Solothurn
Marguerite Misteli: «Ich will eine Rückkehr in den Gemeinderat nicht ausschliessen»

Gemeinderätin Marguerite Misteli (Grüne) ist per Ende August demissioniert. Der Grund: Ein Umzug. «Meine politische Arbeit ist noch nicht zu Ende», sagt sie.

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Marguerite Misteli ist auf Ende August aus dem Gemeinderat demissioniert.

Marguerite Misteli ist auf Ende August aus dem Gemeinderat demissioniert.

Michel Lüthi/bilderwerft.ch

1973 wurden zum ersten Mal Frauen in den Solothurner Gemeinderat gewählt. Unter diesen vier: Marguerite Misteli. Die heute 75-Jährige und damaliges Mitglied der linken Partei POCH schnappte bei jenen Wahlen der FDP ihren 17. Sitz weg. 1979 trat sie aus dem Gemeinderat zurück. 2009 folgte das Comeback der nun Grünen-Politikerin im Gemeinderat, die im Verlauf ihrer politischen Laufbahn auch Solothurner Kantonsrätin und Nationalrätin war. Auf Ende August ist sie nun aus dem Gemeinderat demissioniert. Der Grund: Misteli ist aus der Stadt Solothurn weggezogen.

Sie sind als Solothurner Gemeinderätin demissioniert. Das Ende Ihrer Laufbahn als Politikerin?

Marguerite Misteli: Keineswegs. Meine politische Arbeit ist noch nicht zu Ende. Nach meinem Rückzug aus dem Kantonsrat 2015 und meiner jetzigen Demission aus dem Gemeinderat bin ich einfach nicht mehr in einem Rat tätig. Aber ich engagiere mich etwa noch bei den Klima-Grosseltern und bei den Grauen Panthern.

Sie haben schon einmal das Comeback im Gemeinderat gegeben. Ist dieses Mal eine Rückkehr ausgeschlossen?

Ich will eine Rückkehr in den Gemeinderat nicht ausschliessen. Dies ist aber einerseits davon abhängig, ob ich je wieder nach Solothurn zurückziehe und wie es um meine Gesundheit steht.

Wären Sie somit bei den Gemeinderatswahlen vom kommenden Jahr angetreten, wenn Sie nicht nach Biel gezogen wären?

Ich hätte es mir zumindest überlegt und auch davon abhängig gemacht, ob meine Parteikollegin, die über 65 Jahre alt ist, nochmals kandidiert hätte. Denn mir ist es wichtig, dass auch die Älteren im Gemeinderat vertreten sind. Bevor ich mich wieder hätte aufstellen lassen, hätte ich aber recherchiert.

Recherchiert?

Wie meine Wahlchancen stehen. Nicht gewählt zu werden, das hätte wehgetan. Als ich 1995 als Nationalrätin nicht wieder gewählt wurde, war das wie ein Chlapf a Grind. Vom Volk nicht mehr gewählt zu werden, ist viel schlimmer, als von einem Chef entlassen zu werden.

Sie waren zwei Mal im Gemeinderat. Gab es einen grossen Unterschied?

Ich war nicht mehr ganz alleine (lacht). In meiner Amtszeit in den 70er-Jahren kam es häufig vor, dass 29 Gemeinderäte dafür und nur eine Gemeinderätin dagegen war, und zwar Marguerite Misteli. Das war manchmal hart. Als ich 2009 als Grüne-Politikerin zurück in den Gemeinderat kam, waren wir gemeinsam mit der SP auf einmal beinahe gleich stark wie die bürgerlichen Parteien.

Sie sind in Solothurn aufgewachsen, wohnen jetzt aber seit vergangenem Wochenende in Biel. Warum?

Weil in Biel eine Wohnform möglich ist, die in Solothurn trotz entsprechendem Projekt noch Jahre auf sich warten lassen wird. Und zwar das Wohnen in einer Genossenschaftswohnung, dessen Liegenschaft autofrei, aber auch den Minergie-P-Standard erfüllt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sie aus Solothurn wegziehen. Warum zieht es Sie immer wieder aus der Barockstadt?

Ich mag Tapetenwechsel. Dies gibt die Möglichkeit, etwas Neues zu lernen. Dieses Mal freue ich mich darauf, endlich richtig Französisch zu lernen, nicht nur français fédéral. Zudem ist mir manchmal Solothurn beinahe zu schön. Ich mag, dass Biel etwas chaotischer ist. Es zieht mich aber immer wieder zurück nach Solothurn. (fvo)

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