Solothurn
Er weiss genau, wie seine Uhren ticken

Seit vierzig Jahren sammelt, repariert, baut und entdeckt der Solothurner Uhrmacher Fredy Isch in seinem Atelier. In einem Jahr wird er pensioniert, doch seine Nachfolgerin hat er bereits gefunden.

Nadine Schmid
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Nicole Nil lebt sich in der Welt von Uhrenmacher Fredy Isch ein und will in seine Fussstapfen treten.

Nicole Nil lebt sich in der Welt von Uhrenmacher Fredy Isch ein und will in seine Fussstapfen treten.

Nadine Schmid

Wenn man Fredy Ischs Uhrenatelier am Känzeliweg gleich neben der Verenaschlucht besucht, kann man leicht von Faszination ergriffen werden. Rund hundert antike Uhren befinden sich in seiner Sammlung und schmücken zusammen mit einigen Landschaftsmalereien die Räumlichkeiten. Ihr Ticken erfüllt den Raum gleichmässig und rhythmisch. Isch revidiert antike, aber auch andere Uhren, und fertigt Einzelteile an. Auch solche aus diversen Museen repariert er. Dieses Jahr kann er das vierzigjährige Bestehen seines Ateliers feiern. Es wird das letzte Jahr vor der Pension sein. Mit Nicole Nil hat er eine Nachfolgerin gefunden, der er seine Erfahrungen weitergeben kann.

Wissen geht verloren

Isch besitzt umfassende Kenntnisse von Uhren und Grossuhren. «Es ist ein Wissen, das leider kaum mehr jemand kennt und das allmählich verloren geht», glaubt Isch. Nicole Nil, die es schätzt, dieses Wissen nun vermittelt zu bekommen, fügt hinzu: «In der Uhrenmacherlehre liegt der Fokus nicht auf den Grossuhren.» Damals, als Isch die Lehre antrat, war das schon so. Bereits als Knabe wusste der Solothurner, dass er Uhrmacher werden wollte. Nach der Lehre arbeitete er bei Eterna, Omega und Roamer, bis die Krise die Uhrenfirmen erreichte. «Darauf entschied ich, ein eigenes Atelier zu eröffnen», erklärt Isch. Von seinem ehemaligen Lehrer, Walter Ledermann, habe er dann dieses breite Wissen über Grossuhren erhalten.

Es geht um jede Schraube

Isch ist bei seiner Arbeit sehr sorgfältig, fast als habe er ein Lebewesen vor sich. Bei alten, aber auch bei neuen Uhren ist es ihm ein Anliegen, so wenig ihrer Geschichte zu zerstören wie möglich. «Ich gehe wissenschaftlich vor. Mit jeder Schraube, die man ersetzt, nimmt man ihr einen Teil ihrer Entstehungsgeschichte.»

Die Uhr des in der Revolution geköpften Königspaars

Von seinen Uhren im Atelier weiss Fredy Isch viele Geschichten zu erzählen. Im Büro hängt ein Exemplar aus dem Jahr 1802, das einst einem in Delémont geborenen Bischof des 20. Jahrhunderts gehörte.

Auf einer Taschenuhr aus dem Jahr 1790, deren Inneres gemalt ist, lassen sich neben der Uhrzeit die Wochentage ablesen. Das älteste Stück in seiner Sammlung stammt aus dem 17. Jahrhundert und wird Kuhschwanzpendel oder Zappler genannt. Besonders ans Herz gewachsen ist dem Solothurner aber jene Uhr, die Marie-Antoinette und Louis XVI. als Hochzeitsgeschenk vom Uhrenmacher Jean-Baptiste Baillon erhalten haben. «Wahrscheinlich kam die Uhr während der Revolution in die Schweiz, um sie vor der Zerstörungswut der Revolutionäre zu schützen», erklärt Isch, der Recherchen zu dieser Uhr angestellt hat und so auch herausgefunden hat, dass es keinen Zweifel gibt, dass sie aus dem Königshaus kam: Auf den Zeigern ist das Zeichen des Königswappens zu sehen, die Fleur de Lys, das nur für Uhren des Königshauses verwendet werden durfte. Dennoch stellen sich ungelöste Fragen. «Die Uhr ist bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Es ist eine Spitzentechnologie», erklärt Isch. «Das Gehäuse ist aus Kupfer, was untypisch ist für diese Zeit. Man kann sich fragen, ob Baillon bereits Kenntnisse über elektromagnetische Felder besessen hat.» (FsG)

Seine Begeisterung lässt sich leicht übertragen. Plötzlich holt er ein paar Behälter hervor und zeigt die darin verstauten Balanciers, Bauteile des Uhrwerks, mit denen man den Gang reguliert. Als Nächstes zeigt er hundertjährige Handmaschinen, die sich noch heute bewähren.

Konstrukteur und Entdecker

Fredy Isch sammelt und repariert Uhren nicht nur, sondern hat auch selbst welche konstruiert. Dabei hat er eine weitgreifende Entdeckung gemacht, die er sich auf der ganzen Welt patentieren liess: «Es war ein Zufall. Ich habe an einem Balancier gearbeitet und plötzlich hat dieser nicht mehr aufgehört, hin und her zu pendeln», erinnert er sich zurück. Darauf habe er einen Freund gefragt, der Arzt sei. Dieser erklärte ihm, dass er wohl auf die Schumannfrequenz gestossen sei, auf eine Frequenz von 7,8333 Hertz. Ist die Uhr so eingestellt, pendelt sie immer weiter. «Diese Frequenz ist für den Menschen überlebenswichtig und sehr angenehm», weiss der Experte. Um die Erde herum flögen Schallwellen in dieser Frequenz. Gäbe es diese nicht, würde man sich sehr unruhig fühlen.

«Je nachdem, wie eine Uhr eingestellt ist, hat sie einen anderen Einfluss», erzählt Isch. Die Frequenz der Uhr würde man über den Tast-, Seh- und Gehörsinn aufnehmen. Bei fünf Hertz könne man sich gut entspannen, bei drei gut schlafen und unter eins begänne die Hypnose. 27 Hertz halten wach. «Das ist der höchste Peak und mechanisch fast nicht einstellbar.» Isch hat eine Uhr auf diese Frequenz gebracht und dafür ein Jahr benötigt.

Nach all den Jahren im Beruf empfindet er Stolz. «Ich habe es geschafft, mit meinem Atelier zu überleben.»

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