Solothurn
Stefanie Ingold vs. Markus Schüpbach: Das Streitgespräch um das Stadtpräsidium in 7 Punkten

Die Kandidierenden Stefanie Ingold (SP) und Markus Schüpbach (FDP) trafen im Gemeinderatssaal aufeinander und diskutierten über Finanzen, Plätze und ein WC.

Fabio Vonarburg
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Podium Stadtpräsidiumswahlen Solothurn mit Stefanie Ingold (in der Mitte), Markus Schüpbach (rechts), moderiert von Stadtredaktorin Judith Frei (links):

Podium Stadtpräsidiumswahlen Solothurn mit Stefanie Ingold (in der Mitte), Markus Schüpbach (rechts), moderiert von Stadtredaktorin Judith Frei (links):

Hanspeter Bärtschi / SZ

«Auch Kurt Fluri hat vor 28 Jahren einmal angefangen», sagte Markus Schüpbach (FDP) und seine Kontrahentin um die Nachfolge von Kurt Fluri, Stefanie Ingold (SP), hielt fest:

«Es wird nicht einfach der Schalter umgedreht und alles ist anders.»

Es sind grosse Fussstapfen, in der die künftige Stadtpräsidentin oder Stadtpräsident tritt. Wer welche Sicht auf die Stadt und deren Zukunft hat, kristallisierte sich an der Podiumsveranstaltung dieser Zeitung etwas mehr heraus, die wegen Corona ohne Publikum stattfand. Dafür wurde sie per Livestream übertragen und kann online nachgeschaut werden. Hier einige Highlights der Podiumsveranstaltung...

Schnitt: Gülpinar Günes

... und hier das Podium in voller Länge zum Nachschauen:

Regie: René Meier, Produktion: Robert Bachmann

Die gemeinsame Schwäche

Beide Kandidierenden haben bislang wenig politische Erfahrung. Ingold hatte noch kein politisches Amt, Schüpbach war lediglich Ersatzmitglied im Gemeinderat. «Selbstverständlich wäre es besser, wenn ich bereits 20 Jahre politische Erfahrung hätte», sagte Schüpbach, unterstrich aber seine Führungserfahrung, die er in das Amt mitbringt. Auch sie bringe Führungserfahrung mit, sagte Ingold, die zudem betonte, dass sie als Schulleiterin der Stadt Solothurn mit den politischen Abläufen bestens vertraut sei.

Die erste Uneinigkeit

Die «Bugwelle der Investitionen» gibt derzeit in der Stadt zu reden. Dass die Finanzen nicht ins Schleudern geraten, haben beide Kandidierenden ein ähnliches Rezept: Auf die Ausgaben schauen. Wo sich die beiden Kandidierenden etwas aneinandergerieten, war im Bezug auf die Schulhäuser. Schüpbach betonte, dass man sich auch nicht davor scheuen soll, etwa an die Lösung von Schulpavillons zu denken, mit denen man flexibler auf die Schülerzahlen reagieren kann. Da gebe es mittlerweile gute Lösungen.

Schulleiterin Ingold hatte für diesen Input wenig Verständnis: «Die Stadt Solothurn muss attraktive Schulhäuser haben», sagte Ingold, die anfügte, sie bezweifle, ob für eine Kantonshauptstadt wie Solothurn, Pavillons die richtige Lösung wären. Schüpbach betonte daraufhin nochmals: Man müsse schauen, dass man weniger ausgebe. Wenn man dies konsequent mache, komme man ohne steuerliche Veränderungen aus.

Schüpbach griff SP an

«Ich war erstaunt über den Ton und das Niveau des Artikels», sagte Stefanie Ingold, als der Artikel zur Sprache kam, der Markus Schüpbach im «Azeiger» publiziert hatte. «Soll die Stadt weiterhin auf ihrem erfolgreichem Kurs weiterfahren oder wollen wir uns auf ein linkes Experiment einlassen?», zitierte Moderatorin und Stadtredaktorin der Solothurner Zeitung, Judit Frei, aus dem Artikel und konfrontierte Schüpbach mit seiner Aussage. «Wenn man die Städte anschaut, die eine links-grüne Mehrheit haben, darf man sich diese Frage stellen», sagte Schüpbach und nahm etwa Bezug auf die Stadt Bern und ihre Verschuldung.

