Solothurn
Die Fasnacht auf Sparflamme ist zu Ende – die Akteure ziehen Bilanz

Eine ungewöhnliche Fasnacht ist zu Ende. Dank der Kreativität der Narren war die Fasnacht in Solothurn präsenter als an anderen Orten. In Erinnerung bleiben wird vor allem die Fart 2021.

Fabio Vonarburg
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Keine Umzüge, dafür die Fart 2021. Fasnacht in Solothurn während der Coronapandemie. Hier der Wagen der Hauptgass Leist.

Keine Umzüge, dafür die Fart 2021. Fasnacht in Solothurn während der Coronapandemie. Hier der Wagen der Hauptgass Leist.

Hanspeter Bärtschi

Der Ober der Narrenzunft Honolulu hat sie ausgepustet – die Fasnachtslaterne. Wie jedes Jahr stand der Akt auch am Mittwoch für das Ende der fünften Jahreszeit. Ein Moment, in dem viele Narren die Traurigkeit befällt. Auch in diesem Jahr hing etwas Wehmut in der Luft, wenn auch in dieser Fasnachtszeit vieles anders war als sonst. So auch am Aschermittwoch. Weniger als einer Handvoll Narren war es wegen der Coronapandemie vergönnt, den Schlüssel wieder dem Stadtpräsidenten Kurt Fluri zurückzugeben. Und in einem ebenso kleinen Rahmen erlöschte das Licht der Fasnachtslaterne.

Ausgepustet hat die Kerze Peter Studer, der Ober der Narrenzunft Honolulu. «Was soll man da sagen», antwortete er wenige Stunden zuvor auf die Frage, was er für eine Bilanz der Fasnacht 2021 in Solothurn zieht, und ergänzte: «Es war keine Fasnacht wie in den vergangenen Jahren, es war eine Fasnacht auf Sparflamme. Und dennoch, wir konnten etwas bewirken.»

Aktive Narren auch zu Coronazeiten

Damit meint er all die Aktionen, die trotz der Pandemie durchgeführt werden konnten – unter der Einhaltung der geltenden Massnahmen. Begonnen mit der Home-Chesslete, bei denen die Narren von ihren Balkonen aus Krach machten, fortgeführt mit der Livestream-Party der Lulubar, bei der auch Peter Studer mitmachte – «hatten einen guten Abend, kostümiert, aber zu Hause». Auch die Fasnachtszeitungen erschienen und ebenso sind die Schnitzelbänke nicht ganz verstummt. Statt im Saal aufzutreten, waren einige Gruppen im Video mit ihren Sprüchen zu hören.

Die Scherze Jeger nahmen im Studio ein Programm auf.

JumpTV

Auch mit Blick auf die Ereignisse im Kanton Schwyz sagt der Ober der Narrenzunft Honolulu: «Wir haben dafür gesorgt, dass die Narren sich trotz Corona engagieren konnten.» Eine Fasnacht trotz Corona. Anders als gewohnt, aber unter Einhaltung der geltenden Sicherheitsmassnahmen.

Damit meint der Ober der Narrenzunft Honolulu auch die Fart 2021. Der Ersatz für die Fasnachtsumzüge, die dieses Jahr nicht stattfinden konnten. Stattdessen haben die Narren aus der Stadt und Region 39 Schaufenster dekoriert sowie 9 Installationen auf Plätzen der Stadt aufgestellt. Eine Parodie auf die Kunstausstellung Zart vom letzten Jahr, ein närrischer Stadtrundgang, der rund um die Uhr zugänglich war und somit grosse Menschenansammlungen vermieden werden konnten.

