Solothurn
Emotionale Debatte über Zentralbibliothek: Kurt Fluri spricht sich gegen den Bildungscampus aus

Zwei Gemeinderätinnen kritisierten die fehlende Strategie der Zentralbibliothek Solothurn. Stadtpräsident Kurt Fluri verwies auf die noch ungewisse Zukunft der Bibliothek.

Fabio Vonarburg
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Die Zentralbibliothek bleibt, wenn es nach Kurt Fluri geht, dort, wo sie ist.

Die Zentralbibliothek bleibt, wenn es nach Kurt Fluri geht, dort, wo sie ist.

Andreas Kaufmann

«Du bist zu emotional», stellte SP-Gemeinderat Matthias Anderegg nüchtern fest, nachdem die aufgebrachte Stimme von Stadtpräsident Kurt Fluri im Saal verstummt war. Was ist passiert?

Der Gemeinderat behandelte das letzte Traktandum des Abends, bei dem es um eine überparteiliche Interpellation ging. In dieser haben die beiden Erstunterzeichnerinnen, Franziska Baschung (CVP) und Anna Rüefli (SP), ihre Sorgen betreffend Zentralbibliothek zum Ausdruck gebracht. Darin schrieben sie von Hiobsbotschaften, die sich in den letzten Jahren gehäuft hätten. Die Einschränkung der Öffnungszeiten etwa, oder auch die Schliessung der Abteilung Musikbibliothek. In der Folge wollten die beiden vom Stadtpräsidium etwa wissen: Warum die Bibliothek unter einem derart grossen Spardruck steht und über welche Möglichkeiten die Stadt verfügt, um einen weiteren Leistungsabbau zu verhindern?

In ihren Voten im Rat legten sie nach. Sie seien mit der Antwort des Stadtpräsidiums nur teilweise zufrieden, hiess es von den Interpellantinnen. «Leider bestätigt die Interpellationsantwort, dass trotz seiner Bedeutung für die Stadt und Region keine langfristige Strategie für die Zentralbibliothek besteht», sagte etwa Anna Rüefli, die von widersprüchlichen Einzelentscheidungen sprach und davon, dass die Gefahr bestehe, dass der Rückhalt in der Bevölkerung schwinde.

Allfälliger Bildungscampus blockiert Weiterentwicklung

Und dann kam sie, die emotionale Antwort des Stadtpräsidenten auf die Vorwürfe: «Wie sollen wir eine Strategie entwickeln?», fragte Kurt Fluri rhetorisch. «Man kann schon immer verlangen, macht eine Strategie macht ein Strategie.» Aber eine Strategie müsse einen gewissen Realitätsbezug haben. Daraufhin wandte sich Fluri direkt an Anna Rüefli: «Du bist Kantonsrätin, du kannst dem Baudepartement die Schnapsidee austreiben mit dem Bildungscampus. Wir werden uns weiterhin dagegen wehren, ich hoffe meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger wird das fortführen.» Und Fluri fügte an: Es sei nicht schlau, den jetzigen Standort aufzugeben.

Zum Hintergrund: Der Solothurner Regierungsrat prüft derzeit, ob auf dem Areal der Kantonsschule künftig ein eigentlicher Bildungscampus entsteht. Auf diesem soll alles beieinander liegen: Die Kantonsschule, das Staatsarchiv, ein Hallenbad und eben die Zentralbibliothek. Die Resultate der in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie sollen bis Ende 2021 vorliegen.

Warum die Stadt sich gegen einen Bildungscampus wehrt

Am Tag nach der Gemeinderatssitzung hat sich die Aufregung bei Kurt Fluri wieder gelegt: «Schnapsidee war vielleicht ein wenig hart», sagt er und lacht. «Das Wort ist mir rausgerutscht.» Danach zählt er mehrere Argumente auf, warum aus Sicht der Stadt, die Zentralbibliothek am jetzigen Standort bleiben sollte.

Erstens sei der Verkehrsanschluss am jetzigen Standort an der Bielstrasse viel besser. «Sechs Busverbindungen führen zur Bibliothek, zudem liegt diese an einer Hauptstrasse», sagt Fluri. Zweitens befürchtet die Stadt, dass weitere Gebäude bei der Kantonsschule, den jetzigen parkähnlichen Zustand erheblich stört. «Drittens würde aus der Zentralbibliothek im wesentlichen eine Kantonsschulbibliothek, die ihre Autonomie verlieren würde», befürchtet Fluri zum Schluss. Darum habe man auf die Idee der kantonalen Regierung nicht mit Begeisterung reagiert – «und auch nicht mit Wohlwollen», fügt der Stadtpräsident an. Einzig die Kantonsschülerinnen und -schüler würden von einem Bildungscampus profitieren.

Auf dem Areal der Kantonsschule Solothurn (hier der Blick auf den Trakt der Naturwissenschaften) könnte ein Bildungscampus entstehen.

Auf dem Areal der Kantonsschule Solothurn (hier der Blick auf den Trakt der Naturwissenschaften) könnte ein Bildungscampus entstehen.

Andreas Kaufmann

Und solange die Idee in der Luft schwebe, könne man keine Strategie für die Zentralbibliothek entwickeln, fährt Fluri fort. «Der Kanton wird kein Geld in die Zentralbibliothek investieren, solange nicht klar ist, ob sie verlegt wird.» Die Regelung sieht vor, dass bei Investitionen jeweils drei Viertel der Kosten der Kanton trägt, der Rest die Stadt. Dasselbe Verhältnis gilt für die Defizite der Zentralbibliothek. Wobei hier die Stadt von Beiträgen aus den Regionsgemeinden unterstützt wird.

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