Ingold betonte ihrerseits, dass die von Schüpbach als Beispiele zitierte Städte, wie Zürich und Bern, ganz weit oben in der Liste der lebenswerten Städten stehen. Zudem betonte sie, dass die Politik ihrer Partei in Solothurn in den letzten Jahren immer mehr Gewicht bekommen hat.

«Dass es Solothurn gut geht, ist auch der Mitarbeit der SP zu verdanken.»

Thema, das beiden wichtig ist

Dass Ökologie für beide eine zentrale Rolle spielt, wusste man bereits im Vorfeld. Schüpbach betonte, dass es wichtig sei, dass Diesel- durch Elektrobusse ersetzt werden, Ingold hob hervor, dass man den Individualverkehr reduzieren müsse. «Ich verteufle das Auto nicht, ich habe selber eines», sagte sie. «Aber immer wenn ich es nehme, denke ich: ‹Nie mehr wieder!›, weil ich im Stau stehe.»

Als ein WC zur Sprache kam

Er wünsche sich ein WC auf dem Kreuzackerplatz, sagte ein Boule-Spieler, der Teil eines Videos war, das während dem Podium abgespielt wurde. In diesem gaben Solothurnerinnen und Solothurner ihre Wünsche an den künftigen Stadtpräsidenten, die künftige Stadtpräsidentin preis. «Gibt es ein WC auf dem Kreuzackerplatz, wenn Sie Präsidentin werden», fragte die Moderatorin. Ingold: «Wenn dies ein Bedürfnis ist, kann man das sicher diskutieren.» Wichtig sei, dass man die Bedürfnisse aufnehme und ernst nehme. Schüpbach seinerseits sagte, dass die Verwaltung in der Lage sein sollte, dies in Eigenkompetenz zu machen. «Wenn das Bedürfnis dort vorhanden ist, kann man dies hinstellen.»

Uneinigkeit Nummer zwei

Nach dem Kreuzackerplatz blieb die Diskussion bei den Plätzen in der Stadt. Sollen die Parkplätze vom Klosterplatz verschwinden, wollte Frei von den beiden Kandidierenden wissen: Der Gemeinderat habe mehrmals darüber beraten und beschlossen, dies nicht zu machen, so Schüpbach und wurde konkreter. Dort hätten Menschen mit einer Beeinträchtigung die Möglichkeit, zu parkieren «und wir müssen das dortige Gewerbe nicht abstrafen.» Es sei kein Geheimnis, sie sei anderer Meinung, sagte Ingold.

«Manchmal muss manchmal schauen, dass man nicht überfahren wird.»

Der Klosterplatz bleibe auf der Agenda, sagte Ingold, verwies aber auf die anderen Plätze und somit war man wieder bei einer Gemeinsamkeit. Für beide können die Plätze grüner werden. Schüpbach erwähnte den Dornacherplatz, bezeichnete ihn als Hitzeinsel. Die Pro Vorstadt betreibe einen wahnsinnigen Effort den Platz attraktiv zu gestalten, doch nur wenige gingen hin, «weil es schlichtweg zu heiss ist.»

Werbung in eigener Sache

Und dann, ganz zum Schluss, richteten die beiden Kandidierenden sich direkt an die Wählerinnen und Wähler. Für ihn wäre es eine grosse Ehre, wenn man ihn unterstützen würde, sagte Markus Schüpbach (FDP). Und Stefanie Ingold (SP): «Wenn ich etwas angehe, dann mit Begeisterung.» Wer macht das Rennen? Das Fiebern auf den 13. Juni geht weiter.

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