Solothurn
«Es war tote Hose»: Nach langer Pause wird im Chutz wieder gejazzt

Nach der langen Coronapause ist der Verein «Jazz im Chutz» wieder zurück. Der Verein schaut zurück und voraus.

Judith Frei
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Christof Vonlanthen, Rolf Rickenbacher, Sigrid Lux, Daniel Trutt von Jazz im Chutz

Christof Vonlanthen, Rolf Rickenbacher, Sigrid Lux, Daniel Trutt von Jazz im Chutz

Carole Lauener

Dieses und letztes Jahr ist einiges zum Stehen gekommen, das seit Jahrzehnten wie ein Uhrwerk oder ein Herzschrittmacher das kulturelle Leben der Stadt Solothurn bestimmte. So auch «Jazz im Chutz», der Verein, der seit Jahrzehnte modernen Jazz in die Barockstadt holt, musste sich den Umständen anpassen. «Es war tote Hose», sagt Christof Vonlanthen lapidar. Er sitzt an einem kleinen Tisch im Restaurant Chutz. Bei ihm sitzt fast der ganze Verein «Jazz im Chutz». Nicht anwesend ist Beat Meier.

Auch Vereinsgründer Rolf Rickenbacher ist vor Ort. Er ist in den 1970er-Jahre auf die Idee gekommen, den Jazz-Schülern, die die damals neu gegründete Jazzschule in Bern absolvierten, eine Bühne zu bieten. «Zuerst kamen die Absolventen, die hier spielten, später kamen deren Lehrer», erinnert sich Rickenbacher und lacht: «Das hat eingeschlagen wie eine Bombe.»

Vor der Gründung des «Jazz im Chutz», gab es schon den «Jazz Club Solothurn». Diesen Club wollte Rickenbacher nicht konkurrenzieren: «Dort hat man Dixieland und Swing gehört. Wir spielen Jazz von Modern Mainstream bis Bebop.»

Ein Jahr ohne «Jazz im Chutz»

Doch für mehr als ein Jahr wurde kaum Jazz im Chutz gespielt. «Wir haben im Frühling vor einem Jahr das ganze Programm on hold gesetzt», erinnert sich Sigrid Lux. Das hat keine finanzielle Konsequenzen für den Verein, da die Konzerte nicht abgesagt wurden, sondern lediglich verschoben.

Untätig war der Verein in dieser Zeit aber nicht. «Wir haben uns während dieser Zeit via Zoom getroffen oder bei jemanden auf der Terrasse», erklärt Lux. So konnte auch noch ein Konzert im Oktober 2020 organisiert werden. Damals spielte das Thomas Baumgartner Trio im gut besuchten Chutz.

Jetzt wird bald wieder gejazzt

Nächste Woche, am 31. Oktober, geht die Konzertreihe wieder richtig los. Dann ist das Programm nicht mehr on hold und bis zum nächsten Mai stehen die Konzerttermine schon fest. Premiere für die kommende Saison bestreitet die Band um die Sängerin Marianne Racine: «Racine Rhythm & Horns». So wird wieder am Sonntagmorgen zu Kaffeeduft und ungezwungenem Rahmen im Chutz Jazz erklingen.

Bei dieser Band werden keine Tasten gedrückt und keine Saiten gezupft. «Ohne Helm und Sicherheitsgurt - dafür viel Raum für neue Klänge. Stimme, Trompete und Baritonsax tanzend im Wechselbad und Rollentausch von Solist und Begleiter», so beschreibt sich die Band.

Der Verein hat nur wenige Kriterien, wie sie die Musikerinnen und Musiker aussuchen. Ein Kriterium ist, dass mindestens ein Bandmitglied ein Bezug zur Schweiz, am besten zur Region, hat. So hatten sie auch schon hochkarätige internationale Musiker. «Manchmal muss man auch ein Experiment wagen», meint Vereinsmitglied Daniel Trutt über die Band.

«Die Musik muss aber gegenständlich sein», meint Rickenbacher. Damit sind nicht alle Vereinsmitglieder einverstanden und nach einer kurzen Diskussion unter Experten wurde man sich einig, dass man sich nicht einig ist. Diese Art von Diskussionen seien ein wichtiger Bestandteil des Vereins, meint Lux lachend.

Never change a winning horse

Bei den Vereinstreffen wird eben nicht nur über Organisatorisches gesprochen, sondern auch über Jazz gefachsimpelt. «Wir alle sind Jazz-Fans», erklärt Lux. Das Hauptanliegen des Vereins sei, dass Jazz-Liebhaber guten Jazz hören können und dass junge Profimusiker gefördert werden.

So hatten sie auch schon Kantonsschüler, die im Chutz gespielt haben. Für die nächste Kulturnacht im nächsten April wollen sie wieder den ganz jungen Musikern die Bühne überlassen. Dadurch erhoffen sie sich einen positiven Effekt auf das Publikum: Durch jüngere Musiker könnte sich auch das Publikum verjüngen.

Sie freuen sich zwar immer über die treuen Stammgäste, doch soll der Anlass auch Jüngere anlocken. Den Anlass am Nachmittag stattfinden zu lassen, damit das jüngere Publikum ausgeschlafen Jazz hören kann, sei aber keine Option. «Der Rahmen ist gesetzt», mein Vonlanthen. Es bestehe kein Interesse etwas daran zu ändern. Auch während der Zwangspause sei kein Bedürfnis entstanden, etwas am alt bewährten Anlass zu ändern. So wissen sie auch, auf was sie sich freuen: Kaffee, Gipfeli und abgefahrene Klänge am Sonntagmorgen im Chutz.

Das erst Konzert findet am Sonntag, 31. Oktober um 10:30 Uhr statt. Anmeldungen unter www.jazzimchutz.ch oder direkt im Restaurant Chutz unter 032 622 89 29. Eintritt nur mit Zertifikat.

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