Solothurn
Kino Palace reduziert von 344 auf 230 Sitze – dafür sitzt es sich viel bequemer

Das Kino Palace in Solothurn wurde umgebaut und den heutigen Bedürfnissen des Publikums angepasst.

Helmuth Zipperlen
Drucken
Teilen
Kino Palace Solothurn: Fotos nach der Neugestaltung und Aufnahmen aus dem Archiv
20 Bilder
Kino Palace Solothurn: Fotos nach der Neugestaltung und Aufnahmen aus dem Archiv
Kino Palace Solothurn
Kino Palace Solothurn
Kino Palace Solothurn
Das Foyer wurde aufgefrischt und frisch ausgestattet.
Das Foyer wurde zu einer Lounge gestaltet.
Anstatt der kaum mehr benützten Garderobe wurde eine kleine Bar eingerichtet.
Im Vorführraum hat nichts geändert, aber man konnte einen Blick rein werfen.
Vorführraum
Vorführraum
Vorführraum
Fotos aus vergangenen Zeiten vom Gebäude
Das Gebäude des heutigen Palace war Rathaus, Gericht und Kino.
Original-Zeichnung von Albert Anker weiter, welcher den Saal des ehemaligen Zunfthauses zeichnete. Die Zeichnung befindet sich im Besitz der Familie von Gunten.
Der Blick vom Balkon. Damals ging er noch auf der rechten Seite Richtung Leinwand.
Und die Leinwand war dadurch viel kleiner als heute
Fotos aus vergangenen Zeiten
Fotos aus vergangenen Zeiten

Kino Palace Solothurn: Fotos nach der Neugestaltung und Aufnahmen aus dem Archiv

Oliver Menge

Ein grosses Publikum machte von der Möglichkeit Gebrauch, sich das umgebaute Kino Palace anzusehen. Unter der Leitung von Mark von Gunten wurde das Kino den heutigen Bedürfnissen angepasst. Nebst Neu-Anstrichen, neuen Teppichen fällt im ersten Stock die Neukonzeption des Raumes auf. Das Foyer wurde zu einer Lounge gestaltet und anstelle der kaum mehr benützten Garderobe eine kleine Bar eingerichtet.

Die Lounge kann auch für Aperos mit oder ohne Filmprojektion genutzt werden. Im Saal selber wurde die Zahl der Sitze von 344 auf 230 verringert und dafür die Klappstühle durch bequeme Sessel mit mehr Beinfreiheit ersetzt. Eine Trailershow lud dazu ein, den neuen Sitzkomfort auszuprobieren. Als Stadtführerin konnte Maya von Gunten natürlich Interessierten die Geschichte des Hauses erklären.

Ein historischer Ort der Unterhaltung

Das erste Solothurner Rathaus war in diesem Haus «zum Esel» untergebracht. Später wurde es zum Zunfthaus der Schützenzunft. Zunfthäuser verfügten in der Regel über einen grossen Saal, in welchem auch Lustbarkeiten stattfanden. Das war besonders im Zunfthaus der Schützen der Fall. Da wurde so wild getanzt, dass die Obrigkeit einschreiten musste, weil die umliegenden Häuser vibrierten. Am 6. August 1698 hat der Rat beschlossen, dass dem fremden Komödianten Stephan Landolfi erlaubt wird «allhier sein Spihl zu Exhibirn». Somit wurde der Schützensaal gelegentlich auch als Theater genutzt.

In einer Notiz vom 18. Januar 1919 war in der «Solothurner Zeitung» zu lesen: «Und nun doch ein neuer Kino. Die Schützenhalle in der Hauptgasse wird von Fräulein E. Winter umgebaut zu einem Kino.» Das erste Kino war der «Hirschen» (später «Elite») und im Sommer 1919 eröffnete das «Emmental» (später «Capitol»). Ob die aus dem Zürcherischen Schlatt gekommene Emilie Winter Erfolg gehabt hat, bleibt unklar, denn schon 1924 veräusserte sie das Kino an Friedrich Zaugg aus Nidau. Die Familie betrieb das Kino bis zur Ära von Gunten.

Das Kino Palace erlebte Filmgeschichte

Der Schreibende betrat das Kino Palace erstmals am 29. August 1959, um sich «Wir Wunderkinder» mit Hansjörg Felmy und Johanna von Koczian anzusehen. Letztere trat Jahre später im Stadttheater live in Solothurn auf. Die meisten der grossen deutschen Filmerfolge liefen im Palace. Nach der Krise des deutschen Films Ende der 60er Jahre wurden vermehrt Hollywood-Produktionen hier heimisch. Die Programmation war auf gehobene Unterhaltung ausgerichtet. Auch Meilensteine der Filmgeschichte waren zu sehen, so ab 3. September 1979 «The Deer Hunter» mit Robert de Niro und Meryl Streep.

Heinz von Gunten berichtet denn auch von kleinen Pannen. An einem Samstagabend sollte vor ausverkauftem Saal «The Last Emperor» gespielt werden, doch der Vorhang liess sich nicht öffnen. Um das Publikum nicht zu enttäuschen, riss von Gunten den Vorhang eigenhändig runter, damit die Leinwand zum Vorschein kam und der Film gestartet werden konnte. «Papillon» war bereits als Schweizer Premiere – damals noch eine Ausnahme – inseriert, doch der Verleiher hatte nur eine Kopie entweder für Grenchen oder für Solothurn.

Die beiden Kinobetreiber steckten die Köpfe zusammen und starteten den Film mit einer Viertelstunde abstand. Heinz von Gunten holte jeweils die abgespielte Rolle in Grenchen und fuhr sie nach Solothurn, wo zwei Operateure sie umspulten und vorführten. Das Publikum merkte nichts davon, denn alles klappte lückenlos. So leben die von Guntens fürs Kino und sehen der Zukunft optimistisch entgegen.

Aktuelle Nachrichten