Solothurn
Kultur im Marathonstil veranstalten

Bei der «24h Kulturversorgung» wurden unterschiedliche kulturelle Facetten ausgereizt

Michael Hugentobler und Andreas Kaufmann
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Angeregte Diskussion über die freiwilligen Kulturhelfer.hug

Angeregte Diskussion über die freiwilligen Kulturhelfer.hug

Dass der Mensch der westlichen Zivilisation auf Strom rund um die Uhr zählen kann, scheint ihm – von jüngsten Ausnahmen in New York abgesehen – selbstverständlich. Am Beispiel der Kultur (statt des Stroms) zeigte der «Kulturm» auf, dass eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung durchaus nicht ohne weiteres gegeben ist. Von Freitagvormittag bis in den frühen Samstagmorgen hinein reihten sich hier kulturelle Anlässe – dies in Zusammenarbeit mit der Regio Energie Solothurn in fast schon marathonähnlichem Ausmass.

Den Anlassstart widmete die Institution ihren freiwilligen Helfern, denn: Auch wenn Kultur ein Teil unseres Lebens ist, lässt sich damit schwerlich Geld verdienen. So sind viele Kulturbetriebe auf die Zusammenarbeit mit freiwilligen Helfern angewiesen – auch in der Stadt Solothurn. In einer Gesprächsrunde diskutierten Rosmarie Wyss («Benevol»), Dominic Juchli (freiwilliger Helfer im Kofmehl), Marcus Casutt (kantonale Jugendförderung), Anja Lauper (Vorstand «Kulturm») und Sven Makos (freiwilliger Helfer von «Radiologisch»). Moderiert wurde die Diskussion von Angela Zellweger. Die Freiwilligenarbeit auf den Punkt brachte Juchli: «Wer etwas freiwillig macht, macht es mit Herzblut.» Das sei nicht vergleichbar mit einer Arbeit, die man nur des Geldes wegen mache. Allerdings sei es nicht ganz einfach, Menschen zu finden, die gratis arbeiten. Und in einem Lokal wie dem Kofmehl falle immer viel Arbeit an. «Man kann nie genug Helfer haben», so Juchli.

Bekannter Fotograf in Solothurn

Parallel zum Anlass «24h Kulturversorgung» lief die Ausstellung des Fotografen Götz Diergarten, der Solothurns Partnerstadt Krakau in Polen fotografierte. «Es ist eine Ehre für uns, Diergartens Fotos ausstellen zu dürfen», sagt Ivo Hutzli vom Vorstand des «Kulturm». Der Fotograf habe schon einige Preise gewonnen und seine Bilder an der Art Basel, der Art Cologne oder der Armory Show in New York präsentiert. «Er ist ein richtig grosses Kaliber für uns», so Hutzli. Eines von Diergartens Bilder wurde an der Vernissage am Donnerstag verkauft.

In einem Doppelvortrag beschäftigten sich weiter Architekt Roger Rüfli und Kunstschaffende Fraenzi Neuhaus mit der Frage der «Kunst am Bau» und gingen vertiefter auf die Frage ein, welchen Nutzen sie hat, wenn sie denn einen Nutzen haben soll. Cellist Juan Mateo Revilla umrahmte den Anlass musikalisch.

Literarisch ging es weiter mit einer Lesung von Ernst Burren zu seinem neuen Buch «Dr Troum vo Paris» oder dann dem interaktiven Format «Icon Poet», wo Zuschauer mithilfe fünf gewürfelter Symbole eine Kurzgeschichte kreieren mussten – dies im familiären Rahmen. Ebenfalls beschaulich wurde die «24h Kulturversorgung» abgerundet: So setzten die «Banana Hunters» und mehrere DJs den Schlusspunkt unter die Veranstaltung.

Das 24-Stunden-Experiment

Ein etwas erschöpfter Ivo Hutzli zog schliesslich Bilanz und ist zufrieden. Auch wenn für den einen oder anderen Anlass der Publikumsaufmarsch sicher noch grosszügiger hätte ausfallen können. «Der Freitag ist ein schwieriger Tag.» Doch gerade durch die Einbindung der Regio Energie sei es nötig gewesen, einen Arbeitstag zu wählen. «Und letztlich ist die ‹24h Kulturversorgung› auch ein Experiment gewesen», sagt er weiter – ein organisatorisch aufwendiges.

«Eines ist klar: Die alle zwei Jahre stadtweit durchgeführte Kulturnacht ist für uns nun organisatorisch vergleichsweise ein Klacks», meint Hutzli augenzwinkernd.

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