Kunstwerk der Narrenzunft Honolulu auf dem Friedhofplatz
16 Bilder
Kunstwerk der Altstadt Rueche auf dem Kreuzackerplatz Ost
Kunstwerk auf dem Dornacherplatz
Die ultimative Fasnachtskunstreise: Drogerie Tschumi.
Das Kunstwerk der Ambassadonner in der Bäckerei Konditorei Steiner
2021 Die ultimative Fasnachtskunstreise: Kreuzackerplatz West.
Kunstwerk der Hudibras Chutze auf dem Zeughausplatz
Die Gassefäger dekorierten das Schaufenster vom «Chuchilade»
Kunstwerk der Konfettistampfer in der Wälchli Metzgerei

Kunstwerk der Narrenzunft Honolulu auf dem Friedhofplatz

Tom Ulrich / Fotomtina

Hinter der Fart 2021 steht die Vereinigte Fasnachtsgesellschaft Solothurn UNO. Diese organisiert normalerweise die beiden grossen Umzüge und sah sich schon früh gezwungen, nach einer Alternative Ausschau zu halten. Eine spezielle Situation für den neuen Ober Ober Patrick Zimmermann. «Ich konnte kein Konzept der Vorjahre aus der Schublade nehmen.» Mit dem, was entstanden ist, der Fart 2021, ist er allerdings zufrieden. «Wir erhielten en masse Lob und positive Feedbacks», sagt Zimmermann, «das hat unser Herz erwärmt in dieser Zeit.»

Auch ihm selber haben die närrischen Kunstwerke zugesprochen. «Eines ist schöner als das andere», so der Ober Ober. «Ein grosses Kompliment an alle Beteiligten. Die Fart war farbenfroh und hat vielen ein Lächeln auf die Lippen gezaubert.»

Polizeien ziehen positives Fazit

Besonders am Sonntag seien viele Fart-Gänger in der Stadt unterwegs gewesen, sagt Zimmermann. Doch soweit er es beurteilen könne, seien die derzeitigen Coronamassnahmen eingehalten worden. Er ergänzt:

«Ich habe von der Polizei nichts gehört, somit gehe ich davon aus, dass auch sie mit uns zufrieden sind.»

Auf Anfrage dieser Zeitung haben Stadt- und Kantonspolizei am letzten Montag ein Zwischenfazit gezogen, das von beiden Korps positiv ausfiel. Es sei recht ruhig gewesen, Menschenansammlungen seien keine entstanden, sagte etwa Walter Lüdi, Kommandant der Stadtpolizei. An dieser Einschätzung hat sich auch zwei Tage später nichts geändert, wie er auf die erneute Anfrage mitteilt. Ebenso bei der Kantonspolizei Solothurn. Weiterhin haben auch beide Korps keine Kenntnisse von illegalen Partys während der Narrenzeit in der Stadt.

Die Fart kam derart gut beim Publikum an, dass der Ober Ober auch schon gefragt wurde, ob es nicht möglich wäre, diese auch künftig parallel stattfinden zu lassen. Die Gruppierungen hätten vermutlich während einer gewöhnlichen Fasnacht bereits schon genug zu tun, wiegt Zimmermann ab, fügt aber an: «Bekanntlich soll man aber nie nie sagen.»

Narrenweg soll keine einmalige Sache bleiben

Was aber wieder stattfinden soll, ist der Narrenweg beim Kapuzinerkloster, dessen Abbau am Mittwoch begonnen hat. «Äusserst erfreulich», so das Fazit von Urs Bucher vom Kapuzinerkloster. Von Seiten der Narren sei vor allem die Zusammenarbeit mit den Schulen geschätzt worden. 12 der 52 Bilder, die man beim Kapuzinerkloster bewundern konnten, stammen von Schulkindern. «Sie sind die Zukunft der Fasnacht», sagt Bucher.

Narrenweg Kapuzinerkloster

Narrenweg Kapuzinerkloster

Michel Lüthi

Trotz des Erfolgs – alle hoffen im nächsten Jahr wieder auf eine normale Fasnacht. Zimmermann: «Dass das Konzept der Fart in der Schublade verschwinden kann.»

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