Neuendorf
Barocke Chormusikperlen begeisterten

Unter der Leitung von Tobias von Arb wurde in Neuendorf musiziert. In zwei Konzerten brillierten der Kammerchor Buchsgau und junge Solisten mit barocker Kirchenmusik.

Peter Kaufmann
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Der Kammerchor Buchsgau unter der Leitung von Tobias von Arb.

Der Kammerchor Buchsgau unter der Leitung von Tobias von Arb.

Remo Fröhlicher

Heiter und beschwingt klingt über weite Strecken die Musik des «Dixit Dominus», RV 594 – der typische Vivaldi-Klang, den man aus den «Vier Jahreszeiten» im Ohr hat. Doch das täuscht. Der Psalm 109 (110), zu dessen Text Antonio Vivaldi vor 1717 dieses Sakralwerk komponiert hat, erzählt geradezu martialisch von der Vernichtung der Feinde durch Gott, der mächtig und vernichtend ist.

Entsprechend dramatisch sind die Arien, deren Koloraturen den fünf jungen Solisten keine Mühe machten: Die beiden Sopranistinnen Marianne Feuersinger und Anna Gschwend, der Altus Timo Klieber, der Tenor Jakob Pilgram und der Bass Tobias Wicky zeigten sich im vierteiligen Konzertabend in der Pfarrkirche Neuendorf von ihrer besten Seite.

Hervorragender Chor

Der Kammerchor Buchsgau konnte in diesem erst Ende der 1960er-Jahre wieder entdeckten barocken Vivaldi-Werk trotz kleiner Besetzung seine Qualitäten in den betörend schönen Chorpartien einsetzen. Eine grosse Chorbesetzung verlangten indessen die drei anderen Kirchenmusikwerke.

Im «Deus, judicium tuum» von Georg Philipp Telemann brachten vor allem die Ecksätze und der gemeinsam mit den Solisten gesungene Vivace-Satz «Et Dominabitur» den vollen Klang des hervorragend geschulten Chores zur Geltung: Erzählt wird in dieser im Herbst 1737 in Paris zu Texten aus den Psalmen 71/72 komponierten «Grand Motet» von einem Gott des Friedens und der Gerechtigkeit. Ebenfalls in grosser Besetzung sorgte das auf barocke Musik spezialisierte Basler Capricornus Consort auf historischen Instrumenten für einen speziellen, wunderbaren Klangraum: Ein Begleitensemble, das auch in einigen solistischen Stellen brillierte.

Zwei weitere Meisterwerke

Das fast zweistündige Konzert unter der Leitung von Tobias von Arb ergänzten und vertieften zwei weitere Meisterwerke aus der Barockzeit. In englischer Sprache gesungen wurde das «Jubilate», eine Lobpreisung Gottes, die Georg Friedrich Händel 1713 als erstes Auftragswerk des englischen Königshauses für den Dankgottesdienst zur Feier des Friedens von Utrecht geschrieben hatte.

Händel verzichtete bei den Solisten auf den Sopran, komponierte aber ein feierliches Terzett für Altus, Bass und Tenor, bevor dann der Chor im «Glory» die Ehre des dreifaltigen Gottes kraftvoll besingen darf. Mit einem prächtigen Chorauftakt und schmetternden Trompeten beginnt Johann Sebastian Bach sein berühmtes «Magnificat», das wohl einer der Höhepunkte seines ersten Amtsjahres als Leipziger Thomaskantor war.

Standing Ovation

In Neuendorf war es der glanzvolle Schlusspunkt eines anspruchsvollen Konzertes, das vom begeisterten Publikum am Samstagabend zu Recht mit einer Standing Ovation gefeiert wurde. Am spätern Sonntagnachmittag war dasselbe Konzert nochmals zu hören.

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