Solothurn
Neue Generation ist am Zug: «Der Kinovirus ist ansteckend»

Bei der Familie von Gunten, denen die Solothurner Kinos «Palace» und «Capitol» gehören, übernimmt die nächste Generation.

Helmuth Zipperlen
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Die Kino-Dynastie (vorne v. l.): Bettina Schönberg-von Gunten und Maya von Gunten. Hinten (v.l): Mark, Heinz sowie Romana von Gunten.

Die Kino-Dynastie (vorne v. l.): Bettina Schönberg-von Gunten und Maya von Gunten. Hinten (v.l): Mark, Heinz sowie Romana von Gunten.

Hanspeter Bärtschi

Generationenwechsel bei den Solothurner Kinos «Palace» und «Capitol». Heinz und Maya von Gunten legen nach 44 Jahren die Führung der Kinos in die Hände ihrer Kinder Bettina, Romana und Mark. Für Heinz von Gunten, welcher der Familienfirma als Verwaltungsratspräsident erhalten bleibt, ist dies nicht selbstverständlich.

Vor allem an Wochenenden waren die Eltern von Gunten geschäftlich gebunden und hatten wenig Zeit für die Kinder. Anderseits sind aber die Kinder so ins Kinogeschäft hineingewachsen und Heinz von Gunten kann feststellen: «Der Kinovirus ist ansteckend».

Es ist eher ungewöhnlich, dass eine Kleinstadt wie Solothurn einschliesslich des Uferbaus sieben Leinwände aufweist. «Ein grosses Kompliment geht an das Publikum, welches uns all die Jahre treu geblieben ist.»

Beide Generationen von Gunten betonen, dass in Solothurn ein kulturfreundliches Klima herrscht. Da muss auch einmal in Kauf genommen werden, dass an einem Samstagabend im Kino Flaute herrscht, weil viele andere Veranstaltungen die Leute locken. Ein Pluspunkt ist auch die gute Zusammenarbeit unter den Solothurner Kinobetreibern. «Wir sind nicht Konkurrenten sondern Partner.»

Was die Digitalisierung bringt

Die junge Generation sieht sich als Team. Es gibt je nach Eignung und Ausbildung Schwerpunkte, aber im Allgemeinen werden vor allem im Bereich des Programms Entscheide einvernehmlich getroffen. Mark von Gunten ist vorwiegend für die Technik zuständig. Bettina Schönberg-von Gunten führt die Administration und Romana von Gunten ist kreativ und versucht immer, Neues zu verwirklichen. So ist sie die Ansprechperson für das cinedolcevita- oder das l’après-midi-Programm.

Sie hatte auch die Idee für die Opernübertragungen, wobei dies ohne das technische Knowhow von Mark von Gunten nicht hätte realisiert werden können. Die Kinos sind nun digitalisiert und dies gilt es zu nutzen. Die drei können sich vorstellen, dass künftig noch mehr in dieser Richtung geht, wobei es vorläufig eine offene Frage ist, wieweit die Verleiher mitmachen, wenn an einem Freitag oder Samstag kein Film läuft. «Das Kino hat eine Zukunft», sind sie überzeugt.

Zu den Events gehören auch die Ladies Nights, welche innerhalb einer Stunde ausverkauft sind. «Da wird eben nicht nur automatisch jeder Frau ein Cüpli in die Hand gedrückt, sondern wir sind alle da, machen eine individuelle Begrüssung und schenken den Welcome-Drink selber aus.» Oft sitzen auch Maya, Bettina oder Romana selber an der Kasse und pflegen so den persönlichen Kontakt zum Publikum. Vielfach bekommen sie bei diesen speziellen Vorstellungen auch zu hören, dass der Hinweis auf der Stadtseite dieser Zeitung der Auslöser für den Besuch ist.

Sachzwänge noch und noch

Allerdings ist es ein Ding der Unmöglichkeit, alle Filme, die in den Verleih kommen, zu spielen. Zudem sind die Startdaten oft schlecht koordiniert, so dass in einer Woche mehr Filme herauskommen als im Programm Platz finden. Eine besondere Herausforderung stellen auch die Solothurner Filmtage dar. In den Wochen vor der Oscar-Verleihung werden publikumswirksame Filme auf den Markt gebracht, und so muss man in Solothurn sehr schauen, wie man diese platzieren kann. Ob es einen passt oder nicht, haben sich die synchronisierten Fassungen durchgesetzt.

Indessen wird bei anspruchsvolleren Filmen dienstags und mittwochs die Originalfassung mit Untertiteln projiziert. «2015 war für uns ein tolles Kinojahr und hat Mut gemacht. Die Leute gehen ins Kino, wenn das Angebot stimmt.»

Das «Palace» wurde 1918 eröffnet, ist also bald 100 Jahre alt, und deshalb kann die Leinwand nicht grösser gemacht werden. Junge urbane Männer gehen manchmal Actionfilme auswärts auf einer grösseren Leinwand anschauen. Aber Kino wird ja nicht umsonst auch als «Traumfabrik» bezeichnet, denn neben Action gibt es noch ein breites Angebot an Komödien oder Dramen mit Happy End, so dass letztlich der Ausspruch von Bettina Schönberg-von Gunten stimmt: «Kino ist Wellness für die Seele.»

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