. Ein ganz kleines. Nur in der Altstadt. Und auch nur an einzelnen Tagen.

Geruchssensible kennen ihn, den Duft, der uns in den Süden versetzt: in die Hinterhöfe kalabrischer Hotelanlagen etwa, die Seitengassen kroatischer Städtchen oder auf griechische Inseln während der Hochsaison. Sonnenwarmer Abfall, zusammengewürfelt aus faulenden Früchten, vergammelndem Fleisch, Resten von Brot. Ein Geruch, der zu den Ferien gehört wie der Sonnenbrand am ersten Badetag. Und der jetzt auch unser Stedtli durchströmt.

Ghüder-Abfuhr ist in der Altstadt immer dienstags. Wenn die grauen Säcke schon ab dem Wochenende ihr Dasein im Freien fristen, riecht’s. Wenn er gar schon am Donnerstag nach dem Dienstag in den Gassen steht, riecht’s irgendwann noch mehr. Selbst ganz pflichtbewusst darauf bedacht, die Haushaltsüberreste frühestens am Abend des Montags vor die Haustüre zu stellen, fällt der achtlos an einem x-beliebigen Wochentag auf der Strasse deponierte Kebag-Sack natürlich besonders auf. Dass Altstadthäuser keine Sammelcontainer haben, mag der Grund sein für das unpünktliche Sackrunterbringen. Was wir nicht nur optisch, sondern nun auch olfaktorisch ausbaden. Den Hundstagen sei Dank.

Neapolitanische Verhältnisse also in der Altstadt von Solothurn? Natürlich nicht. Abfallberge stören weder auf dem Märet- noch Friedhofplatz unsere kleinstädtische Beschaulichkeit, und auch die Aareufer sind (jedenfalls wochentags) meist ghüderbefreit. Auch die Grünabfuhr ist fein säuberlich geregelt – letzte Woche wurde bekannt, dass ab dem 1. August das Grüngut neu von ökogasbetriebenen Fahrzeugen abgeholt werden soll. So vorbildlich! Warum also handeln nicht auch die Solothurner Altstadtbewohnerinnen und -bewohner etwas beispielhafter?

Geruchlos geht kaum während dieser warmen Tage und Wochen. Und weil wir vielleicht selbst gerade etwas hitzemüde sind, tun wir umso besser daran, Verständnis zu zeigen. Es etwas gelassener zu nehmen. Ganz so, als wären wir in den Ferien. Im Süden. Zumindest, bis wieder Dienstag ist.