Aedermannsdorf
Nach 14 Monaten und Tausenden von Kilometern: Extremsportler Jonas Deichmann ist wieder im Thal angekommen

Die Weltumrundung ist vorbei. Ultra-Ausdauersportler Jonas Deichmann ist zurück in Aedermannsdorf. Mehr als 100 Personen haben ihn dort auf dem Löwenplatz empfangen.

Rahel Bühler
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Jonas Deichmann ist zurück in Aedermannsdorf. Hier unter anderem mit Gemeindepräsident Bruno Born (rechts).

Jonas Deichmann ist zurück in Aedermannsdorf. Hier unter anderem mit Gemeindepräsident Bruno Born (rechts).

Patrick Lüthy

Um 17.21 Uhr am Freitagabend war es so weit: Extremsportler Jonas Deichmann, der in 425 Tagen die Welt auf dem Fahrrad, zu Fuss oder im Wasser umrundete, war wieder in Aedermannsdorf. Dem Ort, von wo aus er vor 14 Monaten seine 120 Ironmans startete.

Trotz der winterlichen Temperaturen empfingen mehr als hundert Personen den 34-Jährigen auf dem Löwenplatz. Darunter auch Gemeindepräsident Bruno Born, Ines Kreinacke, die Geschäftsführerin vom Naturpark Thal, und Deichmanns Eltern. Der Platz war mit einem beleuchteten Weihnachtsbaum und Finnenkerzen geschmückt. Der Männerchor servierte Punsch und Glühwein.

Das nächste Projekt soll in anderthalb Jahren losgehen

Zuvor absolvierte Deichmann die letzten Kilometer auf dem Fahrrad. Via Neuenburg und Grenchen kam er nach Solothurn. Dort warteten die ersten Radfahrklubs, um ihn auf dem Weg ins Thal zu begleiten. Um etwa 17 Uhr traf er in Balsthal ein. Bereits dort begrüssten ihn um die 30 Personen. «Ist das alles Gepäck?», fragte eine Besucherin ungläubig. «Ja», antwortete Deichmann. Er fuhr ohne Auto, das ihm das Gepäck transportierte. Zu Fuss zog er einen kleinen Anhänger mit, im Wasser ein Floss.

Von Balsthal aus begleiteten ihn um die 20 Radfahrer bis nach Aedermannsdorf – und eine Polizeieskorte mit Blinklicht. Am Strassenrand von Balsthal nach Aedermannsdorf standen auch immer wieder Menschen, die ihm applaudierten und zujubelten.

Die Musikgesellschaft Konkordia spielte zur Begrüssung.

Die Musikgesellschaft Konkordia spielte zur Begrüssung.

Patrick Lüthy

Zur Begrüssung spielte die Musikgesellschaft Konkordia Aedermannsdorf ein Lied. Im Anschluss sagte Born:

«Wir sind sehr stolz auf dich und deine Leistung.»
Abenteurer Jonas Deichmann erhielt in Mexiko viel Begleitung.

Abenteurer Jonas Deichmann erhielt in Mexiko viel Begleitung.

zvg

Deichmann selbst zeigte sich überrascht von der Menschenmenge: «Ihr macht den Empfängen in Mexiko, wo sich jede Stadt zu überbieten versuchte, definitiv Konkurrenz.» In einem Kurzinterview mit dem Gemeindepräsidenten schaute der Extremsportler auf seine vergangenen Monate zurück. «Das Timing hätte ich definitiv besser hinkriegen können», meinte Deichmann. Denn: Er durchquerte Russland im Winter und Mexiko im Sommer. Grund dafür seien vor allem Verzögerung wegen der Coronapandemie gewesen. Zum Beispiel sei er in der Türkei gestrandet. Nach Russland gelangen konnte er nur mit einer Sondereinreisebewilligung.

Trotzdem zeigte er sich glücklich über seine Weltumrundung. «Es war schön», bilanzierte er nüchtern. Er möge Herausforderungen. Und eines seiner Mottos laute:

«Das Leben ist zu kurz, um im Flachen zu radeln.»

Und er liebe Berge. Deshalb gefalle es ihm auch im Thal so gut.

Mehrere Radfahrer begleiteten Deichmann auf dem Weg ins Thal.

Mehrere Radfahrer begleiteten Deichmann auf dem Weg ins Thal.

Patrick Lüthy

Nach einem weiteren Stück der Musikgesellschaft ergriff Ines Kreinacke das Wort. Sie fragte Deichmann nach seinen weiteren Plänen: Zuerst fahre er nun weiter nach München. Dann habe er viele Medientermine und Vorträge. Über Weihnachten und Neujahr sei er dann wieder zurück in Aedermannsdorf. Was sein nächstes Projekt sein werde, wollte er nicht verraten. Nur, dass es in etwa anderthalb Jahren losgehen soll.


«Jonas Deichmann trägt den Namen unseres Parks weiter», sagt die Geschäftsführerin des Naturparks.

Ines Kreinacke, Geschäftsführerin Naturpark Thal.

Ines Kreinacke, Geschäftsführerin Naturpark Thal.

Bruno Kissling

Ines Kreinacke, Jonas Deichmann fungiert als Botschafter für den Naturpark Thal. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

Ich kenne Jonas Deichmann, seit er von seinem Weltrekord Panamericana Solo 2018 zurückgekehrt ist. Er hat mich damals schon so beeindruckt, dass wir ihn als Redner an unserem letzten Wirtschaftsapéro eingeladen haben.

Wie sieht diese Zusammenarbeit denn genau aus?

Wir sind nur ein kleiner Sponsor. International treten wir nicht auf. In der Schweiz aber schon: Wir haben ausgemacht, dass Jonas Deichmann bei Interviews, die er in der Schweiz gibt, angibt, dass er aus dem Naturpark Thal kommt. Was ja auch stimmt. Er hat seine Schriften in Aedermannsdorf. Den Park aber können mehr Leute verorten als Aedermannsdorf.

Was bringt diese Zusammenarbeit denn dem Naturpark?

Wenn Jonas Deichmann der NZZ ein Interview gibt, in dem er seinen Wohnort angibt, ist das nur ein kleiner Nebeneffekt für uns. Er trägt den Namen weiter und stellt den Park in einem positiven Licht dar. Denn wir können uns sehr gut mit ihm und seiner Art der Fortbewegung identifizieren: Als Naturpark stehen wir für nachhaltige Mobilität. Und natürlich sind wir sehr stolz auf ihn und seine Leistung. So, wie man auf jeden stolz ist, der aus deiner Region kommt und etwas Grossartiges vollbracht hat.

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